Samstag, 06. September 2008, 04:06:12 Uhr, NZZ Online
pgp. Madrid, 8. Juli
Nach monatelangen Verhandlungen haben die beiden spanischen Billigflug-Gesellschaften Clickair und Vueling beschlossen, unter dem Namen der Letzteren zu fusionieren. Der Zusammenschluss erfolgt mittels einer Kapitalerhöhung der börsenkotierten Vueling und eines Aktientauschs, bei dem die beiden Gesellschaften gleich bewertet werden. Die neue Vueling soll – das Placet der Wettbewerbsbehörde vorausgesetzt – Anfang 2009 operativ werden. Ihr Sitz bleibt in Barcelona, wo auch Clickair domiziliert ist. Der jetzige Vueling-Verwaltungsratspräsident, der ehemalige konservative Politiker Josep Piqué, wird im Amt bleiben, während Clickair den Exekutivdirektor, Alex Cruz, stellen wird.
Hauptaktionär der neuen Vueling wird mit 45% des Kapitals die Iberia , die bisher an Clickair 20% hielt, aber über 80% der Stimmrechte verfügte. Clickair war vor über zwei Jahren auf Initiative der Iberia als Konkurrentin zu Vueling auf die Beine gestellt worden. Die stillen Teilhaber von Clickair, das Tourismusunternehmen Iberostar, die Investitionsgesellschaft Quercus sowie die ACS-Tochter Cobra, die sich bei der Gründung auf drei Jahre verpflichtet hatten, treten Iberia ihre Anteile ab. Von den heutigen Vueling-Teilhabern wird an der neuen Airline die Investitionsgesellschaft Hemisferio knapp 15%, Nefinsa 5% und der Gründer, Carlos Muñoz, 2,5% halten.
Mit einem Anteil von über 30% ist Iberia laut spanischem Recht zu einem vollständigen Übernahmeangebot verpflichtet; Bedingung der Fusion ist aber die Befreiung davon durch die Börsenaufsicht, die offenbar gesichert ist. Dennoch wird die Iberia – wie bis anhin bei Clickair – bei der künftigen Vueling den Ton angeben, und diese wird vom Code-Sharing mit der faktischen Muttergesellschaft und von deren Serviceleistungen profitieren können. Kostenersparnis und Rentabilität sind denn auch die Hauptziele der Fusion; die Kunden müssen mit höheren Tarifen rechnen.
Mit 6,2 Mio. bzw. 4,5 Mio. Passagieren haben Vueling und Clickair 2007 Verluste von 63 Mio. bzw. mindestens 40 Mio. € verzeichnet. Mit 20 bzw. 25 Flugzeugen bedienen sie insgesamt 112 Routen, die sich zum Teil decken; es wird deshalb zu einer Reduktion der Destinationen bei erhöhter Frequenz kommen, und unter den zusammengenommen 2020 Angestellten dürfte es Entlassungen geben. Die Erwartung Piqués, die neue, drittgrösste Airline Spaniens könne bereits im kommenden Jahr in die schwarzen Zahlen fliegen, erscheint freilich angesichts der weiter steigenden Treibstoffkosten kühn. Auch ist die ausländische Konkurrenz auf dem spanischen Billigflieger-Markt überaus gross.
Mit der Fusion ist wohl bloss ein erster Schritt auf dem Weg zur Konsolidierung in der spanischen Luftfahrt getan. Die Iberia sucht nach wie vor nach einer engeren internationalen Partnerschaft. Die Rede ist seit kurzem von einer transatlantischen Dreierallianz mit dem heutigen Teilhaber British Airways sowie American Airlines. Der Zusammenschluss mit einem andern europäischen Partner als BA – Air France-KLM oder Lufthansa standen zur Diskussion – scheint abgeschrieben worden zu sein. Verflogen sind auch die Pläne der Iberia zur Übernahme des spanischen Hauptkonkurrenten Spanair. Dessen Mutter, SAS, hat die Suche nach einem Käufer letzten Monat aufgegeben und scheint sich nun auf den Abbau von Flotte und Personal zu konzentrieren.
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