Donnerstag, 08. Januar 2009, 08:50:22 Uhr, NZZ Online
sos. Berlin, 21. November
Die Kontroverse um die Investoren-Regelung im deutschen Profifussball setzt sich fort. Am Freitag trafen sich die Exponenten der Ersten und Zweiten Bundesliga in Frankfurt, doch einer intensiven Diskussion folgte keine Entscheidung. Reinhard Rauball, der Präsident der Deutschen Fussballliga (DFL), sagte, dass die Klubvertreter in dieser Angelegenheit von äusserst weitreichenden Dimensionen noch nicht ausreichend «über Argumente und mögliche Rechtsansprüche informiert» seien. Es sieht nach einem Spiel auf Zeit aus. Zwar betonte Rauball, dass eine Entscheidung am Freitag nicht vorgesehen gewesen sei, doch die deutsche Wirtschaftspresse hatte dem Thema grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Schliesslich geht es um die Freiheit des Marktes – und die Angst davor, dass die Wettbewerbshüter aus Brüssel vielleicht einmal den Entwurf der Bundesliga zum Kippen bringen. Das sogenannte 50+1-Prinzip bedeutet, dass es Investoren unmöglich ist, in einem Klub die Stimmenmehrheit zu erlangen – so soll die Autonomie der Vereine gewahrt bleiben. Auf der Gegenseite führen Kritiker an, dass eben diese Regel Investoren davor abschrecke, ihr Geld in den deutschen Klubfussball zu stecken. Die DFL befindet sich in dieser Frage in einem Widerspruch. Ohne Unterlass sind Klagen von exponierter Stelle zu vernehmen, wonach die Liga im internationalen Vergleich wegen der Finanzlage benachteiligt sei.
Einer forciert die Änderung unablässig: Martin Kind, der Klubchef von Hannover 96. Er warb jüngst in einem Interview um Verständnis für Investoren und sagte: «Sie wollen Entscheidungskompetenz im Hinblick auf die Berufung der Geschäftsführung, die Genehmigung des Haushalts und die Genehmigung von Investitionen.» Sollte keine Einigung gefunden werden, hat der Unternehmer eine Klage nach EU-Recht angekündigt. Der DFL-Vorstand will den Status vehement verteidigen. Es gehe nicht an, so sagte Rauball beispielsweise mit Blick auf Kind, dass jemand die Vorteile, die eine Solidargemeinschaft wie die DFL biete, in Anspruch nehme, die Gemeinschaft bei der erstbesten Gelegenheit aber zu sprengen versuche.
Leser-Kommentare: 0 Beiträge