Samstag, 22. November 2008, 03:39:43 Uhr, NZZ Online
flo. Die Universität Zürich fühlt sich verpflichtet, ihr Potenzial an Bildung und Forschung für die Verminderung des Nord-Süd-Gefälles einzusetzen. Dies hat Rektor Hans Weder gestern an der Jahres-Medienkonferenz der Universität Zürich gesagt. Die Hochschule wolle aus Anlass ihres 175-Jahr-Jubiläums ein Zeichen der Solidarität mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftern setzen, die unter weit weniger komfortablen Bedingungen arbeiteten. Weder hat am Freitag in Zürich mit Silas Lwakabamba von der National University in Rwanda und Stephen Cyril Kijjambu von der Makarere University in Uganda ein Memorandum of Understanding unterzeichnet.
Bereits sind einige Projekte gestartet. Ein grosses Interesse besteht an einer Zusammenarbeit in Medizin und Psychologie. Geplant sind etwa in Rwanda eine Kooperation in der Wiederherstellungschirurgie sowie ein Forschungsprojekt über posttraumatische Belastungen. Ethische Fragen in den Bereichen Armut und Menschenrechte stehen derzeit im Zentrum der Kooperation mit Uganda. Übereinstimmend betonten die Vertreter der drei Hochschulen, es sei gerade die Verschiedenartigkeit von Verhältnissen und Geschichte, die ein grosses Potenzial für einen fruchtbaren Austausch berge. Ziele der Aktivitäten sind primär der Austausch von Know-how und Erfahrungen sowie der Aufbau gemeinsamer Forschungsprojekte. Die Partnerschaften mit den afrikanischen Universitäten werden weitgehend durch Drittmittel finanziert.
An der Universität Zürich hat sich nach einem rasanten Anstieg der Studierendenzahlen in den letzten 10 Jahren das Wachstum im Berichtsjahr leicht abgeflacht, wie Stefan Schnyder, Direktor Finanzen und Controlling, bekanntgab. Mit 24 231 Studierenden hatte im Herbstsemester 2007 die Zahl der Immatrikulierten gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent zugenommen. Zuwachs verzeichneten die medizinische, die Vetsuisse, die philosophische und die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät. Die anderen drei Fakultäten erfuhren geringfügige Rückgänge.
Die Universitätsleitung rechnet auch für die nächsten Jahre mit einem eher moderaten Wachstum. Aufgrund der demografischen Eckdaten schätzt das Bundesamt für Statistik die Studierendenzahl der Universität Zürich für das Jahr 2013 auf 25 200, was einem jährlichen Anstieg von durchschnittlich weniger als 1 Prozent entspricht. Allerdings ist diese Prognose mit einer grossen Unsicherheit behaftet, weil sich das Mobilitätsverhalten der Studierenden in der Folge der Bologna-Reform nur schwer voraussagen lässt.
Den grössten Zuwachs bei den Studienanfängern verzeichneten 2007 Philosophie (+96 Prozent), Englische Sprach- und Literaturwissenschaften (+69 Prozent), Mathematik (+30 Prozent), Chemie (+27 Prozent), Wirtschaftswissenschaften (+12 Prozent), Publizistikwissenschaften (+14 Prozent) und Biologie (+13 Prozent). Rückläufig waren die Eintritte insbesondere in den Deutschen Sprach- und Literaturwissenschaften (–21 Prozent) und den Politikwissenschaften (–16 Prozent).
Die Betreuungsverhältnisse haben sich 2007 durch die Besetzung von 18 neuen Professuren und 65 Stellen im Mittelbau leicht verbessert. Im Herbstsemester 2007 wurden pro Professur 51,6 (Vorjahr: 53) und pro Mittelbau-Stelle 15,1 Studierende (Vorjahr: 15,5) gezählt. Nach wie vor bestehen indessen zwischen den einzelnen Fakultäten grosse Unterschiede: Bei der rechtswissenschaftlichen und bei der philosophischen Fakultät gibt es 1 Professur für 94 beziehungsweise 93 Studierende, bei der theologischen und bei der medizinischen Fakultät hingegen beträgt dieses Verhältnis etwa 1 zu 17.
Als Zeichen für eine zunehmende Attraktivität Zürichs wertete Schnyder den steigenden Anteil ausländischer Studierender. Dieser hat gegenüber dem Vorjahr von 13 auf 14,1 Prozent zugenommen. Der mit 33 Prozent hohe Ausländeranteil bei den insgesamt 3724 Doktorierenden belege ausserdem den guten Ruf der Forschung an der Universität Zürich. Die Zahl der Studierenden, die via Sokrates/Erasmus oder ein schweizerisches Mobilitätsprogramm nach Zürich kommen, hat im Vergleich zum Vorjahr um 37,4 Prozent auf 202 Personen zugenommen. Kaum verändert hat sich demgegenüber die Zahl jener, die Zürich im Rahmen eines dieser Programme verlassen.
Der Gesamtumsatz der Universität lag 2007 einschliesslich Drittmitteln bei gut einer Milliarde Franken, dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg um 2,8 Prozent. Das Ausgabenwachstum ist etwa zur Hälfte auf die Einstellung von zusätzlichen Professoren und wissenschaftlichem Personal zurückzuführen. Die Finanzierung der Hochschule erfolgte 2007 zu rund 70 Prozent direkt durch die öffentliche Hand, mit 477 Millionen Franken wird fast die Hälfte des gesamten Finanzbedarfs vom Kanton Zürich gedeckt. Der Anteil an Drittmitteln konnte im Berichtsjahr auf über 18 Prozent gesteigert werden, wobei hier ein Teil über Gelder aus dem Nationalfonds ebenfalls von der Öffentlichkeit finanziert wird. Weitere rund 12 Prozent stammen von Studiengebühren und Erträgen aus Dienstleistungen.
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