Dienstag, 02. Dezember 2008, 22:39:56 Uhr, NZZ Online
![]()
(Agenturmeldung)
FRANKFURT (AWP International) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank mit einem deutlichen Minus geschlossen. Der DAX fiel unter die Marke von 6.300 Zählern und verlor 2,91 Prozent auf 6.279,57 Zähler. Der MDAX gab 3,20 Prozent auf 8.281,32 Punkte nach. Der TecDAX fiel um 3,01 Prozent auf 794,35 Zähler. Die EZB hatte den Leitzins wie erwartet bei 4,25 Prozent belassen. Die Äusserung von EZB-Präsident...
FRANKFURT (AWP International) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank mit einem deutlichen Minus geschlossen. Der DAX fiel unter die Marke von 6.300 Zählern und verlor 2,91 Prozent auf 6.279,57 Zähler. Der MDAX gab 3,20 Prozent auf 8.281,32 Punkte nach. Der TecDAX fiel um 3,01 Prozent auf 794,35 Zähler.
Die EZB hatte den Leitzins wie erwartet bei 4,25 Prozent belassen. Die Äusserung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet schlugen Börsianern zufolge allerdings auf die Stimmung am Aktienmarkt. Denn dieser stellte keine Zinssenkung im Euroraum in Aussicht. Kursverluste an den US-Börsen nach enttäuschend ausgefallenen drückten zusätzlich auf die Stimmung. "Trichet hat die Hoffnung am Markt nicht erfüllt", kommentierte Helaba-Marktstratege Mirko Pillep. Bereits zuvor habe sich Ernüchterung breit gemacht, dass der "klägliche Versuch einer Erholung" zum Wochenbeginn nicht nachhaltig gewesen sei. Der Kursanstieg sei wohl eher auf Short-Eindeckungen zurückzuführen gewesen, frisches Geld sei nicht in den Markt geflossen, meinte Pillep. Solange es keine Klarheit über die Lage im US-Finanzsektor und in Kontinentaleuropa gebe, werde jede Erholung am Markt als neue Verkaufschance gewertet, so die Meinung des Marktexperten.
Im DAX verloren Aktien der Deutschen Post 3,68 Prozent auf 15,71 Euro. Händler verwiesen auf einen Pressebericht, demzufolge der Logistiker seine milliardenschweren Probleme in den USA nicht in den Griff bekommt. Ausserdem drückten Medienberichten über ein drohendes Scheitern des Postbank-Verkaufs auf den Kurs. Auch Aktien der Postbank büssten ihre frühen Gewinne vollständig ein, verloren aber mit minus 1,56 Prozent auf 42,33 Euro weniger als der Leitindex.
SAP gaben trotz positiver Aussagen des Vorstands 1,16 Prozent auf 38,18 Euro ab, schlugen sich damit aber immer noch besser als der Gesamtmarkt. Der Chef von Europas grösstem Softwareanbieter, Henning Kagermann, sieht sein Unternehmen in Europa und Asien weitgehend von den Auswirkungen der Finanzkrise verschont. In Europa sei der Geschäftsausblick stark, sagte er. Auch in Asien sei das Geschäft "gesund". Bald werde sich auch die Entwicklung in Nordamerika normalisieren.
TUI waren mit Minus 4,99 Prozent auf 13,24 Euro einer der schwächsten Werte im DAX. Der Touristik- und Schifffahrtskonzern gibt Ende September seinen Platz im Leitindex an den bislang im MDAX notierten Düngemittelhersteller K+S . Händler und Analysten verwiesen zusätzlich auf einen Artikel der "Financial Times Deutschland", demzufolge die geplante Fusion von Germanwings, TUIfly und Condor - also der Billigflugtöchter von Lufthansa , TUI und Thomas Cook - auf der Kippe steht. Einem Börsianer zufolge wäre ein Scheitern der Fusion vor allem für den zu Arcandor gehörende Ferienflieger Condor negativ zu werten, der am meisten von einer Fusion profitieren würde. Die Aktien des Handelskonzerns verloren im MDAX 3,83 Prozent auf 5,27 Euro.
Im MDAX verloren die Aktien von K+S mit einem Minus von 0,97 Prozent auf 71,24 Euro weitaus weniger als der Index. Der Kasseler Düngemittelhersteller ist nach jahrelangem Anstieg seiner Aktien in den DAX aufgenommen worden. Börsianer hoffen, dass das einzige Rohstoffunternehmen unter den 30 bedeutendsten deutschen Aktiengesellschaften nun auch den Leitindex antreibt.
Aktien von Heidelberger Druckmaschinen gaben ihre Kursgewinne der vergangenen Tage vollständig wieder ab und fielen um 9,31 Prozent auf 14,32 Euro. Hier verwiesen Börsianer in erster Linie auf Gewinnmitnahmen. Neben den sinkenden Rohstoffpreisen hatte Händlern zufolge auch der schwache Euro den Kurs der Aktien in die Höhe getrieben.
Im TecDAX rutschten AIXTRON-Papiere um 8,00 Prozent auf 6,44 Euro ab. Händler verwiesen auf einen Artikel der taiwanischen Zeitung "Digitimes", der von einer Verzögerung bei den Expansionsplänen der LED-Hersteller berichte. Dies drücke auf die Stimmung für den Zulieferer, sagten Händler. Die Analysten von Cheuvreux verwiesen in einer Studie auch auf die sich abschwächende Nachfrage im LED-Geschäft, die Produzenten an AIXTRON weitergeben könnten./gr/fn