Donnerstag, 08. Januar 2009, 07:13:00 Uhr, NZZ Online
Leitzins um einen vollen Prozentpunkt zurückgenommen
(ap) Zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen reduzierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag das Zielband für den Dreimonatslibor, und zwar gleich um einen ganzen Prozentpunkt auf einen mittleren Satz von 1,0 Prozent oder das tiefste Niveau seit Dezember 2005. Es handelt sich um den grössten Zinsschritt seit der Einführung des neuen Konzepts der Geldpolitik im Jahre 2000.
Das Aussergewöhnliche der aktuellen Situation wird durch den Umstand unterstrichen, dass die Nationalbank den Leitzins seit dem 8. Oktober in drei Schritten ausserhalb ihrer quartalsweisen Lagebeurteilung gesenkt hat. Die jüngste Zinssenkung erfolgte ferner im Alleingang, ohne dass andere wichtige Zentralbanken ihre offiziellen Sätze zurückgenommen hätten.
In einer kurzen Mitteilung begründeten die Stabilitätshüter den beispiellosen Schritt vor allem mit dem Spielraum, den die rasche Entspannung an der Teuerungsfront schaffe. Dank des Rückgangs der Energie- und Rohwarenpreise könne die Preisstabilität früher als erwartet wieder hergestellt werden.
Es sei wahrscheinlich dass die Inflation bereits vor dem Jahresende wieder unter zwei Prozent falle. Im Oktober hatte sie noch 2,6 Prozent betragen. Zudem habe sich die internationale Konjunkturlage deutlich verschlechtert, fügte die Notenbank hinzu. Das Risiko eines markanten Rückgangs der wirtschaftlichen Entwicklung für 2009 habe sich dadurch erhöht.
Weitere Angaben zur erwarteten Konjunkturentwicklung im nächsten Jahr machte die Nationalbank nicht. Sie verwies auf die geldpolitische Lagebeurteilung vom kommenden 11. Dezember. Bereits bei der letzten Leitzinssenkung am 6. November hatte die Nationalbank eine Rezession im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen. Die Nationalbank gab weiter bekannt, dass sie den Schweizer-Franken-Geldmarkt grosszügig und flexibel versorgen werd.
(ap) Der von der Nationalbank beschlossene Zinsschritt von einem ganzen Prozentpunkt ist in seinem Ausmass seit der Einführung des Dreimonats-Libor Anfang 2000 als geldpolitischer Referenzzins beispiellos. Bisher hatte die Nationalbank Zinsschritte im Ausmass von höchstens 75 Basispunkten nach oben oder unten gemacht.
Der Zinsschritt ist nicht nur in seinem Ausmass einzigartig, sondern auch der dritte in Folge ausserhalb der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilungen der schweizerischen Notenbank. Zudem wurden die drei jüngsten Zinsentscheide vom 8. Oktober sowie vom 6. und dem (heutigen) 20. November innerhalb von nur sechs Wochen gefällt. Eine kürzere Kadenz zumindest zwischen zwei Zinsschritten gab es nur nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Die Nationalbank nahm damals das Zielband für den Dreimonats-Libor zunächst am 18. September 2001 um 0,5 Prozentpunkte auf 2,25 bis 3,25 Prozent und dann gleich wieder am 24. September 2001 um weitere 0,50 Prozentpunkte auf 1,75 bis 2,75 Prozent zurück.
Das nun erreichte Niveau von 0,5 bis 1,5 Prozent ist das tiefste seit dem 15. Dezember 2005. Der bisher tiefste Stand des Zielbands wurde am 6. März 2003 erreicht, als es an der unteren Grenzauf nullll fiel und am oberen Ende noch 0,75 Prozent ausmachte.
Kommentar:
Überraschung gelungen
Schweizer Börse:
Ausverkauf
SNB:
Ökonome reagieren positiv
Gewerkschaft:
«Jetzt Hypozins senken»
Franken:
Nach Zinsentscheid schwächer
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