Donnerstag, 08. Januar 2009, 08:34:55 Uhr, NZZ Online
vau. (Amsterdam) Am kommenden Montag wird das Amsterdamer Handelsgericht eine Klage von Fortis-Aktionären zu beurteilen haben. Die Aktionärsvereinigung VEB fordert, dass die Aufteilung und der Verkauf der belgisch-niederländischen Finanzgruppe an der für Anfang Dezember einberufenen Generalversammlung zur Abstimmung vorgelegt wird. Dass diese Forderung realitätsfremd ist, verdeutlichte ein Urteil, das diese Woche durch das Brüsseler Handelsgericht gefällt wurde. Die belgische Regierung habe mit ihrer Intervention im Interesse aller Stakeholder gehandelt, hiess es auf einen entsprechenden Antrag der belgischen Aktionäre. Tatsache ist: Ende September war die Situation bei Fortis derart prekär, dass ein Konkurs des Unternehmens nur noch in letzter Minute abgewendet werden konnte. In den Augen der Titelinhaber wurde das Finanzhaus allerdings zu einem Schleuderpreis veräussert. Angesichts der derzeitigen Finanzkrise wäre indessen von den Aktionären mehr Realitätssinn gefordert. Die niederländische Regierung bezahlte für Fortis Nederland und ABN Amro immerhin 16,8 Mrd. €, während der gesamte Konzern damals nur noch 12 Mrd. € wert war. Zudem sei daran erinnert, dass die Aktionäre eine Mitverantwortung für das Fortis-Debakel tragen. Sie stimmten 2007 der 24 Mrd. € schweren Übernahme von ABN Amro durch Fortis zu. Unbestritten ist jedoch das Recht der Aktionäre, mehr Einzelheiten zu den verschiedenen Transaktionen zu erhalten, wie dies seitens des Brüsseler Gerichts denn auch prompt veranlasst wurde.
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