Donnerstag, 08. Januar 2009, 09:16:50 Uhr, NZZ Online
Nationalbibliothek hat bereits eine Million Dokumente entsäuert
(ap) Bei dem Verfahren werden Bücher in Gitterkörben in eine Röhre eingefahren, die aussieht wie eine riesige Waschmaschine. Dann wird die Röhre geflutet, das Papier wird vollkommen mit Flüssigkeit bedeckt. Was auf den ersten Blick wie der sichere Tod für die Dokumente aussieht, ist in Wirklichkeit deren Rettung, wie die Nationalbibliothek schreibt. Bei der Flüssigkeit handelt es sich nämlich um eine chemische Verbindung aus Titan- und Magnesiumalkoholaten. Diese verlängert das Leben der Dokumente um mindestens das Vierfache. Praktisch alle Papierdokumente aus den Jahren 1850 bis 1970 müssen so behandelt werden, wenn sie auch in Zukunft lesbar bleiben sollen. Denn in dieser Zeit enthielt das Papier viel Säure und zersetzt sich von selbst.
Bereits seit dem Jahr 2000 behandelt die Nationalbibliothek ihre auf Papier gedruckten Bestände nach diesem Verfahren mit dem Namen «Papersave Swiss». Insgesamt wurden in den letzten acht Jahren 300 Tonnen schriftliches Kulturgut vor dem Verfall gerettet. Weiteren 150 Tonnen, rund 0,4 Millionen Dokumenten, steht die «Wellnesskur» noch bevor.
Möglich wurde die Rettungsaktion dank Sonderkrediten des Bundes. Für rund 13,5 Millionen Franken wurde die Entsäuerungsanlage zwischen 1998 und 2000 errichtet. Sie steht auf dem Gelände der Firma Nitrochmie Wimmis, die sie auch betreibt. Die Anlage kann 120 Tonnen Papier pro Jahr behandeln. Hauptkunden sind mit je rund 40 Tonnen pro Jahr die Nationalbibliothek und da Schweizerische Bundesarchiv. Jeder Institution stehen bis ins Jahr 2010 jährlich eine Million Franken für die Papierentsäuerung zur Verfügung.
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