Dienstag, 02. Dezember 2008, 22:46:33 Uhr, NZZ Online
Cls. New York, 7. Juli
Vor dem Hintergrund einer stark rückläufigen Nachfrage in Nordamerika prüft General Motors Corp. (GM) weitere Massnahmen zur nachhaltigen Kostensenkung. Im Vordergrund stehen eine Ausdünnung des im Urteil von Branchenanalytikern zu vielschichtigen mittleren Kaders und eine Straffung der administrativen Dienste. Dabei könnten mehrere Tausend Arbeitsplätze zur Disposition stehen, wie es am Montag in Medienberichten hiess. Eine Firmensprecherin wollte dazu nicht Stellung nehmen. Im Mai hatte GM mitgeteilt, dass 19 000 der in den USA noch verbliebenen 76 000 Arbeiter die finanziellen Anreize einer vorzeitige Pensionierung bzw. einen freiwilligen Austritt angenommen hätten. In einer ähnlichen Aktion waren bereits vor zwei Jahren 34 400 Stellen abgebaut worden. Vor vier Wochen hatte GM zusätzlich zu den im Rahmen der tiefgreifenden Konzernrestrukturierung bereits geplanten Massnahmen die Schliessung von weiteren vier Montagewerken in den USA und Kanada mit einer Belegschaft von zusammen 10 000 Leuten angekündigt, die zum Teil jedoch anderweitig beschäftigt werden können. In den betroffenen Betrieben werden leichte Nutzfahrzeuge und Geländewagen hergestellt, deren Absatz besonders stark eingebrochen ist.
GM verkaufte im ersten Halbjahr 16,1% weniger Fahrzeuge als in der gleichen Vorjahreszeit. Im Juni wurde ein Minus von 17,7% verzeichnet. Der Marktanteil betrug zuletzt noch 21,9%, wogegen GM vor kurzer Zeit noch ein Ziel von 30% gesetzt und einst über die Hälfte des nordamerikanischen Marktes dominiert hatte. Bis jetzt galt stets die Devise, dass man mit vielen Marken mehr Kunden anziehen könne. Von dieser Doktrin könnte GM nun unter der Führung des neuen Chief Operating Officer, Frederick Henderson, abweichen.
GM tritt in Nordamerika mit acht verschiedenen Marken mit jeweils mehreren Modellen auf, deren Entwicklung kostspielig ist. Zumindest eine Reihe, nämlich die schweren Geländewagen Hummer, soll aufgegeben oder verkauft werden. Zur Disposition könnte auch die vor 20 Jahren eingeführte Marke Saturn stehen, die laut Branchenanalytikern nie Gewinne abgeworfen hat. Saab zählt ebenfalls zu den Kandidaten, die fallengelassen werden könnten, ebenso wie GMC, Pontiac und Buick. Nur Chevrolet, Cadillac und Opel gelten nach Angaben von Insidern als sicher.
Leser-Kommentare: 0 Beiträge