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  • 6. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    In Zürich ist kein Zimmer frei

    In Zürich ist kein Zimmer frei

    Im Kanton Zürich wird gebaut wie nie zuvor – aber leere Wohnungen sind kaum zu finden

    (Bild: Gaetan Bally / Keystone)
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    Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der Neubauten einen Höchststand. Trotzdem reduzierte sich der Leerwohnungsbestand im Kanton nochmals markant. Am 1. Juni standen im Kanton Zürich 3980 Wohnungen leer. In der Stadt sind gerade einmal 57 Wohnungen unvermietet, was 0,03 Prozent des gesamten Wohnungsbestands entspricht.

    cn. Menschen mit tiefem Einkommen haben es im Kanton und vor allem auch in der Stadt Zürich besonders schwer, eine Wohnung zu finden. Zunehmend betroffen von der Wohnungskrise sind aber auch Durchschnittsverdiener und Personen mit hohen Einkommen. Wie die Statistischen Ämter des Kantons und der Stadt Zürich mitteilen, standen am 1. Juni im Kanton Zürich 3980 Wohnungen leer – das sind gut 20 Prozent weniger als vor einem Jahr (5131). Die Leerwohnungsziffer sank auf 0,61 Prozent.

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    Affoltern überholt Oerlikon

    Noch prekärer ist die Situation in der Stadt Zürich, wo bereits 2007 weniger leere Wohnungen gezählt worden waren als im Vorjahr. Im ganzen Stadtgebiet waren am Stichtag nur gerade 57 Wohnungen frei, während im Vorjahr noch 180 leere Wohnungen auf dem Markt waren. Der Anteil der leeren Stadtwohnungen sank somit von 0,09 auf 0,03 Prozent. Gründe für die sinkenden Leerstände sind zum einen das Bevölkerungswachstum – das zur Hauptsache auf zunehmende Immigration zurückzuführen ist – sowie weitere gesellschaftliche Entwicklungen: Seit Jahren nehmen nicht nur die Haushaltgrössen kontinuierlich ab, pro Person wird heute auch immer mehr Wohnraum in Anspruch genommen.

    An der Wohnungsknappheit im Kanton Zürich ändert auch die starke Bautätigkeit nichts, die im Jahr 2007 einen neuen Höchststand erreicht hatte. Auch in der Stadt Zürich wurde viel gebaut, ohne dass sich der Leerwohnungsbestand erhöht hätte. Wie die Leerwohnungszählung 2008 ergab, waren die 2247 Stadtwohnungen, die im vergangenen Jahr bezugsbereit geworden waren, am 1. Juni ausnahmslos vermietet. Da mehr als die Hälfte der Neubauwohnungen in Affoltern errichtet wurden, zählt das Quartier seit Januar dieses Jahres nun mehr Einwohner als Oerlikon.

    Während Wohnungen in der Stadt Zürich beinahe komplett vermietet sind, zeigt sich in den anderen 170 Zürcher Gemeinden ein heterogeneres Bild. Neben einer weitgehenden Wohnungsknappheit in den Städten gibt es etliche kleinere Gemeinden mit einem Leerwohnungsbestand von 2 Prozent und mehr. Dazu zählen beispielsweise die Gemeinde Elgg mit 2,95, Greifensee mit 3,99 und Hombrechtikon mit 4,68 Prozent.

    Winterthur beliebt

    Stark gefragt sind Wohnungen in der Stadt Winterthur. In den vergangenen Jahren wurde vermehrt auch teurer Wohnraum erstellt. Der Leerwohnungsbestand der zweitgrössten Zürcher Stadt reduzierte sich auf den Tiefstand von 0,13 Prozent: ein Wert, der laut Medienmitteilung des Statistischen Amtes in den vergangenen 15 Jahren nicht ansatzweise erreicht wurde. Am 1. Juni 2008 standen in Winterthur nur 64 Wohnungen frei, was einer Reduktion um über 70 Prozent entspricht. Nicht besser ist die Situation in Uster, Dübendorf, Dietikon und Kloten, wo sich der Bestand an leerstehenden Wohnungen um mindestens 30 Prozent reduzierte. Auch in Wädenswil wurden die über 100 neu erbauten Wohnungen innert kürzester Zeit bezogen. Eine Ausnahme unter den Städten ist Wetzikon; der Leerwohnungsbestand beträgt relativ hohe 1,83 Prozent. Der Grund dafür liegt in der regen Bautätigkeit: Da in Wetzikon innerhalb kurzer Zeit über 500 Wohnungen auf den Markt kamen, erhöhte sich die Zahl der freistehenden Wohnungen von 39 auf 182.

    Bezüglich der Regionen zeigt die Leerwohnungszählung folgendes Bild: Die tiefste Leerwohnungsquote weist mit 0,03 Prozent der Bezirk Zürich auf, während der Anteil der leeren Wohnungen im Bezirk Dielsdorf mit 1,28 Prozent am höchsten ist. Weniger als 1 Prozent beträgt die Zahl der leeren Wohnungen in den Regionen Furttal, Knonauer Amt, Limmattal, Winterthur, Zimmerberg und Zürich; über 1 Prozent sind es im Glatttal, im Zürcher Oberland, im Unterland und in den Regionen Pfannenstiel und Weinland.

    Dass sich so wenig zu vermietende Wohnungen auf dem Markt befinden, ist nichts Neues. In der Stadt Zürich lag die Leerwohnungsziffer vor 20 Jahren bei 0,01 Prozent, was 18 freien Wohnungen entsprach. Auch im Jahr 2002 standen in der Stadt Zürich offiziell nur 42 Wohnungen leer. Sprach man früher bei einem Leerwohnungsbestand von weniger als 1 Prozent von Wohnungsnot, gibt es für die Situation heute keine Definition mehr.

    Internet beschleunigt den Markt

    Da Wohnungssuche und Wohnungsvermietung dank neuen Internetplattformen schneller vonstattengehen als früher, erfolgt die Vermittlung meist innerhalb der regulären Kündigungsfrist, und die Wohnungen stehen kaum mehr leer. Der Markt kann also auch dann noch funktionieren, wenn die Leerwohnungsquote auf unter 1 Prozent gefallen ist.

     


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