Freitag, 09. Januar 2009, 22:01:25 Uhr, NZZ Online
aks. «Das mit dene baue // auso, das mit dene baue // dir, das mit dene baue // das het mir gfaue // däsch de nid liecht mit dene baue // die geng so lah z knaue // dass die nid abefaue // däsch nid liecht, mit dene baue // das müesst dr zerschmau schnaue.» Mit diesen (und noch viel mehr) Worten kommentiert Rolf P. Kaufmann die Produktion «Plan B» der französischen Cie. 111 mit ihren artistischen Ballnummern. Kaufmann ist ein alter Fuchs in der Theaterlandschaft. Erschienen seine Artikel früher in so renommierten Publikationen wie den «Luzerner Monatsheften», veröffentlicht der promovierte Kritiker und Autor heute ausschliesslich auf der eigenen Website. Ganz anders Kaufmanns Kollege Frank Bühler: Der Sportreporter des «Tagesjournals Olten» betätigt sich, wegen einer Ferienabwesenheit, erstmals als Kulturberichterstatter.
«Bühler vs. Kaufmann» heisst es im Turm auf der Landiwiese während des Theaterspektakels. Rolf P. Kaufmann («ds P han i vo myre Mueter – di het dr Picasso vrehrt») und Frank Bühler tauschen jeweils ihre Eindrücke über das derzeitige Spektakel-Geschehen aus. Hinter den beiden Journalisten-Originalen steht niemand anderes als die zwei Berner Autoren Guy Krneta und Pedro Lenz. Allein schon ihr Dialekt macht einen Besuch der Sprechperformance lohnenswert. Trotz unfreundlichem Wetter fand sich denn bei der «Premiere» am Freitagabend eine ganze Schar Interessierter im immerhin fast trockenen ersten Turmgeschoss ein; die einzelnen nassen Stühle am Rand wurden von Pedro Lenz vor Vorstellungsbeginn mit einem Schwamm getrocknet.
Was das Publikum während einer Viertelstunde geboten bekommt, ist sehr dicht – und ausgesprochen witzig. So zeigt sich Bühler in seinem Kommentar zur brasilianischen Produktion «Febre» in erster Linie begeistert vom athletischen Können der Tänzerinnen und Tänzer: «Ohni seriöses Training bringtme so ne Leischtig nid über die ganze 90 Minute.» Kollege Kaufmann hingegen versteigt sich in höhere interpretatorische Ebenen: «Intressant isch ja, dass di blutte Körper byschpiuswyys nid eifach schön sy gsi, obwoou's schöni Körper sy – düren Umgang drmit isch dr schön Körper o zum quäuten u schliesslech zum toote Körper worde.» Man darf gespannt sein, was die beiden so unterschiedlichen Kritiker zu den weiteren Produktionen meinen; all ihre Texte finden sich übrigens auch unter www.theaterkritik.ch.
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