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  • 15. April 2007, Neue Zürcher Zeitung

    CO2-neutraler Strom aus Kompost und Gülle

    CO2-neutraler Strom aus Kompost und Gülle

    Vergärung von feuchter Biomasse als Nische für die Landwirtschaft und Basis für weltweit tätige Firma

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    In Lindau steigen zwei Landwirte demnächst im grossen Stil in die Biogas-Produktion ein. Neben der betriebseigenen Gülle verwerten sie in der Anlage auch Kompost. Schon länger im Geschäft ist die Firma Kompogas, mittlerweile auch im Ausland. Der Inhaber warnt die Landwirte vor übertriebenen Erwartungen in das Biogas-Geschäft.

    ark. Die Biogasanlage von Hanspeter Frey und Andreas Kägi ist eigentlich das Produkt eines Rationalisierungsschritts. Die beiden Lindauer Landwirte haben gemeinsam einen grossen Kuhstall gebaut, wo sie ihre 70 Kühe gemeinsam halten und melken. Dadurch wurde auf jedem Betrieb je eine Arbeitskraft frei, und für diese suchten die beiden Bauern ein neues Tätigkeitsfeld. Dass sie dabei auf die Erstellung einer Biogasanlage kamen, lag nahe. Frey ist seit 10 Jahren im Kompostgeschäft. Zunächst entsorgte er die Grünabfälle der Gemeinde, heute bezieht er die Ware aus anderen Quellen, namentlich von grossen Gartenbauunternehmen und Transpörtlern, die Grüngut entsorgen.

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    Höherer Einspeisepreis hilft amortisieren

    Statt die Ware wie bisher am Feldrand zu kompostieren, beschlossen Frey und Kägi, das Grüngut zusammen mit der eigenen Gülle und derjenigen des benachbarten Strickhofs in einer Biogasanlage zu vergären. Vor etwa vier Jahren stellten sie erste Überlegungen an, und am kommenden 1. Mai soll die Anlage in Betrieb genommen werden. Dazwischen lagen ein langer Bewilligungsprozess und eine kurze Bauzeit. Frey ist bei dieser Gelegenheit aufgefallen, wie heterogen die kantonale Verwaltung strukturiert ist: «Baudirektion und Volkswirtschaftsdirektion, das sind zwei vollkommen verschiedene Firmen», sagt der Landwirt, deshalb sei der nötige administrative Aufwand zuweilen etwas gross gewesen, obwohl eigentlich nie jemand grundsätzlich etwas gegen das Projekt einzuwenden hatte.

    Die Biogasanlage kostete die zwei Energie- Unternehmer insgesamt 1,6 Millionen Franken. Zur Finanzierung beigetragen haben in erster Linie die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich, die sich im Gegenzug gewisse Vermarktungsrechte gesichert haben, und die Thurgauer Kantonalbank. Den Rest finanzierten sie mit einem zinslosen Investitionskredit von der landwirtschaftlichen Kreditkasse und aus dem Eigenkapital. Der Businessplan für die Amortisation der Grossinvestition basiert auf zwei Hauptpfeilern: Einerseits garantieren die lokalen Elektrizitätswerke für mehrere Jahre einen höheren Einspeisepreis von 15 Rappen pro Kilowattstunde (KWh), und andererseits erwirtschaften sich die Bauern Ertrag aus der Übernahme von Grünabfuhr. Die Baubewilligung war an die Bedingung geknüpft, dass 51 Prozent des Gärguts aus landwirtschaftlicher Produktion stammen müssen. Frey und Kägi können also bis zu 49 Prozent der 10 000 Tonnen Jahreskapazität von ausserhalb der Landwirtschaft zuführen.

    Die Kernstücke der Anlage sind der Fermenter, wo das Gas über der Flüssigkeit gesammelt und abgesogen wird, und der Gasmotor mit Generator, der stündlich 240 KWh liefern kann und alleine 300 000 Franken gekostet hat. Die maximale Jahreskapazität beziffert Frey unter Berücksichtigung von Standzeiten auf 1,2 Millionen KWh jährlich. Der Wirkungsgrad des Motors beträgt 40 Prozent, das heisst, 60 Prozent der Energie fallen als Wärme an, für die Frey und Kägi allerdings nur teilweise Verwendung haben. Im Winter wollen sie mit der Abwärme den benachbarten Schweinestall des Strickhofs heizen. Der Fermenter muss nämlich ganzjährig auf 42 Grad erhitzt werden, damit die Methanbakterien die optimalen Bedingungen für die Herstellung des Gases vorfinden. Daneben bleibt aber immer noch Wärme frei, vor allem im Sommer. Möglicherweise wollen Frey und Kägi in die Trocknung von Holzschnitzeln einsteigen, die Pläne sind weit fortgeschritten.

    Trocken-Vergärung als Teil des Erfolgs

    Holzschnitzel trocknet in ihren mittlerweile zehn Anlagen in der Schweiz (sechs im Kanton Zürich) auch die Kompogas AG von Walter Schmid. Der Glattbrugger Bau- und Generalunternehmer war vor 15 Jahren in die Biogasproduktion eingestiegen, und dies mit grossem Erfolg. Die Firma vergärt im Inland jährlich gegen 200 000 Tonnen Biomasse, setzt - inklusive Anlagenbau für Dritte - 50 Millionen Franken um und hat ins Ausland expandiert, wo Kompogas teils in Eigenregie, teils in Lizenz Vergärungsanlagen betreibt. Die Kompogas ist seit gut einem Jahr zu 49 Prozent in Besitz der Axpo Holding, längerfristig ist eine vollständige Übernahme durch das Ostschweizer Elektrizitätsunternehmen vorgesehen. Das Erfolgsrezept von Walter Schmid ist ein selber entwickeltes und mittlerweile mehrfach patentiertes System, in dem nicht nur feuchte, sondern auch trockene Biomasse vergärt werden kann. Kompogas verwertet unter anderem die Grünabfälle von insgesamt 150 Gemeinden in der Schweiz, darunter grösserer Städte wie Winterthur, Bülach, Horgen und Schlieren.

    Die Konkurrenz vom Bauernhof - im Kanton Zürich gibt es mittlerweile fünf solche Anlagen - betrachtet Schmid mit Gelassenheit. Er warnt die Landwirte vor allzu grossen Erwartungen in das Biogas-Geschäft. Die sogenannten Co-Substrate, also Kompost und Abfälle aus der Lebensmittelindustrie, würden zunehmend rar, wenn die Zahl der Abnehmer steige, sagt Schmid. Gleichzeitig werde diese Entwicklung zu einer Preisreduktion führen, womit die wirtschaftliche Basis für die Landwirte gefährdet sei. Er selber nehme gewisse energiereiche Abfälle bereits gratis entgegen, erklärt der Kompogas-Gründer.

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