Dienstag, 02. Dezember 2008, 20:50:25 Uhr, NZZ Online
wec. Der August war in der ganzen Schweiz etwas zu warm und gebietsweise zu nass. Die Sonnenscheindauer lag fast überall um oder leicht über den mehrjährigen Normwerten. Der Wetterablauf war wie bereits im Vormonat sehr wechselhaft. Temperaturen, Niederschlagssummen und Sonnenschein weichen deshalb nur mässig von der Norm ab. Mit dem häufigen Durchzug von Ausläufern atlantischer Fronten entstanden auch keine mehrtägigen sommerlichen Hochdrucklagen oder länger andauernde Niederschlagsperioden. Es wurden auch keine ungewöhnlich hohen oder tiefen Temperaturen gemessen.
Die Monatsmitteltemperaturen lagen in den meisten Gebieten 0,5 bis 1 Grad Celsius über den mehrjährigen Normwerten. In den Hauptföhntälern am Alpennordhang, in Graubünden, im Tessin und in den Gipfelregionen oberhalb von etwa 2000 Metern betrug der Wärmeüberschuss 1 bis 1,5 Grad Celsius. Überdurchschnittliche Niederschlagsmengen von bis zu 130 Prozent, vereinzelt bis zu 150 Prozent, fielen jedoch in der Nord- und Nordostschweiz, am zentralen und östlichen Alpennordhang, im Jura, im Wallis und in Graubünden. Leichte Niederschlagsdefizite verzeichneten dagegen die östlichen Voralpen, Teile des westlichen Mittellandes, der westliche Alpennordhang und das Tessin mit 70 bis 100 Prozent der Norm. Im Locarnese fiel sogar nur rund die Hälfte der normalen Augustsummen. Nach oft trüber Witterung setzte sich ab dem 24. August dann aber sonniges Spätsommerwetter durch. Nur dank dieser Phase erreichte die Sonnenscheindauer in der ganze Schweiz mit wenigen lokalen Ausnahmen Werte von bis zu 120 Prozent der Norm.
Ende August ging zugleich ein insgesamt wechselhafter klimatologischer Sommer zu Ende. Gemessen an den Normwerten 1961–1990 war der Sommer 2008 in der ganzen Schweiz 1 bis 1,5 Grad Celsius zu warm. Die Niederschlagsmengen erreichten verbreitet übernormale Werte. Im Oberwallis, in Graubünden und im Südtessin wurden meist 130 bis 150 Prozent, lokal bis zu 180 Prozent der Normalsummen gemessen. Etwas zu trocken war der Sommer im Aargauer Jura, im zentralen und westlichen Mittelland und im unteren Rhonetal. Trotz viel Bewölkung war die Besonnung landesweit normal oder leicht übernormal.
Am 1. August näherte sich eine aktive Kaltfront aus Nordwesten der Schweiz. Bereits vor der Front hatte eine Konvergenzzone am frühen Morgen im Mittelland verbreitete, am Jurasüdfuss sehr ergiebige Gewitterregen verursacht. In Wynau im Kanton Bern fielen innerhalb von wenigen Stunden 70 Liter Wasser pro Quadratmeter. Am Nachmittag und Abend brachte der Frontdurchgang auch den Alpen und der Alpensüdseite kräftige Gewitter und starke Niederschläge. Das Mittelland dagegen blieb vom Nachmittag an weitgehend trocken.
Anschliessend lag die Schweiz für fünf Tage im Einflussbereich einer flachen Hochdruckzone, die sich langsam von den Azoren über die Alpen nach Osteuropa verlagerte. Nach letzten Niederschlägen setzte sich zunehmend sonniges Wetter durch. Ausläufer der im Norden ostwärts ziehenden Tiefs brachten der Alpennordseite zeitweise allerdings schwache Niederschläge. Die Temperaturen stiegen im Norden allmählich auf 25 bis 30 Grad Celsius und im Süden bis auf 33 Grad Celsius. Nach ersten verbreiteten Gewittern gingen mit dem Durchzug einer neuen aktiven Kaltfront am 7. und 8. nachmittags und abends in der ganzen Schweiz teilweise von Hagel begleitete Schauer und Gewitter nieder. Der aufkommende Westwind bewirkte im Norden eine spürbare Abkühlung auf 21 bis 23 Grad Celsius, südlich der Alpen blieb es sommerlich warm.
Nach einem kurzen Zwischenhocheinfluss mit sonnigem und wieder sommerlich warmem Wetter leitete am 11. ein von England nach Skandinavien reichendes Tief mit nachfolgender frischer Polarluft erneut einen zunehmend kühleren Wetterabschnitt ein. Nachdem die Temperaturen in den Föhntälern auf fast 30 Grad Celsius angestiegen waren, fielen – verbunden mit dem Luftmassenwechsel – am 12. im Jura und in der Nordwestschweiz bis zu 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Einen weiteren Starkregen verursachte das Auftreffen der Polarluft aus Norden auf die im Alpenraum lagernde feuchte Warmluft. Von der Innerschweiz bis nach Graubünden fielen 50 bis 90 Liter Regen pro Quadratmeter. Im Einflussbereich der Kaltluft stiegen die Temperaturen im Norden nur noch auf 10 bis 18 Grad Celsius.
Die zweite Monatshälfte begann sehr unruhig. In regelmässigen Abständen gab es einen raschen Wechsel zwischen von Niederschlägen und Gewittern begleiteten Frontdurchgängen und von einem Zwischenhocheinfluss geprägten Phasen mit sonnigem Sommerwetter, verbunden mit Temperaturen, die zwischen 18 und 29 Grad Celsius schwankten.
Am 24. August erfolgte schliesslich der Übergang zur längsten Hochdruckperiode des Monats. Nach Auflösung des Hochnebels über dem östlichen Mittelland herrschte überall sehr sonniges Wetter. Am Folgetag sorgte ein Schub feuchter Luft nochmals für nur teilweise sonniges Wetter mit vereinzelten schwachen Niederschlägen. Doch dann blieb das vom Atlantik bis weit nach Osteuropa reichende Hoch für die ganze Schweiz bis kurz vor Monatsende wetterbestimmend.
Von einzelnen Wolkenfeldern und schwachen Schauern im Puschlav und Unterengadin abgesehen, herrschte meist vorwiegend sonniges Wetter. Über dem zentralen und östlichen Mittelland löste sich der Hochnebel bis zum Mittag weitgehend auf. Die Temperaturen stiegen vom 27. an nördlich der Alpen auf 24 bis 27 Grad Celsius und im Süden und im Zentralwallis auf bis zu 30 Grad Celsius. Am westlichen Rand des Hochs steuerte am 31. eine südwestliche Höhenströmung feuchte Luft in den Alpenraum. Nach einem recht sonnigen Tag mit Temperaturen von bis zu 28 Grad Celsius entluden sich zuerst in den Bergen, in der Nacht zum 1. September dann auch am östlichen Jura heftige Schauer und Gewitter. Westlich von Aarau fielen 49 Liter Regen pro Quadratmeter, davon allein innerhalb von 20 Minuten 20 Liter.
Leser-Kommentare: 0 Beiträge