Die globalen Aktienmärkte haben einen bewegten Monat hinter sich. Die altbekannten Hauptsorgen wie unsicherere Konjunkturaussichten, Inflation, sowie – immer noch – die Liquiditätskrise etc. lasteten Mitte Monat schwer und bescherten den Indizes neue Mehrjahres-Tiefstände. Die fundamentalen Daten sowie die Bewertung sprechen aber nach wie vor für ein Engagement in Dividendenpapiere.
I. Analyse Gesamtmarkt
Die Achterbahnfahrt geht weiter – Monatsverluste fast wieder aufgeholt
Die Volatilitäten an den globalen Aktienmärkten bleiben hoch. Nach einem globalen «Kurssturz» Mitte Juli konnten sich die Märkte gegen Ende des Monats mehrheitlich wieder erholen. Der Osteuropäische Markt setzte sogar zu einer Rally gegen Ende des Monats an.
- Schweiz: Der SPI konnte im Juli einen kleinen Wertzuwachs verzeichnen. Wiederum waren es vor allem die Finanzwerte, die Mitte des Monats den Index belasteten und ihn auf ein Mehrjahrestief fallen liessen, ihm aber auch gegen Ende wieder ein leichtes Plus bescherten.
- USA: Der amerikanische S&P 500 Index hat den Juli mit einer leicht negativen Monatsperformance abgeschlossen. Auch hier wurden Mitte des Monats Tiefststände, wie seit 2005 nicht mehr, erreicht. Zur allgemeinen Verunsicherung der Hypothekenkrise kam ein rekordhoher Ölpreis belastend hinzu. Gegen Ende des Monats verbesserten sich Stimmung und Performance, was mitunter der Intervention der US-Regierung zugunsten der beiden halbstaatlichen Immobilienfinanzierer, den stützenden Resultaten der Retail-Banken, der besser als erwarteten Konsumentenstimmung sowie der Beschäftigungslage im Privatsektor zuzuschreiben ist.
- Europa: Zum dritten Mal in Folge schloss der Stoxx 600 Index für Europa mit dem schwächsten Monatsergebnis von allen hier betrachteten Märkten. Die Gründe dafür sind altbekannt; die negativen Vorgaben aus den USA (insbesondere aus dem Finanzsektor), der hohe Ölpreis und somit steigende Inflationsängste sowie eine Verlangsamung der Wirtschaftsdynamik, insbesondere im Bausektor Spaniens und der UK, machten der «alten Welt» am meisten zu schaffen.
- Japan: Der japanische Markt wies im Einklang mit den USA eine leicht negative Monatsperformance aus. Die belastenden Vorgaben aus dem Ausland konnten dank einer Abschwächung des Yens gegenüber dem Dollar abgefangen werden. Der verhaltene Ausblick von Elektronik-Herstellern stoppte den Aufschwung aber am Monatsende.
- Osteuropa: Der Osteuropäische Index wies für den Juli die mit Abstand beste Performance der hier betrachteten Märkte auf. Nach einem leichten Knick in der Mitte des Monats setzte er zu einer fulminanten Rally an, welche vor allem durch die übergewichteten Finanz- und Rohstoffwerte getrieben wurde.
- Welt: Der MSCI World Index schloss den Juli mit einem negativen Monatsergebnis, das sich zwischen den Hauptregionen USA und Europa einpendelte.
Ausblick – Wer kein Cash braucht, sollte nicht aussteigen
In allen Märkten wurden, verglichen mit den Ergebnissen vom Juli 2007, die erwarteten Firmen-Ergebnisse zurückgenommen. So wurde zu Beginn Juli letzten Jahres noch für 49% der US-Unternehmen (47% Europa) eine positive Gewinnentwicklung prognostiziert, heute für (immerhin) noch 38% (Europa 35%). Die sinkenden GDP-Prognosen, die Liquiditätsbedürfnisse sowie ein mit Unsicherheiten verbundener Ausblick (Konsumentenverhalten, Inflation, Rohstoffpreise etc.) bewirkten, dass die Aktienmärkte in den letzten 12 Monaten Verluste zwischen 15% und 27% erlitten. Schaut man sich anderseits die Bewertungen von börsenkotierten Unternehmen an, so sieht das Bild nicht so düster aus. Im Vergleich zu den Bond Yields sowie aus der Sicht der abdiskontierten erwarteten Cashflows (DCF), der Price-Earnings und der Price to Book Ratios scheint der «Investment Case Aktien» in allen Regionen intakt. Es fehlt aber derzeit an genügend Investoren, die bereit sind, neues Geld in den Aktienmarkt zu investieren. Dadurch könnte eine Kehrtwendung der Märkte herbeigeführt werden. Die meisten Investoren warten aber auf positive News zu den Hauptsorgen (Konsumenten, Inflation, Rohstoffpreise). Zweifelsohne dürfte ein Anziehen als erstes in den USA erfolgen. Wer investiert ist und keinen Cashbedarf hat, sollte deshalb nach unserer Meinung heute nicht aus Aktien guter Unternehmen aussteigen, sondern selektiv und in kleinen Schritten einen Ausbau der Aktienanlagen in Erwägung ziehen.
II. Analyse Size
Teilweise Erstarkung der Large-Caps, aber meist mit negativen Vorzeichen
Gemessen an den Kapitalisierungsindizes hat sich im Juli ein Sonderfall Schweiz herausgebildet. Während in den übrigen hier betrachten Märkten sowohl die Large-Caps als auch Small- und Mid-Caps eine negative Monatsentwicklung aufwiesen, weist die Schweiz eine positive Performance der grosskapitalisierten Aktien auf Monatsbasis wie auch eine Outperformance gegenüber den kleinkapitalisierten innerhalb Jahresfrist auf. Auch der europäische Large-Cap-Index konnte im Monatsvergleich die Small- und Mid-Caps schlagen. In den übrigen Regionen dominierten im vergangenen Monat die Small- und Mid-Caps.
- Schweiz: Die Schweizer Large-Caps konnten ihre Negativserie beenden und überflügelten die klein- und mittelkapitalisierten Aktien deutlich. Auch auf Jahresbasis stehen sie nun solider dar.
- USA: Die Performance der amerikanischen Small- und Mid-Caps wie auch der Large-Caps war im Juli zwar negativ, jedoch unterschieden sie sich nicht wesentlich voneinander. Im Jahresvergleich liegen die klein- und mittelkapitalisierten Titel trotz eines mehr als halb so kleinen Verlusts immer noch deutlich vor den Large-Caps.
- Europa: Die europäischen Large-Caps konnten im vergangenen Monat Terrain gegenüber den Small- und Mid-Caps gut machen. Sie weisen jedoch auf Jahresbasis nach wie vor die schlechteste Performance im internationalen Vergleich in dieser Kategorie auf. Zudem bildet Europa mit dem beträchtlichen Verlust der klein- und mittelkapitalisierten Aktien in beiden Kapitalisierungskategorien das Schlusslicht (in den entwickelten Märkten).
- Japan: Die Japanischen Small- und Mid-Caps erlitten im Kategorienvergleich die kleinsten Verluste von allen betrachteten Regionen, wobei die Large-Caps nur marginal schlechter abschnitten. Im Jahresvergleich stehen die japanischen Large-Caps im internationalen Kontext an der Spitze.
- Osteuropa : Die enorme Divergenz zwischen den Large-Caps und Small- und Mid-Caps in Osteuropa bleibt bestehen, obwohl die klein- und mittelkapitalisierten Aktien ein wenig aufholen konnten. In beiden Segmenten wurden die grössten Monatsverluste in den hier betrachten Märkten eingefahren. Die osteuropäischen Large-Caps verloren dadurch ihre Vormachtstellung auf Jahresbasis, welche die Small- und Mid-Caps im negativen Bereich aber immer noch inne haben.
- Welt: In einer aggregierten weltweiten Betrachtung erzielten die Small- und Mid-Caps im Juli gegenüber den Large-Caps wiederum eine leichte Outperformance. Für beide Segmente ist allerdings die Monatsrendite negativ. Beim Jahresvergleich stehen weiterhin die klein- und mittelkapitalisierten Aktien besser da als die grosskapitalisierten.
Analyse und Ausblick – Small- und Mid-Caps nur mittelfristig zu empfehlen
Die Bewertungen der Aktien sind seit dem Sommer 2007 gesunken, in den USA (auf Basis Price Earnings) um rund 15% für die Large Caps und rund 25% für die Small- und Mid-Caps. Die Deltas liegen in Europa sowohl für Large- wie auch Small-Caps bei über 30%. In Japan sieht das Bild nicht an-ders aus. Bewertungsseitig (PE) haben sich Large-, Small- und Mid-Caps stark ange-nähert. Large-Caps sind aber noch in allen Regionen gesamthaft betrachtet attraktiver bewertet. Das Preismomentum, nur für die letzten 9 Monate betrachtet, war für europäische und japanische Large-Caps besser, während in den USA Small- und Mid-Caps ein besseres Preismomentum hatten. Hinsichtlich Gewinn-Momentum, haben sich Large-Caps in den USA, in Eu-ropa und Japan besser gehalten. Wir sind der Meinung, dass die Liquiditätsrisiken von kleiner kapitalisierten Unternehmen nicht genügend in die Preisfindung eingeflossen sind. Wir bleiben deshalb bei einer Unter-gewichtung der Small- und Mid-Caps in allen Regionen und einem Gewichtsver-hältnis von ca. 80% Large- und 20% Small- und Mid-Caps.
III. Analyse Style
Value meldet sich eindrücklich zurück – Growth kann sich in Europa behaupten
Im Juli büsste vor allem das Quality-Segment seine dominierende Vormonatsstellung ein. Daraus resultiert, gemessen an der Jahresperformance, ein weniger einheitliches Bild als noch vor Monatsfrist. Quality dominiert noch deutlich in den USA. Growth weist hingegen in Europa das bisher beste Jahresergebnis auf, und Value triumphiert in Japan. In den übrigen Märkten teilen sich Quality, Growth oder Value je nach Kapitalisierung die Leaderposition. Auf Monatsbasis war Value der stärkste Anlagestil in den meisten Märkten. Einzig in der Schweiz und in Europa führte Growth bei den Large-Caps, wohl angetrieben durch wieder erstarkte zyklische Werte, das Tableau an.
- Schweiz: In der Schweiz schnitt Growth im Large-Cap Segment zum zweiten Mal hintereinander am besten ab und konnte den erlittenen Rückschlag des Vormonats just wieder gut machen. Bei den klein- und mittelkapitalisierten Aktien schlug der Value-Anlagestil Growth, allerdings mit einem relativ kleinen Abstand. Auf Jahresbasis übernahm Growth die Spitzenposition von Quality bei den Large-Caps. In den klein- und mittelkapitalisierten Aktien ist Value nach wie vor Growth überlegen.
- USA: In den USA konnte Value im Juli für die Small- und Mid-Caps eine positive Performance erzielen. Quality und Growth erreichten bei den klein- und mittelkapitalisierten Aktien ebenfalls einen positiven, wenn auch kleineren Wertzuwachs. Im Jahresrückblick liegt Quality immer noch bei beiden Kapitalisierungssegmenten vorne, gefolgt von Growth. Value verringerte aber mit dieser guten Monatsperformance den Abstand und übertrifft nun die Jahresperformance von Growth bei den Small- und Mid-Caps.
- Europa: In Europa konnte kein Anlagestil eine positive Monatsperformance erzielen. Den geringsten Verlust zeigten die grosskapitalisierten Growth-Titel. Bei den Small- und Mid-Caps erzielte Value den kleinsten Verlust. Quality musste in beiden Kapitalisierungsklassen die grössten Verluste hinnehmen. Dies hat zur Folge, dass Growth sowohl bei den gross- wie auch klein- und mittelkapitalisierten Aktien die Jahresperformance anführt.
- Japan: In Japan dominierte im Juli Value als Anlagestil bei Large- wie auch bei den Small- und Mid-Caps. Quality-Aktien wurden in derselben Zeitperiode am meisten «abgestraft». Im Jahresrückblick weist Value die geringsten Verluste im Large-Cap-Segment auf. Bei den klein- und mittelkapitalisierten Aktien liegt Quality weiterhin mit klarem Abstand vorne.
- Osteuropa : In Osteuropa behielt Value seine traditionelle Vormachtstellung. Allerdings erzielte Quality im Juli bei den Large-Caps die beste Performance bzw. die kleinsten Verluste. Bei den Small- und Mid-Caps war es Value. Auf Jahresbasis führt aber Value die Rangliste an, und dies für alle Kapitalisierungs-Segmente.
- Welt: Die globale Ebene widerspiegelt die generelle Erstarkung des Value-Anlagestils im Juli. Value büsste in allen Kapitalisierungssegmenten am wenigsten ein. Quality hingegen musste die schlechteste Monatsperformance hinnehmen und als Folge davon auch seine Führungsposition gemessen an der Jahresperformance an Growth im Large-Cap-Segment abgeben. Bei den Small-Caps liegt dank der guten Entwicklung im Juli Value voraus.
Analyse und Ausblick – Quality und Value
Quality ist stärker von den Sektoren Basic Resources und Energie, Value mehr von den Sektoren Finanz, Homebuilders und zum Teil auch Basic Resources/Energie beeinflusst. Growth ist von diesen Branchen weniger betroffen und war deshalb wahrscheinlich in der vergangenen Periode auch stabiler. Im heutigen Wirtschaftsumfeld sollte der Investor trotz allem dem Quality-Style folgen und in erster Linie den Fokus auf qualitativ hochwertige Value-Unternehmen richten. Mit Rücksicht auf Risikoüberlegungen scheint es allerdings ratsam, die unsichersten bzw. volatilsten Sektoren weniger zu gewichten.
CE Asset Management AG
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