Dienstag, 02. Dezember 2008, 16:45:36 Uhr, NZZ Online
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(Agenturmeldung)
FRANKFURT (AWP International) - Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Dienstag zunächst deutlich erholt eröffnen. Der X-DAX, der auf Basis des DAX-Futures den ausserbörslichen Stand des deutschen Leitindex zeigt, lag um kurz nach 8.00 Uhr bei 5.458 Punkten und damit rund 1,3 Prozent über dem Xetra-Schluss vom Vortag. Händler verwiesen neben reduzierten Kursverlusten in Übersee insbesondere auf Aussagen des Euro-Finanzministers Jean-Claude Juncker, wonach...
FRANKFURT (AWP International) - Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Dienstag zunächst deutlich erholt eröffnen. Der X-DAX, der auf Basis des DAX-Futures den ausserbörslichen Stand des deutschen Leitindex zeigt, lag um kurz nach 8.00 Uhr bei 5.458 Punkten und damit rund 1,3 Prozent über dem Xetra-Schluss vom Vortag.
Händler verwiesen neben reduzierten Kursverlusten in Übersee insbesondere auf Aussagen des Euro-Finanzministers Jean-Claude Juncker, wonach Einigkeit besteht, den Konkurs systemrelevanter Finanzinstitute unbedingt zu verhindern. "Zudem signalisiert die EZB ja deutlich, den Markt weiter mit der nötigen Liquidität zu versorgen", sagte ein Händler. Spekuliert werde zudem weiter auf eine Zinssenkung. Die Weltbörsen geben mit deutlich reduzierten Kursverlusten leichte Unterstützung.
Die US-Börsen schlossen zwar sehr schwach, ein noch grösserer Kursrutsch wurde jedoch abgefangen. In Tokio schloss der Nikkei-225-Index schwach, lag zwischenzeitlich jedoch wieder kanpp 200 Punkte über der zeitweise gefallenen 10.000 Punkte-Marke.
Finanztitel werden auch ohne aktuelle Schreckensmeldungen erneut im Fokus stehen. Das Vertrauen der Anleger ist durch die Krise der Hypo Real Estate Händlern zufolge sehr stark angeschlagen. Auch das Verhältnis unter den Banken habe sich immer noch nicht normalisiert. Zudem werde immer mehr erwartet, dass die Ausweitung der Finanzkrise auch Spuren in der Realwirtschaft hinterlassen werde.
Auch Europas grösster Softwarehersteller SAP wurde mit voller Wucht von der Finanzkrise getroffen und dürfte nach einem kräftigen Kursrutsch am Vorabend erneut im Fokus stehen. Händler verwiesen ebenso auf negative Analystenreaktionen. So hat Goldman Sachs das Kursziel für den Softwarekonzern von 40 auf 31 Euro gesenkt, die Credit Suisse senkte von 42 auf 33 Euro. Auch die UBS habe ihr Ziel von 44 auf 34 Euro zurückgeschraubt, hiess es. SAP hatte im Zuge der Finanzkrise und aufgrund der Kundenzurückhaltung unter den Erwartungen liegende Quartalszahlen avisiert. Händler reagierten entsprechend negativ. Von ihrem Rutsch um 16,41 Prozent am Montag könnte sich die Aktie allerdings erholen, insbesondere in einem verbesserten Umfeld. Im US-Handel zogen die bei 28,84 aus dem Xetra-Handel gegangenen Papiere auf umgerechnet 29,31 Euro an.
Siemens könnten Händlern zufolge allerdings auf Nachfrage stossen. Laut einem Bericht der "New York Times" könnte der Mischkonzern im November mit den US-Behörden eine Einigung im Korruptionsskandal erzielen. Der Zeitung zufolge könnte Siemens eine Geldstrafe zahlen und sich verpflichten, sich über Jahre einem Compliance-Monitoring zu unterziehen. Ein Börsianer wertete die Nachricht leicht positiv. Sie könnte bedeuten, dass der Mischkonzern nicht wie befürchtet auf die sogenannte "schwarze Liste" gesetzt wird. Firmen auf dieser Liste dürften nicht mit US-Unternehmen zusammenarbeiten.
Titel von Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft könnten ebenfalls auf Interesse stossen. Der Rückversicherer hat sein mittelfristiges Ziel bekräftigt.
Auch die im MDAX notierten Papiere von Salzgitter sollten nach ihrem Vortagesverlust von knapp 17 Prozent besonders im Auge behalten werden. Händler verwiesen auf mehrere Presseberichte, die eine kräftige Erholung stützen dürften. Der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zufolge erwartet der Stahlkonzern auch in 2009 gutes Stahlgeschäft. "2008 wird für Salzgitter ein exzellentes Stahljahr, und ich denke, dass sich das Unternehmen auch im nächsten Jahr gut schlagen wird", wird Unternehmenschef Wolfgang Leese zitiert. Zuletzt sei immer wieder ein schnelleres Hoch im Stahlzyklus befürchtet worden, sagte ein Börsianer. Erst am Vortag hatte die UBS Gewinnprognosen und Kursziel gesenkt. Leese erklärte gegenüber der "Financial Times Deutschland" zudem, dass das Wachstumsziel für die Stahlproduktion Ende 2009 oder Anfang 2010 erreicht werde.
Der geplante Verkauf der TUI -Reederei Hapag-Lloyd steht einem Pressebericht zufolge unter keinem guten Stern und könnte die Aktie ebenfalls in den Fokus rücken. "Ich erwarte nicht, dass TUI im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld einen akzeptablen Preis für Hapag-Lloyd bekommen wird", sagte Tor Olav Troim der Zeitung "Welt" (Dienstagausgabe). TUI-Chef Michael Frenzel solle daher über ein Verschieben des Verkaufs nachdenken./sf/la