[Alt + 1] zur Startseite [Alt + 2] zum Seitenanfang [Alt + 3] zur allgemeinen Navigation [Alt + 4] zur Hauptnavigation [Alt + 5] zum Inhalt [Alt + 6] zu Tipps, Hinweise und Kurzinfos [Alt + 7] zur Suche [Alt + 8] zum Login von MyNZZ [Alt + 9] zur Fusszeile
.
  • Agenturmeldung

    .

    Markt und Börse: 7. Oktober 2008, 17:49,  AWP

    AKTIEN FRANKFURT/Schluss: Verluste - Fed-Massnahmen verpuffen, Unsicherheit

    Toolbox
    Druckansicht

    FRANKFURT (AWP International) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Dienstag erneut mit Verlusten aus dem Handel verabschiedet. Der DAX konnte sich am Nachmittag nur kurz stabilisieren, ging dann aber mit minus 1,12 Prozent auf 5.326,63 Zähler aus dem Handel. Das war der tiefste Schlusstand seit Dezember 2005. Für den MDAX mittelgrosser Werte standen Verluste von 2,30 Prozent auf 5.990,63 Punkte zu Buche. Der TecDAX rutschte gar um 5,15 Prozent auf 573,04 Zähler ab.

    Am Nachmittag sorgten Hilfsmassnahmen der US-Notenbank Fed nur für einen kurzen Schub - auch an die Wall Street verpuffte der Effekt schnell. Die Fed will Commercial Papers kaufen, um mehr Liquidität in den Geldmarkt zu pumpen. Commercial Papers sind von Unternehmen emittierte Geldmarktpapiere. Händlern zufolge fehlt nach wie vor das Vertrauen. "Niemand will in der aktuellen Lage investieren. Der Markt verhält sich ein bisschen wie das Kaninchen vor der Schlange und starrt gebannt auf die weitere Entwicklung der Krise", sagte ein Börsianer.

    Im Bankensektor sorgten insbesondere Gerüchte aus Grossbritannien für Bewegung. Grossteils wurden aber Spekulationen über Liquiditätsschwierigkeiten beispielsweise bei Barclays mittlerweile dementiert. Auch eine neue Kapitalerhöhung der Deutschen Bank wurde verneint. Die Aktien der Commerzbank sackten dennoch um 14,20 Prozent auf 10,210 Euro ab. Deutsche Bank verloren 8,94 Prozent auf 43,575 Euro. Postbank gaben 7,64 Prozent auf 28,51 Euro nach. Hypo Real Estate (HRE) büssten 4,68 Prozent auf 4,48 Euro ein. Der seit Tagen in der Kritik stehende Chef des angeschlagenen Immobilienfinanzierers, Georg Funke, verlässt mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. Übereinstimmenden Presseberichten soll ihm Axel Wieandt, der bisherige Leiter der Konzernstrategie der Deutschen Bank, nachfolgen.

    Allianz verloren unterdessen 3,93 Prozent auf 85,96 Euro. "In den Köpfen der Anleger geistert weiterhin die Angst, dass der Verkauf der Tochter Dresdner Bank an die Commerzbank platzen könnte", sagten Händler. Hinzu komme die Sorge, dass auch in der Versicherungsbranche noch einige "Leichen in Bezug auf Abschreibungen im Keller liegen könnten".

    Die dramatischste Kursbewegung erlebten Anleger allerdings bei den Papieren von Volkswagen . Zeitweise schossen die Stämme der Wolfsburger um mehr als 50 Prozent nach oben und markierten bei 452,00 Euro ein neues Rekordhoch. Zur Schlussglocke stand dann aber sogar ein Minus von 1,83 Prozent auf 287,00 Euro zu Buche. Händler machten insbesondere Derivategeschäfte für die zwischenzeitliche Kursexplosion verantwortlich. So vermutet Analyst Frank Schwope von der NORD/LB Käufe zur Deckung von Optionen, die Porsche eine Lieferung zusichern. Insgesamt ist Börsianern zufolge die Kursentwicklung bei VW nicht mehr mit rationalen Argumenten zu erklären. Porsche retteten unterdessen ein Plus von 2,65 Prozent auf 58,00 Euro.

    SAP weiteten ihre Vortagesverluste aus und büssten 7,30 Prozent auf 26,735 Euro ein. Am Montag hatte der Softwarekonzern vorläufige Zahlen vorgelegt, die unter den eigenen Erwartungen ausgefallen waren. Händler verwiesen einerseits auf zahlreiche Kurszielsenkungen durch Analysten zur Begründung für die Verluste. Die Kursziele seien aber immer noch zu hoch und die Aktie zu teuer, hiess es am Markt. Zuletzt wurde noch bekannt, dass sich SAP im Rechtsstreit mit Konkurrent Oracle nicht gütlich einigen konnte. "Zudem hat der Vorstand nun viel Vertrauen verspielt. Es wird dauern, bis wir hier wieder eine Erholung sehen", sagte ein Börsianer. Dies zog auch die Titel der Software AG im TecDAX um 5,97 Prozent auf 31,64 Euro runter. "Die Software AG wird hier ganz klar in Sippenhaft genommen", sagte ein Börsianer. Am Markt herrsche nun Angst, dass die ganze Branche vor ähnlichen Problemen wie die Walldorfer stehen könnte.

    Aktien von MAN reduzierten ihre Verluste etwas und gingen mit minus 2,61 Prozent auf 39,53 Euro aus dem Handel. Das Tagestief hatte noch bei 38,17 Euro gelegen. Händler schätzten den Verkauf von 70 Prozent der Tochter MAN Ferrostaal an die Staatsholding International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi positiv ein. "Das passt zur Strategie, sich von Geschäftsteilen zu trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören", sagte ein Börsianer. Interessant sei nun noch der Preis, den MAN erzielt habe. MAN zufolge wurde darüber aber Stillschweigen vereinbart.

    Im MDAX rutschten Premiere um weitere 17,85 Prozent auf 2,67 Euro ab. Die Deutsche Fussball-Liga (DFL) will einem Zeitungsbericht zufolge bei der Vergabe der Fernsehrechte der Bundesliga auf den angeschlagenen Bezahlsender zugehen. Unterdessen kappte die UniCredit ihre Einschätzung für Premiere von "Buy" auf "Hold" und stampfte das Kursziel von 15,50 auf 3,50 Euro ein.

    dr/fn/ra