Donnerstag, 21. August 2008, 21:16:00 Uhr, NZZ Online
Cls. New York, 7. Juli
Hatte es vor wenigen Wochen noch so ausgesehen, als habe Microsoft das Interesse an Yahoo verloren, so hat der Software-Riese am Montag das Gegenteil bekräftigt. Man werde mit Yahoo erneut an den Verhandlungstisch sitzen, sobald bei dem Internet-Unternehmen der Verwaltungsrat und die oberste Geschäftsleitung ausgewechselt seien, hiess es in einer schriftlichen Stellungnahme. Microsoft-Chef Steve Ballmer habe in den vergangenen Tagen mehrere Gespräche mit dem Investor Carl Icahn geführt, der eine 5%ige Beteiligung an Yahoo aufgebaut hat und der an der bevorstehenden Aktionärsversammlung eigene Verwaltungsräte – einschliesslich seiner Person – vorschlagen will.
Mit dem jetzigen Verwaltungsrat und mit Co-Gründer Jerry Yang an der Spitze der Geschäftsleitung sei es nicht möglich gewesen, eine einvernehmliche Lösung zu finden, heisst es in dem Communiqué weiter. Mit einer neuen Equipe könne man unverzüglich sowohl eine Vollübernahme als auch nur den Kauf des Such-Geschäftes diskutieren. Für Details einer möglichen Transaktion und vor allem für die Nennung eines Preises sei es noch zu früh; man werde zu der Angelegenheit vor der Yahoo-Generalversammlung am 1. August keinen Kommentar mehr abgeben.
Icahn, der Yahoo vergeblich beschworen hatte, auf das Kaufangebot von Microsoft einzugehen, wandte sich in einem offenen Brief an die Mitaktionäre. Darin stellte er fest, Microsofts Position, ausschliesslich mit einem neuen Verwaltungsrat verhandeln zu wollen, sei verständlich. Microsoft würde bei Vertragsabschluss eine Menge Kapital zusichern; bis zum Vollzug der Transaktion würden jedoch mindestens neun Monate verstreichen, und in der Zwischenzeit könnten der jetzige Board und die Geschäftsleitung das Unternehmen herunterwirtschaften. Die bisherigen Erfahrungen hätten hinreichend bestätigt, dass Yahoo schlecht geführt werde. Während Google in den letzten beiden Jahren den Betriebsgewinn um 59% pro Jahr gesteigert habe, sei dieser bei Yahoo um 21% pro Jahr gesunken. Ausserdem finde ein Aderlass an Talenten statt. Eine Blutauffrischung an der Spitze sei dringend nötig. Microsoft könne mit ihrer Finanzkraft den Turnaround garantieren, meinte Icahn am Schluss seines Briefes.
Der Börsenkurs von Yahoo machte am Montagmorgen einen Sprung von über 10%. Zuvor war er um fast zwei Fünftel eingebrochen, seit Yahoo das Kaufangebot von Microsoft im Wert von 33 $ je Aktie oder gesamthaft 47,5 Mrd. $ zurückgewiesen hatte. Am Montag reagierte Yahoo verärgert auf die Erklärungen von Icahn und Microsoft. Man habe versucht, wieder ins Gespräch zu kommen, aber Microsoft habe kein Interesse mehr gezeigt, hiess es in einer Stellungnahme. Es wäre dumm, sich auf Icahn und Konsorten zu verlassen, deren Geschäftsplan einzig darin bestehe, Yahoo an Microsoft zu verkaufen. Dem Vernehmen nach diskutiert Yahoo sowohl mit Time Warner (AOL) als auch mit News Corporation (MySpace) über die Möglichkeit eines Zusammenschlusses, um Microsoft zu entrinnen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass auch Microsoft mit denselben Adressen über den gemeinsamen Kauf von Yahoo und die Aufteilung der Beute spricht oder jedenfalls gesprochen hat. Microsoft ist vorab am Such-Geschäft von Yahoo interessiert; nur mit mehr Masse kann der Software-Riese im Online-Werbegeschäft mit Google konkurrieren. Google dominiert den US-Markt mit einem Anteil von 62%, während Yahoo und Microsoft mit 21% bzw. 8,5% partizipieren.
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