Dienstag, 02. Dezember 2008, 21:03:58 Uhr, NZZ Online
Fannie Mae und Freddie Mac in Schieflage
(sda/dpa/Reuters) Wegen einer bevorstehenden Änderung in der Rechnungslegung könnte Fannie Mae eine Kapitalspritze von 46 Mrd. Dollar benötigen, meinen Experten der Investmentbank Lehman Brothers. Freddie Mac könnten demnach 29 Mrd. Dollar fehlen. Die geplante Änderung des Bilanzierungsstandards soll Firmen dazu zwingen, verbriefte Verbindlichkeiten in ihre Bilanzen aufzunehmen.
Allerdings könnte es eine Ausnahme für die zwei halbstaatlichen Hypotheken-Giganten geben, um weitere Turbulenzen auf dem Immobilienmarkt zu verhindern.
Die Finanzmärkte reagierten schockiert: An der Börse stürzten die Aktien der beiden Gesellschaften dramatisch ab. Fannie Mae brachen am Montag um 16% ein, Freddie Mac fielen um knapp 18 Prozent. Beide Titel verloren damit innert Jahresfrist bereits drei Viertel ihres Börsenwerts.
Branchenführer Fannie Mae und die Nummer zwei Freddie Mac stehen hinter weit mehr als der Hälfte aller Hypotheken in den USA. Die von der öffentlichen Hand gegründeten Institute besitzen letztlich staatliche Kreditgarantien.
Nachdem Konkurrenten ohne solche Sicherheiten ihr Geschäft wegen der Kreditkrise stutzen mussten, übernahmen Fannie Mae und Freddie Mac deutlich mehr Finanzierungen.
Fannie Mae und Freddie Mac gehören zu den grossen Verlierern der Kreditkrise und erlitten Verluste von insgesamt 12 Mrd. Dollar. Die beiden Häuser stecken in einem Dilemma: Es gilt einen Kollaps des US-Häusermarkts zu verhindern, und zugleich die eigenen Verluste in Grenzen zu halten.
In den USA hat sich die Immobilienkrise längst über das Segment der Ramsch-Hypotheken ausgeweitet und betrifft nun auch besser gesicherte Hypotheken, die den Löwenanteil des Geschäfts von Fannie Mae und Freddie Mac ausmachen.
Leser-Kommentare: 0 Beiträge