Samstag, 06. September 2008, 03:51:55 Uhr, NZZ Online
Neue Führung als Bedingung für Übernahme
(sda/dpa/afp) Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft hält eine Übernahme von Yahoo offenbar doch noch für denkbar, falls der Suchmaschinenbetreiber eine neue Führung bekommt. Der Yahoo-Aktionär Carl Icahn erklärte in einem am Montag veröffentlichten Offenen Brief, Microsoft-Chef Steve Ballmer habe ihm umgehende Gespräche für den Fall eines Management-Wechsels bei Yahoo zugesagt.
Der Druck auf Firmenmitgründer und Yahoo-Chef Jerry Yang wird damit immer grösser. Denkbar sei sowohl eine komplette Übernahme von Yahoo als auch der zuletzt diskutierte Teilkauf nur des Suchmaschinengeschäfts, so Microsoft. Mit der gegenwärtigen Führung bei Yahoo sei aber kein Geschäft möglich.
Microsoft hatte zuletzt fast 50 Mrd. Dollar für Yahoo geboten, die Übernahmepläne angesichts heftigen Widerstands im Mai aber für beendet erklärt. Yahoo vereinbarte mit seinem Erzrivalen Google eine umfassende Zusammenarbeit - auch, um unzufriedene Grossaktionäre wie Icahn zu besänftigen.
Icahn hatte sich mit vier Prozent an Yahoo beteiligt. Der Milliardär ist bekannt dafür, sich in Unternehmen einzukaufen, die in Schwierigkeiten stecken, um deren Strategie zu beeinflussen. Er hofft immer noch auf die Unterstützung anderer Aktionäre.
Bei der Hauptversammlung am 1. August will Icahn den Verwaltungsrat von Yahoo bei dessen Neuwahl komplett mit eigenen Vertrauten besetzen lassen. Das Gremium soll dann Yang ablösen und den Weg für Microsoft frei machen.
Icahn und Microsoft führten dazu zuletzt nach eigenen Angaben mehrere Gespräche. Für Details wie einen konkreten Übernahmepreis sei es aber noch zu früh.
An der Börse reagierte die Yahoo!-Aktie mit deutlichen Gewinnen. Zum Handelsstart am Montag kletterte das Papier um fast zehn Prozent auf 23.37 Dollar. Microsoft-Titel legten deutlich weniger um gut ein Prozent auf 26,26 Dollar zu.
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