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  • 4. Dezember 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Economiesuisse hofft auf ein Nullwachstum

    Economiesuisse hofft auf ein Nullwachstum

    Wirtschaftspolitisches Kurshalten in schwierigem Umfeld

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    Gemäss Economiesuisse wird die Schweizer Wirtschaft 2009 stagnieren. Vor allem Exporte und Ausrüstungsinvestitionen werden schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, die Inflation wird sich verlangsamen. Der Verband will für eine liberale Sicht um Verständnis werben.

    G. S. Der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, Economiesuisse, rechnet, wie er am Mittwoch an einer Medienkonferenz darlegte, für 2009 mit einem Nullwachstum. Vor einem Jahr hatte er mit seiner Prognose eher zu den Pessimisten gezählt – und hatte recht bekommen. Diesmal dürfte er eher zu den Optimisten zählen. Dass er mit seiner Einschätzung wieder richtig liegt, ist nicht unbedingt offensichtlich. Immerhin hat sich der Verband abgesichert. Die Prognose gelte nur unter der Bedingung, dass sich die Lage auf den Finanzmärkten nicht weiter verschlechtere.

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    Hoffen auf den Konsum

    Gleichwohl wird man Economiesuisse nicht unbedingt Schönfärberei vorwerfen können. Der Chefökonom, Rudolf Minsch, erwartet unter Einbezug des laufenden Quartals drei Quartale hintereinander mit negativen Wachstumsraten, also im technischen Sinne eine Rezession. Danach sollte, wie aus einer Umfrage unter den Verbandsmitgliedern hervorgeht, irgendwann zwischen Juni und Dezember 2009 die Talsohle erreicht sein. Auch 2010 wird es in der Einschätzung von Minsch nicht zu einer fulminanten Erholung kommen, sondern so wie schon 2008 zu einer Expansion unter dem Potenzialwachstum von derzeit rund 1,9%. Die Arbeitslosenquote wird im Gefolge des Konjunktureinbruchs doch deutlich steigen, von 2,5% im laufenden auf 3,2% im nächsten Jahr. Da dies Durchschnittswerte sind, wird die Arbeitslosigkeit allerdings in der zweiten Jahreshälfte über diesen Wert zu stehen kommen.

    Fragt man nach den Gründen für den relativen Optimismus, stösst man auf die im internationalen Vergleich bemerkenswert robuste Verfassung der hiesigen Unternehmen; auf die breite Diversifikation der Schweizer Wirtschaft; auf einzelne erstaunlich krisenresistente Branchen wie Chemie/Pharma, Nahrungs- und Genussmittel, Medizinaltechnik oder Energie; und auf die von Economiesuisse unumschränkt gelobten Zinssenkungen der Nationalbank auf zuletzt 0,5%–1,5% (denen gemäss dem Verband wohl noch eine weitere Lockerung folgen wird). Ausserdem basiert die Prognose auf der Hoffnung, die wegen der sinkenden Inflationsrate sich abzeichnende Reallohnerhöhung und die auf die Hypothekarzinsen und die Mieten durchschlagenden Niedrigzinsen würden das verfügbare Einkommen erhöhen und die Konsumlust stützen. Ferner soll eine weiterhin steigende Bevölkerung eine leichte Mengenausweitung bringen. Dementsprechend werden 2009 gemäss der Prognose zwar die Importe, die Exporte, die Bauinvestitionen und die Ausrüstungsinvestitionen (Letztere um 6%) zurückgehen, der private und der öffentliche Konsum dagegen jedoch um 0,8% bzw. 0,5% steigen.

    Werben um Akzeptanz

    Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer wies an der Medienkonferenz darauf hin, dass die Finanzkrise nicht nur konjunkturelle und strukturelle Folgen habe, sondern dass sie mittelfristig vor allem das wirtschaftspolitische Klima verändere. Economiesuisse wolle dem entgegentreten, nicht einfach aus ideologischer Sturheit, sondern aus der Erfahrung heraus, dass liberale, marktwirtschaftliche Politik zum heutigen Wohlstand geführt habe. Bührer warnte vor den in verschiedenen Ländern in Gang gesetzten eigentlichen Subventionsspiralen, die die Handlungsräume der Finanzpolitik einengen und die Glaubwürdigkeit in der Wettbewerbspolitik sowie in der multilateralen Handelspolitik gefährden würden.

    Er und sein Direktor, Pascal Gentinetta, diagnostizierten mehrfach ein Glaubwürdigkeits- und Akzeptanzproblem für marktwirtschaftliche Ideen und Lösungen. Dem wollen sie unter anderem mittels eines intensivierten Dialogs mit den Vertretern der Politik und der Gesellschaft begegnen. Dabei handle es sich um eine Bringschuld der Wirtschaft. Ferner wolle der Verband durch eine Fortführung seiner Linie etwa in der Aktienrechtsreform, in der Finanzpolitik und in der Wettbewerbspolitik seine Glaubwürdigkeit stärken. Man werde die bisherigen Positionen nicht aufgeben und sage weiterhin Nein zu jeglichem beliebigem und massivem Interventionismus. Man wolle aber auch nicht mit dem Kopf durch die Wand. Vielmehr gehe es darum, auf dem Boden der Marktwirtschaft gezielt Verbesserungen vorzunehmen. Unmittelbare Sorge bereitet Economiesuisse die Abstimmung über die Erweiterung der Personenfreizügigkeit. Hier könnten gemäss Gentinetta Gegner des bilateralen Weges versucht sein, die Finanzkrise zu missbrauchen, um die Abstimmung zu gewinnen.

    Nationalbankchef Roth sieht keine Kreditverknappung – oder etwa doch?

    Nationalbankchef Roth sieht keine Kreditverknappung – oder etwa doch?

    G. S. In einem Vortrag im Tessin hat Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth zum Teil ähnliche Themen aufgegriffen wie gleichentags der Dachverband Economiesuisse. Roth ist gemäss Redetext etwas pessimistischer und hält einen realen Rückgang des Bruttoinlandprodukts 2009 für durchaus möglich. Genaueres werde man aber wohl erst am 11. Dezember sagen können. Die These eines eigentlichen «credit crunch», die viel diskutiert wird, wies er zwar zurück, doch scheint er auch diesbezüglich skeptischer und zurückhaltender als Economiesuisse. Bis September sei das Volumen der vergebenen Kredite zwar tatsächlich noch gestiegen; und nur 15% der von der Nationalbank befragten Banken sprächen von einer leichten Verschärfung der Vergabepolitik. Trotzdem müsse man diese Ergebnisse vorsichtig interpretieren. Zum einen habe die Krise vielleicht noch nicht voll durchgeschlagen, zum anderen genüge es manchmal schon, wenn eine Bank sich zurückziehe, um ein Projekt, das von mehreren Banken finanziert werde, zum Scheitern zu bringen.


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