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  • 22. November 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Designer hautnah

    Designer hautnah

    Im Zürcher Kongresshaus wurde gestern die 12. «Blickfang» für Möbel, Mode und Schmuck eröffnet

    Strenge Mode mit Hund und Hut von Goyagoya. Strenge Mode mit Hund und Hut von Goyagoya. (Bild: PD)
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    Dieses Wochenende findet im Kongresshaus Zürich die 12. Ausgabe der «Blickfang», Messe für Möbel, Mode und Schmuck, statt. Traditionsgemäss ist knapp die Hälfte der Aussteller zum ersten Mal vertreten, was die Auswahl frisch erhält und Entdeckungen ermöglicht. Die Messeleitung erwartet auch in diesem Jahr rund 18 000 Besucher.

    Urs Steiner

    Irgendwie scheinen die Designer die Wirtschaftskrise zum Voraus gewittert zu haben. Die meisten Entwürfe, die an der Zürcher Designmesse «Blickfang» präsentiert werden, üben sich in zurückhaltendem Understatement. Möbelgestalter haben sich vom aufgeplusterten Sauglattismus verabschiedet, Modemacherinnen schneidern ihre Kollektionen schlicht, streng und in gedeckten Farben. Einzig bei den Accessoires sowie dem Schmuck erhascht man gelegentlich ein kleines Aufblitzen von Extravaganz.

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    Blech, Beton, Eternit und Plastic

    Industrial-Chic beim Regal «Bug» von Superform Raum und Möbel in Wetzikon.

    Edles Massivholz, Leder und üppige Textilien sind aus dem Möbelbereich fast ganz verschwunden. Die Designer interessieren sich zunehmend für industrielle Materialien und Produktionsweisen. Somit knüpfen sie eigentlich an alte Traditionen der frühen Moderne an, wo im Windschatten von Bauhaus und Werkbund «arme» Materialien wie Stahl und Kuhhaut statt gedrechselten Holzes und schweren Brokatstoffs in Mode kamen. Heute beschäftigen sich Möbeldesigner mit Beton und Eternit, billigen Verbundhölzern, elektronisch zugeschnittenen Blechen und pflegeleichten Mikrofaser-Textilien. Maschinelle Fertigung und Oberflächenbehandlung erlauben eine Veredelung dieser eher rohen Materialien zu schlanken, eleganten Produkten. So ist etwa bei «schindlersalmerón» ein Holzstuhl zu finden, dessen verwundene Hinterbeine mit einem fünfachsigen Flankenschnitt einer elektronisch gesteuerten Fräse in Form gebracht wurden. Und Christian Deuber zeigt minimalistische, raffiniert konzipierte Leuchten, bei denen die funktionalen Teile gleichzeitig der einzige Schmuck sind.

    Warm anziehen

    Sich warm anzuziehen, scheint das Gebot der Stunde zu sein. Der viel gehörte Rat bezieht sich einerseits auf die angekündigte Rezession, anderseits auf den heute gefallenen Schnee. Insofern sind angesagte Kleider dann preiswert, wenn sie vor rauem Wetter schützen und auch eine länger andauernde Flaute im Portemonnaie überstehen, ohne aus der Mode zu fallen. Woraus sich erklärt, weshalb in der Kleider-Sektion klassische Eleganz und hochwertige Materialien dominieren.

    So orientieren sich Elena Zenero-Hock und Johannes Hock alias Goyagoya an den Frauenbildern der Müttergeneration. Ihre Kleider und Röcke in puristischen Formen sind allesamt aus Jersey gefertigt. Christina Krämer wiederum ringt dem an sich biederen, selbstgestrickten Pullover unerwartet sinnliche Seiten ab. Die von Hand in der Schweiz hergestellten Modelle erschöpfen sich nicht in gestrickten Jacken, Kleidern, Kapuzen-Ponchos und Shrugs, sondern sind nicht selten Hybride aus Kleidungsstücken und Accessoires wie den «Kragen-» oder den «Schalärmeln».

    Schon x-mal wurde die endgültige Renaissance des Hutes, für Damen ebenso wie für Herren, heraufbeschworen. Jetzt scheint das jahrzehntelang verschmähte Kleidungsstück endgültig zurückzukommen. Fast erhält man an der diesjährigen «Blickfang» den Eindruck, die Modedesigner benützten die Kopfbedeckung, um die strenge Klassizität der Mode etwas aufzubrechen.

    Schmuck ist nicht Wurst

    Dass die Ausgabe 2008 der Designmesse nicht ganz zur Missa solemnis wird, dafür sorgen nicht zuletzt die Schmuckgestalterinnen. Am frechsten foutieren sich Les Cotelettes um die Konventionen des Genres: An einem Stand, der mehr einem Metzgerladen als einer Bijouterie gleicht, stellen die drei Designerinnen Luzia Vogt, Stephanie Hensle und Natalie Luder das Thema Fleischeslust ins Zentrum. Luzia Vogt hat Broschen, Ohrhänger und Ringe aus Porzellanbruchstücken entworfen, die Tierdarstellungen enthalten. Eros und Thanatos verbindet Natalie Luder in ihren Kreationen, wenn sie Zähne von Hasen und anderen Nutztieren zu üppigen Ketten komponiert. Und gänzlich fleischlich präsentieren sich die Charcuterie-Modelle von Stephanie Hensle, deren Salami- und Mortadella-Schnitten aus Kunststoff sich dekorativ an die Brust heften lassen.

    Am verführerischsten an der ganzen Messe ist jedoch, dass die potenziellen Kunden direkt mit den Gestaltern und Produzenten ins Gespräch kommen und so Einblick in deren Ideenwelt und Denkungsart erhalten. Produkte, die man auf diese Weise kennenlernt, unterscheiden sich von der anonymen, globalisierten Massenware. Da kann es gut passieren, dass man plötzlich etwas kauft, das man sich angesichts des ausgebliebenen Bonus eigentlich gar nicht hätte leisten können.

     

    Zürich, Blickfang, Designmesse für Möbel, Schmuck und Mode, Kongresshaus, bis 23. 11., 11 bis 20 Uhr.
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