[Alt + 1] zur Startseite [Alt + 2] zum Seitenanfang [Alt + 3] zur allgemeinen Navigation [Alt + 4] zur Hauptnavigation [Alt + 5] zum Inhalt [Alt + 6] zu Tipps, Hinweise und Kurzinfos [Alt + 7] zur Suche [Alt + 8] zum Login von MyNZZ [Alt + 9] zur Fusszeile
.
  • 8. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Konsequenter Umbau von Siemens

    Konsequenter Umbau von Siemens

    Erwarteter Stellenabbau ist Teil der strategischen Neuausrichtung

    Der deutsche Siemens-Konzern steht vor einer strategischen Neuausrichtung. Der deutsche Siemens-Konzern steht vor einer strategischen Neuausrichtung. (Bild: Reuters)
    Toolbox
    Druckansicht
    Der bevorstehende Abbau von Tausenden Stellen in der Verwaltung von Siemens folgt der strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Die Mitarbeiter dürfen mit hohen Abfindungen rechnen.


    pra. Berlin, 7. Juli

    Knapp ein Jahr nach seiner Berufung an die Spitze des Siemens -Konzerns steht der Österreicher Peter Löscher in der Kritik wie noch nie. Am Dienstag wird er die Öffentlichkeit über den Umfang und die Details des schon seit Monaten geplanten Stellenabbaus im gesamten Konzern informieren. Die vor zwei Wochen an die Medien gesickerten, aber bisher nicht bestätigten Zahlen von über 17 000 Stellen weltweit und rund 6400 in Deutschland, die gestrichen werden sollen, haben für einigen Aufruhr in Deutschland gesorgt. Manche Kommentatoren äusserten sich besorgt über die Unternehmenskultur, Gewerkschafter beschwerten sich über die Informationspolitik, und der Chef des Gesamtbetriebsrats drohte gar mit einem Streik, sollten sich die «völlig überhöhten» Zahlen bestätigen.

    Anzeige
    .
    .

    Sozialverträgliche Umsetzung

    Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Massnahmen allerdings in erster Linie als konsequente Umsetzung der neuen Konzernstrategie, die von Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld seit Anfang 2005 mit grossem Erfolg eingeleitet worden war. Der Stellenabbau ist folglich weniger spektakulär, als er auf den ersten Blick wirken mag. Setzt man die Zahlen in Relation zu den 400 000 Mitarbeitern, die Siemens in den fortzuführenden Bereichen beschäftigt, sind es weniger als 5% des Gesamtpersonals und wohl weniger als die natürliche Fluktuation eines Jahres. Ausserdem soll der Abbau, wie Löscher mehrfach betonte, möglichst sozialverträglich und folglich in Deutschland wohl weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen. Die betroffenen Mitarbeiter dürfen auf hohe Abfindungen und intensive Unterstützungen bei der Suche eines neuen Arbeitsplatzes hoffen.

    Hintergrund des Stellenabbaus ist das von Löscher schon im vergangenen November genannte Ziel, 10% oder 1,2 Mrd. € der jährlichen Vertriebs- und Verwaltungskosten (ab dem Jahr 2010 gegenüber 2007) einzusparen. Löscher hat sich, nicht zuletzt mit Blick auf den wesentlich effizienteren Erzrivalen General Electric (GE), die riesige Verwaltung sowie, nach seinen Angaben, überproportional das Management vorgenommen, die bisher von dem tiefgreifenden Konzernumbau der letzten Jahre noch vergleichsweise wenig berührt worden waren.

    Hochgesteckte Ziele

    In den vergangenen drei Jahren ist Siemens von einem breit diversifizierten Technologiekonzern auf die «Megatrends» Urbanisierung, demografischer Wandel und Klimawandel ausgerichtet worden. In der Folge wurden riesige Geschäftsbereiche wie die Kommunikationstechnik oder das Autozuliefergeschäft abgestossen. Umgekehrt baute Siemens durch viele Akquisitionen Zukunftsbereiche wie erneuerbare Energien, das Wassergeschäft oder die Gesundheitstechnik markant aus. Margenschwache Geschäfte wurden restrukturiert; die Renditevorgaben erhöht.

    Löscher macht kein Hehl daraus, dass er «lediglich» die strategischen Weichenstellungen seines Vorgängers umsetzt, das aber konsequent. Dazu gehört die radikale Vereinfachung der Organisations- und Führungsstruktur mit nur noch drei Konzernbereichen, die er auch mit Blick auf eine wirksamere Korruptionsbekämpfung angeordnet hat. Dazu gehört die weitere Fokussierung des Portfolios mit dem Ziel, jeweils eine margenstarke Marktposition an erster oder zweiter Stelle zu halten. Und schliesslich die bevorstehende Straffung der Verwaltungs- und Vertriebsstrukturen, die überdies die Folgen der erwarteten Konjunkturabkühlung abfedern sollen. Bisher galt es aus reiner Gewohnheit als «normal», dass Siemens technologisch zwar hochinnovativ war, bei der Profitabilität aber stets abgeschlagen hinter GE lag. Der frühere GE-Manager Löscher hat dieser vermeintlichen «Gesetzmässigkeit» zu Recht den Kampf angesagt.


    .
    Leserkommentare ein- und ausblenden Leser-Kommentare: 0 Beiträge
    .
    Um selbst einen Leser-Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich hier anmelden. Bitte beachten Sie die für Leser-Kommentare geltenden Richtlinien und Copyright-Bestimmungen.