Samstag, 22. November 2008, 04:04:29 Uhr, NZZ Online
em. Um den Winterthurer Hauptbahnhof werden in nächster Zeit grosse Bauvorhaben realisiert. So errichten die SBB auf dem Milchküchen-Areal derzeit ein Dienstleistungszentrum mit unterirdisch angelegten Veloabstellplätzen, und auf dem Sulzer-Areal Stadtmitte wird in diesen Tagen mit dem Umbau des Kesselhauses in ein Multiplexkino mit Läden und Restaurants begonnen. Auf dem Arch-Areal südlich des Bahnhofplatzes will die Halter Generalunternehmung (Zürich) im nächsten Frühjahr zudem den Bau eines Geschäftszentrums mit einem Viersternhotel in Angriff nehmen. Nach dem Willen des Stadtrates soll gleichzeitig das heute für Fussgänger und Velofahrer alles andere als attraktive Bahnhofgebiet mit verschiedenen baulichen Massnahmen aufgewertet werden. Um die Situation zu verbessern und die öffentlichen und privaten Bauvorhaben zu koordinieren, hat die Stadt einen Masterplan erarbeitet.
Wie Stadtpräsident Ernst Wohlwend an einer Medienorientierung am Dienstag sagte, wird der Stadtrat dem Grossen Gemeinderat nach den Sommerferien einen Rahmenkredit in der Grössenordnung von 60 Millionen Franken beantragen. Über den Kredit könnten anschliessend auch die Stimmberechtigten entscheiden. Kernstück der von der Stadt geplanten städtebaulichen Massnahmen ist das Projekt Gleisquerung Stadtmitte. Dieses verbindet den Bahnhofplatz, das Sulzer-Areal, das Arch-Areal und die Rudolfstrasse mit einem attraktiven Wegnetz für den Fussgänger- und Veloverkehr. Die baulichen Massnahmen ermöglichen die Gestaltung eines grossen Platzes zwischen dem Bahnmeisterweg und der Gertrudstrasse und sind für die Verbesserung der Erschliessung des Sulzer-Areals unumgänglich. Die Gleisquerung ist in zwei Etappen aufgeteilt. In der ersten Etappe wird laut Bauvorstand Walter Bossert entlang der Zürcherstrasse der Bahnmeisterweg aufgefüllt und eine Stützmauer errichtet. Dadurch entsteht vor dem Kesselhaus ein Vorplatz. Für diese Etappe wird dem Parlament ein separater Kredit von rund 4 Millionen Franken beantragt. Ein grosser Teil der Aufwendungen kann voraussichtlich dem Strassenfonds belastet werden, so dass sich die Aufwendungen der Stadt noch auf zirka 1,75 Millionen Franken belaufen dürften. Nach Angaben von Bossert werden die Verkehrsbeziehungen Zürcherstrasse–Rudolfstrasse mit dieser ersten Etappe noch nicht tangiert. Die zweite Bauetappe, die einen Platz für Fussgänger und Velofahrer vorsieht, ist Gegenstand des Rahmenkredits.
Im Rahmenkredit sind verschiedene Teilprojekte wie die Erneuerung des Bus-Bahnhofes und die Neugestaltung der Rudolfstrasse enthalten. Daneben plant die Stadt im Stadtraum Bahnhof Winterthur weitere Verbesserungen. Dazu zählt die rund 3,2 Millionen Franken teure Gestaltung des Arch-Platzes, für die das Parlament einen entsprechenden Kredit bewilligen soll. Zudem soll der Radstreifen in der Unterführung der Wülflingerstrasse stadteinwärts durch eine Radwegverbindung auf dem heutigen Niveau der Fussgängerunterführung ersetzt werden. Damit wird laut Bossert die seit längerem zur Diskussion stehende Veloverbindung unter den Bahngleisen zwischen der Bank- und der Rudolfstrasse nicht präjudiziert. Der Stadtrat unterbreitet dem Parlament für diese Massnahme einen Kredit von 490 000 Franken. Der Stadtrat räumt ein, dass es sich bei dieser Massnahme um eine kurzfristige Optimierung des Radwegnetzes handle. Die geplante und eigentlich längst überfällige Verbindung zwischen der Altstadt und dem Neuwiesenquartier ist für den Stadtrat kein vordringliches Thema. Er verweist darauf, dass die Stimmberechtigten eine entsprechende Vorlage im Jahre 1988 abgelehnt hätten und die Verbindung in den vergangenen Jahren stets kontrovers diskutiert worden sei. Der Stadtrat will die Frage der Velounterführung deshalb unabhängig vom Rahmenkredit für die übrigen Projekte dem Grossen Gemeinderat und dem Stimmvolk separat zur Beschlussfassung vorlegen.
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