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  • 9. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Warten auf die Kapitulation

    Warten auf die Kapitulation

    Noch kein Ende des Ausverkaufs an den Börsen erkennbar

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    ra. Trotz den erheblichen Verlusten an den Aktienbörsen während der vergangenen Wochen und trotz der miserablen Stimmung ist noch keine Panik bei den Anlegern zu erkennen. Auch am Dienstag setzten die europäischen Aktienmärkte ihre Talfahrt fort. Die Leitbarometer eröffneten mit deutlichen Kursabschlägen und stabilisierten sich erst gegen Mittag. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Rede von Ben Bernanke, Präsident der US-Notenbank, publik, in der er eine Verlängerung der Liquiditäts-Nothilfe für in der Klemme steckende Investmentbanken bis ins Jahr 2009 in Aussicht stellte, und es zeichnete sich eine Eröffnung der Wall Street auf Vortagesniveau ab.

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    Die Aktienbörsen sind weltweit seit Tagen grossen Schwankungen unterworfen, was die Nervosität unter den Marktteilnehmern spiegelt. Technische Analytiker erachten die Indizes – und besonders die Bankenwerte – seit etwa zwei Wochen als überverkauft, die fundamentalen Rahmenbedingungen haben sich in dieser Zeit kaum geändert. Viele Beobachter erwarten bereits seit etlichen Tagen, wenn nicht Wochen eine signifikante Erholung der Aktienmärkte. Diese ist bisher aber ausgeblieben; Gegenbewegungen waren jeweils nur von kurzer Dauer und wiesen einen punktemässig geringen Umfang auf.

    «Technikern» fehlt trotz der teilweise depressiven Stimmung für eine Trendwende des Marktes noch ein Ausverkaufstag, der quasi eine Kapitulation der Marktteilnehmer anzeigen würde. Derlei Tage erweisen sich rückblickend oft als entscheidende Trendwenden. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Wende innerhalb eines Handelstages vollzieht, also die Kurse erst stark fallen, dann während des Handels drehen und am Ende etwa auf dem Anfangsniveau oder gar etwas höher schliessen. Am vergangenen Donnerstag hatte es bereits einen derartigen «shake-out»-Tag an den amerikanischen Börsen gegeben, allerdings fand das Ereignis ohne starke Nachrichten und aufgrund des bevorstehenden Feiertags in den USA nur unter schwachen Umsätzen statt, weshalb die Initialzündung für die Wende ausblieb. Als Kontraindikatoren geltende (weiche) Stimmungsindikatoren, wie etwa die Befragung von Anlegern und Anlageberatern im Hinblick auf ihre Gemütslage, weisen zwar ein Niveau auf, das für eine Trendwende sprechen würde; (harte) Stimmungsindikatoren wie etwa die Put-Call-Ratio in den USA oder die Ausschläge der Volatilitätsindizes zeigen aber noch keine Panik unter den Anlegern an, wenngleich sich die Barometer dem Bereich nähern, bei dem es sich in der Regel lohnt, wieder in den Markt zu investieren.

    Vorsichtig stimmen sollte auch, dass sich die tendenziell antizyklisch agierenden «marktkundigen» Grossunternehmen, die Commercials, laut Angaben der Commodity Futures Trading Commission in den letzten Wochen bei US-Aktien nicht auf der Käuferseite befanden, im S&P-500-Index traten sie netto sogar eher als Verkäufer auf. Diese Unternehmen verkaufen in der Regel in Stärkephasen und kaufen in Schwächephasen.


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