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  • 21. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Fannie und Freddie weiter im Sturzflug

    Fannie und Freddie weiter im Sturzflug

    Eine staatliche Auffangaktion scheint unausweichlich

    Die Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae sind ein Klumpenrisiko für den Staat. Die Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae sind ein Klumpenrisiko für den Staat. (Bild: Reuters)
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    Die Börsenkurse der beiden grossen Hypotheken-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sind am Mittwoch weiter stark gefallen. Die Anleger scheinen zusehends überzeugt, dass eine staatliche Hilfestellung für die beiden Institute nicht mehr zu vermeiden ist.




    Cls. New York, 20. August

    Die US-Hypotheken-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben am Mittwoch ihren Sturzflug an der Börse fortgesetzt. Gleich zum Handelsbeginn wurden die beiden um rund 20% zurückgestuft. Seit Jahresbeginn hat Fannie 88% und Freddie 90% an Marktwert verloren. Trotz gegenteiligen Versicherungen der beiden Institute sowie von Regierungsvertretern sind die Anleger zusehends überzeugt, dass eine staatliche Rettungsaktion nicht mehr zu vermeiden ist. In diesem Fall müssten zumindest die Stammaktionäre mit einem Totalverlust rechnen. Der Kongress hat dem Treasury bereits Ende Juli die Befugnis eingeräumt, Fannie und Freddie unlimitierte Kredite einzuräumen und/oder staatliche Kapitaleinlagen zu leisten. Ausserdem hat die Notenbank für die Institute wie zuvor auch für die Investmentbanken das Diskontfenster geöffnet, das bisher ausschliesslich den Geschäftsbanken zur Verfügung gestanden hatte.

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    Schuss hinten hinaus

    Die Idee war es, mit diesen vorsorglichen Massnahmen die Märkte zu beruhigen und das Vertrauen wieder herzustellen. Finanzminister Henry Paulson hatte nie im Sinn, von den Kompetenzen Gebrauch zu machen; er hat bis zuletzt auf dem Standpunkt beharrt, dass eine Hilfestellung nicht nötig sei. Diese Rechnung ist nun offensichtlich nicht aufgegangen; das Schreckgespenst einer Verstaatlichung von Fannie und Freddie hat die Turbulenzen erhöht und das Vertrauen weiter untergraben. Mittlerweile geht es nicht «nur» um die Frage, ob Fannie und Freddie frisches Eigenkapital zur Deckung der noch zu erwartenden Milliardenverluste beschaffen können, sondern auch darum, ob sie ihre regelmässigen Finanzierungen am Kapitalmarkt durchziehen können.

    Fannie und Freddie haben zusammen 1,7 Bio. $ an Notes und Bonds ausstehen. Davon werden 223 Mrd. $ (120 Mrd. bei Fannie und 103 Mrd. $ bei Freddie) bis Ende September fällig. Ob die Refinanzierung reibungslos über die Bühne läuft, wird jetzt als primärer Test dafür angesehen, ob die Institute selbständig überleben können. Freddie hat diese Woche für 3 Mrd. $ fünfjährige Notes verkauft, deren Rendite mit 4,172% 113 Basispunkte über entsprechenden Schatztiteln zu liegen kam. Im Mai hatte der Spread für gleiche Papiere nur 69 Basispunkte betragen.

    Auch für Fannie Mae waren die Kreditkosten vergangene Woche auf Rekordhöhen gestiegen. Gleichzeitig hat die Nachfrage nach den Titeln im Ausland deutlich nachgelassen. Hatten europäische und asiatische Investoren im zurückliegenden Jahr in der Regel noch gut zur Hälfte an den Emissionen partizipiert, so ist deren Anteil zuletzt auf nur mehr 40% gesunken. Freddie verkaufte diese Woche im Rahmen der wöchentlichen Auktionen auch für 4 Mrd. $ Notes mit dreimonatiger Laufzeit; die Emission wurde 2,19-fach überzeichnet, verglichen mit einem Verhältnis von noch 2,73 vergangene Woche.

    Beruhigungsversuche

    Eine Sprecherin von Freddie erklärte, man habe weiterhin «starken Zugang» zu den Kapitalmärkten und könne Mittel zu «attraktiven Konditionen» aufnehmen. Beide Institute beharren auf dem Standpunkt, dass sie ausreichend kapitalisiert seien und die Kapitalunterlegungsvorschriften der Aufsichtsbehörde mehr als erfüllten. Letztere sind allerdings für die staatlich geförderten Unternehmen («government sponsored enterprises» oder GSE) erheblich laxer als für andere Kreditinstitute. Angesichts der noch zu erwartenden Kreditverluste – inzwischen hat die Subprime-Krise auf den Premium-Markt übergegriffen, wo die Zahlungsausfälle stetig neue Rekorde erreichen – ist die Kapitaldecke für beide Institute im Urteil der meisten Experten viel zu gering. Laut Wall-Street-Analytikern müssten Fannie und Freddie je etwa 15 Mrd. $ frisches Kapital beschaffen. Eine Emission von Stammaktien kommt bei den derzeitigen tiefen Börsenkursen nicht in Frage; die Ausgabe von Vorzugsaktien wäre mit prohibitiven Kosten verbunden, sind doch die Renditen dieser Papiere bei beiden Instituten auf über 16% gestiegen. Fannie-Chef Daniel Mudd erklärte in einem Radio-Interview, die Regierung habe keine Hilfe angeboten, und man habe auch um nichts gebeten. Vertreter von Freddie Mac führten am Mittwoch Gespräche im Treasury, über die jedoch bis Redaktionsschluss nichts verlautete.

     


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