Donnerstag, 08. Januar 2009, 08:57:10 Uhr, NZZ Online
Im Genfer Gefängnis Champ-Dollon - Unzufriedenheit über Lohn
(sda) Eine riesige Vorhängeschloss-Attrappe versperrte am Vormittag während rund drei Stunden das Gefängnistor. Für den Fall, dass die Regierung ihre Forderungen weiterhin ignorieren sollte, kündigten die Aufseher weitere, härtere Aktionen an.
Organisiert hatte die Kundgebung die Sektion Gefängnis der Genfer Polizisten-Gewerkschaft (UPCP). Rund 60 der etwa 250 Aufseher von Champ-Dollon beteiligten sich an der Aktion. «Wir wollen eine angemessene Entlöhnung für unsere Arbeit, die wir in einem schwierigen Umfeld leisten», sagte ein Teilnehmer. «Wir haben die Nase voll», beklagte sich ein anderer.
Champ-Dollon gilt seit Jahren als chronisch überbelegt. In der für bis zu 270 Gefangene konzipierten Anlage sitzen gegenwärtig ungefähr 470 Personen ein. Ab über 350 Insassen werde Champ-Dollon zum Pulverfass, merkte ein Aufseher an. Ein im März 2008 eröffneter Neubau konnte die Platznot im Gefängnis nur vorübergehend lindern.
Die Kundgebungsteilnehmer verlangten von der Kantonsregierung, so rasch wie möglich eine Delegation der Aufseher zu empfangen. Die für 2011 vom Staatsrat angekündigten Verbesserungen kämen zu spät, kritisierte einer der Aufseher.
Staatsrat Laurent Moutinot äusserte im Lokalradio «Radio Cité» Verständnis für den Unmut der Aufseher und versprach, die Zahl der Aspiranten werde erhöht. Die Regierung wolle alles unternehmen, um papierlose Drogendealer, die immer wieder in das Gefängnis eingewiesen würden, in die Heimatstaaten zurückzuschaffen.
Hart blieb Moutinot hingegen gegenüber Lohnforderungen des Gefängnispersonals. Er verwies auf die Reevaluation der Funktionen beim Staatspersonal. Da werde keine Kategorie von Angestellten bevorzugt.
Auch Häftlinge hatten in der Vergangenheit in Champ-Dollon protestiert. Am 27. August 2007 zum Beispiel weigerten sich rund 200 Gefangene nach dem Mittagessen, in ihre Zellen zurückzukehren. Sie beklagten sich darüber, dass die Verfahren und die Untersuchungshaft zu lang dauerten.
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