Dienstag, 02. Dezember 2008, 21:57:08 Uhr, NZZ Online
ost. Crans-Montana, 5. September
Welch ein Unterschied zum ersten Turniertag auf dem Par-71-Parcours Severiano Ballesteros in Crans-Montana. 24 Stunden vorher gesammelte Erfahrungen galten nichts mehr auf der zweiten Runde. Schwierig war's, an diesem herrlichen Tag in den Bergen den Ballflug und das Putting zu kontrollieren, schwieriger als am Vortag im Dauerregen. Auf nassen Fairways am Donnerstag blieb die Kugel mehr oder weniger da sitzen, wohin sie geschlagen wurde.
Sonne und kräftiger Wind aber trockneten die Spielbahnen rasch ab, die Bälle rollten tags darauf länger und unberechenbarer aus nach dem ersten Bodenkontakt. Beim Einlochen galt es zudem, nicht nur die Puttlinie richtig zu lesen, sondern zu berücksichtigen, dass der Ball auf dem rasch ausgetrockneten kurzgeschorenen Rasen wieder schneller rollte. Ausserdem positionierten die Greenkeeper die Fahnen vieler Holes extrem schwierig.
«Es braucht nur einen Tag mit gutem Wetter, dass sich die Bedingungen komplett ändern. Heute war dieser Tag», sagte nach der zweiten Runde der Titelhalter Brett Rumford. Der 31-jährige Australier, der heuer fast ausschliesslich auf der US-Tour spielt, schätzte sich angesichts des markant gesteigerten Schwierigkeitsgrades glücklich, nach der 67er-Runde vom Vortag mit noch einem Umgang vier Schläge unter dem Platzstandard nachgedoppelt zu haben.
Mit gutem kurzem Spiel sei's ihm gelungen, sich im Geschäft und an der Spitze zu halten auf dem einzigartigen Platz, den er nicht erst seit seinem Sieg im letzten Jahr besonders mag. Mit der Höhenlage (über 1400 m über Meer), auf der die Bälle weiter fliegen als sonst, könne er ausgezeichnet umgehen. Für die Herausforderung durch die sehr speziellen Greens kommt für ihn der Spassfaktor ins Spiel, kombiniert mit der Geduld, dann anzugreifen, wenn die Chance dafür gut steht.
Ähnlich äusserte sich der 19-jährige Crans-Rookie Rory McIlroy zum Platz. Der Nordire, der nach der ersten Runde (63) mit drei Schlägen Vorsprung geführt hatte, hielt sich diesmal unfreiwillig an den Platzstandard (71). Das Spiel mit den Eisen sei eine Klasse schlechter gewesen als am Vortag. Als eigenartig stufte er die Fahnenposition ganz am Rande des 16. Greens ein. Wegen eines Baumes vor der Puttingzone mutierte die 215 Meter lange Spielbahn so quasi zum Par-3-Dog-Leg. Tatsächlich stellte es viele Golfer vor mittlere bis grosse Probleme. Birdies genossen hier Seltenheitswert. Zumeist resultierten Bogeys. Sogar über Double- und Triple-Bogeys mussten sich etwelche Teilnehmer ärgern.
Angesichts der völlig veränderten Situation auf dem gesamten Parcours sei er gleichwohl zufrieden mit seiner Klassierung als Co-Leader. Ob er schon an Sonntag denke und dabei einen Turniersieg in Betracht ziehe, wurde McIlroy gefragt. Dabei habe er sich wirklich ertappt, gestand der Teenager aus Holywood. Um solche Gedanken zu verscheuchen, habe er aber das Fernsehgerät eingeschaltet und Roger Federer beim Tennisspielen zugesehen.
Nur drei Schläge hinter dem führenden Duo nimmt Clément die Runden drei und vier in Angriff, schlaggleich mit sieben anderen Professionals, unter ihnen der spanische Ryder-Cup-Crack Miguel Angel Jimenez oder das frühere Kadermitglied der europäischen Auswahl, der Schwede Jarmo Sandelin. Nach der 69er-Runde vom Donnerstag, in der er noch Steigerungspotenzial erkannt hatte, verbesserte sich Clément bei den schwierigeren Gegebenheiten tatsächlich um einen Schlag.
Der 27-jährige Genfer blieb nicht der einzige Schweizer, der den Cut, notabene identisch mit dem Par, schaffte. Der nur 1,68 Meter grosse Zürcher Ken Benz, am Vortag mit einer 68 der beste Einheimische, büsste sein Polster schnell ein und bewegte sich danach stets in der Par-Zone. Schliesslich mogelte sich der mit Abstand stärkste Amateur just in den erlauchten Kreis der im Wettkampf Verbliebenen. Nicolas Sulzer hingegen, der mit einem Eagle perfekt gestartet war, verpatzte den Cut am letzten Loch.
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