Mittwoch, 08. Oktober 2008, 03:44:17 Uhr, NZZ Online
cae. Seit dem Zinsentscheid der EZB am letzten Donnerstag ist es ruhig geworden am Schweizer Kapitalmarkt. Bei den Anlegern scheint sich eine Interpretation der Zinserhöhung und der begleitenden Worte von EZB-Chef Jean-Claude Trichet durchgesetzt zu haben: In der nahen Zukunft muss nicht mit weiteren Zinserhöhungen gerechnet werden, zu gross ist die Gefahr eines Konjunktureinbruchs in Europa. Längerfristig sind weitere Zinserhöhungen aber kaum vermeidbar, wenn sich die Inflation weiter hartnäckig hält.
Diese verbreitete Sicht führt dazu, dass die Anleger eher zurückhaltend sind. Höchstens kaufen sie Kurzläufer, bei den langjährigen Papieren scheint die Gefahr zu gross, sich bei der Zinsentwicklung zu verspekulieren. Wenn zudem die Vorgaben aus den USA fehlen, wie vergangenen Freitag, als der amerikanische Markt feiertagsbedingt geschlossen war, wird die Liquidität am Schweizer Markt sehr dünn. Die Nervosität, die wegen des Wiederaufkeimens der Subprime-Krise zu einer Talfahrt am Aktienmarkt führte, hat auch die Obligationen-Investoren erfasst. Sie setzen aus Angst vor vermehrten Ausfällen weiterhin auf Top-Qualität und meiden Papiere von Finanzinstituten.
Vor diesem Hintergrund gab es in der Berichtswoche gleich mehrere Emissionen, die den Geschmack der Anleger trafen: Grosse Namen, kurze Laufzeiten und «non-financials» wurden mit offenen Armen aufgenommen – so die zweijährige Obligation der Bundesimmobiliengesellschaft Wien (CS), die dreijährigen Papiere von Daimler (Deutsche Bank) und die vierjährigen Anleihen von Telecom New Zealand (ABN Amro / RBS) und Toyota (CS/UBS). Daneben gab es im Auslandsegment noch zwei Aufstockungen, nämlich bei der Danske Bank (Unicredit) und der Svensk Exportkredit (UBS / Deutsche Bank). Im Inlandsegment kam die Obligation der Stadt Zürich trotz der langen Laufzeit beim Publikum gut an.
Die jüngste Statistik zur Emissionstätigkeit in der Schweiz (League-Tables) im ersten Halbjahr zeigt teilweise markante Verschiebungen. Die Credit Suisse weitete ihre Position als grösster Lead-Manager stark aus. Sie erreichte im Inlandsegment einen Marktanteil von fast 49%, in der Vergleichsperiode des Vorjahrs war dieser noch bei knapp 27% gelegen. Klar verloren hat hingegen die UBS, die neu noch auf einen Marktanteil von 12,5% kommt, nach knapp 21% im Vorjahr, und somit vom zweiten auf den dritten Platz abrutschte. Den zweiten Rang belegen die Kantonalbanken, die als Lead-Manager der Pfandbriefe fungieren. Die Emission von Pfandbriefen war im ersten Halbjahr 2008 sehr rege. Im Auslandsegment gewannen sowohl die CS als auch die UBS an Marktanteilen, so dass sie den ersten bzw. zweiten Platz verteidigen konnten. Die BNP Paribas und die ABN Amro belegten wie schon im ersten Semester des Vorjahres den dritten und den vierten Platz, beide Banken bauten ihre Marktposition aber nochmals aus.
NZZ Finance:
Zinsen und Obligationen
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