Der September führte schmerzlich vor Augen, dass die Krise auf den Finanzmärkten noch lange nicht ausgestanden zu sein scheint.
I. Analyse Gesamtmarkt
Die Unsicherheit ist gross
Panik, Liquiditätsprobleme und konjunkturelle Sorgen waren die dominierenden Faktoren, welche die Märkte belasteten. Konnte die allgemein erwartete Verstaatlichung der beiden US-Immobilienfinanzierer zu Beginn des Monats eine gewisse Beruhigung in die Märkte bringen, spitzte sich die Situation Mitte Monat erneut zu, als sich Lehman Brothers und AIG aus der finanziellen Notsituation nicht mehr selber befreien konnten und Konkurs gingen bzw. staatlich unterstützt werden mussten. Auch die verbleibenden beiden Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley gaben ihren Status mit dem Antrag auf eine normalen Bankenlizenz auf, womit eine Ära nach über 70 Jahren zu Ende ging. Das angekündigte Rettungspaket der US-Regierung löste dann gegen Ende des Monats ein fulminantes Kursfeuerwerk rund um den Globus aus, das allerding von kurzer Dauer war. Die Diskussionen über die Modalitäten und dann die vorläufige Zurückweisung durch den US-Kongress liessen die Börsen erneut in die Tiefe stürzen.
- Schweiz: Der SPI schloss mit dem geringsten Monatsverlust der hier betrachteten Länderindizes. Neben den Finanzwerten waren es vor allem die konjunktursensitiven Firmen, welche unter der vorherrschenden wirtschaftlichen Lage litten. Auf der anderen Seite wirkten die nicht-zyklischen Konsumgüterhersteller stabilisierend.
- USA: Der amerikanische S&P 500 Index brach gegen Ende des Monats richtiggehend ein. Die Umwälzungen im Finanzsystem dominierten das Geschehen an den Börsen weltweit. Erstaunlicherweise zählen Finanzinstitute, welche nicht übernommen wurden oder Konkurs gingen, zu den Gewinnern im September. Auf der anderen Seite belasteten Technologie- und Kommunikationstitel den Index.
- Europa: Der Stoxx 600 Index für den europäischen Markt musste im September den grössten Monatsverlust in diesem Jahr hinnehmen. Die negativen US-Vorgaben belasteten die Finanztitel stark, aber auch die Bergbau- und Stahlgesellschaften litten unter den sinkenden Rohstoffpreisen. Der sinkende Ölpreis konnte keinen positiven Einfluss ausüben und brachte im Gegenteil die Ölförderer in Bedrängnis.
- Japan: Der japanische Markt litt im September im besonderen Masse. Die grössten Verluste auf Grund der abkühlenden Konjunktur mussten die Transportgesellschaften und Autobauer hinnehmen. Viele japanische Firmen nutzten aber auch die tiefen Aktienpreise, um eigene Aktien zu kaufen, was einen noch tieferen Fall dämpfte.
- Osteuropa: Zum zweiten Mal in Folge wies der osteuropäische Index für September die mit Abstand schlechteste Monatsperformance aus. Dabei schlug sich erneut die Übergewichtung von Rohstoff- und Finanztitel im Index negativ aus.
- Welt: Der MSCI World Index schloss den September wieder an der Spitze ab. Die Hauptursache dafür ist nicht neu. Der mit fast 50% im Index gewichtete Dollar konnte gegenüber dem Euro auch im September deutlich zulegen. Dank diesem Währungseffekt notiert der Index an der Spitze des Tableaus.
II. Analyse Size
Abverkäufe in allen Kapitalisierungsklassen. Large-Caps halten sich tendenziell besser.
Der September war von deutlichen Verlusten in allen Regionen und Kapitalisierungsklassen geprägt. Zurückführen lässt sich diese Entwicklung auf die bereits erwähnten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten. Anders als in vorherigen Krisen gehören Small- und Mid-Caps diesmal auch nicht mittelfristig zu den Profiteuren der Unsicherheit. Abverkäufe scheinen in allen Kapitalisierungsklassen stattzufinden. Mit Ausnahme von Japan und Osteuropa konnten sich Large-Caps tendenziell besser halten als Small- und Mid-Caps. Dahinter mag das Sicherheitsempfinden vieler Investoren stecken, die bei Large-Caps eine geringere Konkurswahrscheinlichkeit vermuten. Spätestens seit dem Untergang von Lehman Brothers wird jedoch klar, dass beinah niemand «too big to fail» ist.
- Schweiz: Sowohl Schweizer Large-Caps als auch Schweizer Small- und Mid-Caps haben im September deutlich an Performance eingebüsst. Im Monatsvergleich konnten sich Large-Caps leicht besser behaupten als Small-Caps. Auch im Jahresvergleich liegen die Unternehmen mit hoher Kapitalisierung vorne.
- USA: Wie in der Schweiz liegen auch in den USA Large-Caps vor Mid- und Small-Caps, allerdings nur knapp. Im Jahresvergleich liegen die kleinen Unternehmen allerdings weiterhin deutlich vor den Grosskapitalisierten, aktuell mehr als sieben Prozentpunkte.
- Europa: In Europa haben sich Small-Caps gegenüber Large-Caps deutlich schwächer entwickelt. Die Unterperformance für September beträgt dort mehr als fünf Prozentpunkte. Im Jahresvergleich liegen Large-Caps einen Prozentpunkt vor Small- und Mid-Caps.
- Japan: Die japanischen Size-Segmente weisen ebenfalls hohe Monatsverluste auf. Small-Caps konnten sich sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich allerdings leicht besser als Large-Caps behaupten.
- Osteuropa: Neben Japan konnte auch in Osteuropa eine für Small-Caps bessere Septemberperformance beobachtete werden. Sowohl Large-Caps als auch Small- und Mid-Caps sind jedoch deutlich im negativen Bereich. Im Jahresvergleich liegen Large-Caps vorne, allerdings sind auch hier die Verluste beträchtlich.
- Welt: Bei aggregierter globaler Betrachtung wurde im September die mehrmonatig andauernde Outperformance von Small-Caps gegenüber Large-Caps gebrochen. Trotz deutlicher Verluste liegen Small-Caps im Jahresvergleich allerdings weiterhin vor Large-Caps.
III. Analyse Style
Von Unsicherheit und Uneinheitlichkeit geprägte Märkte. Quality und Value tendenziell mit geringeren Monatsverlusten.
Wie bereits im Abschnitt über den Gesamtmarkt angesprochen, waren die internationalen Märkte von starker Unsicherheit geprägt. In bewegten Märkten treten fundamentale Aspekte gegenüber psychologisch gesteuerten Investitionsentscheidungen tendenziell in den Hintergrund. Dementsprechend uneinheitlich war im September die Entwicklung von Styles.
- Schweiz: Bei Schweizer Large-Caps mussten im September alle Styles Verluste hinnehmen. Value konnte die geringsten Verluste verzeichnen, gefolgt von Growth und Quality. Bei Small-Caps liegen im September Value und Growth praktisch gleichauf. Eine positive Outperformance erzielten im September teuer bewertete Nicht-Qualitätstitel, die sich auch bereits im Jahresvergleich gut geschlagen haben. Ansonsten ist im Jahresvergleich, Large-Caps Growth immer noch vor Value und Quality und bei Small- und Mid-Caps Growth vor Value.
- USA: In den USA zeigt sich ein zur Schweiz ähnliches Renditemuster. Bei Large-Caps lag im September Value vor Growth und Quality, bei Small-Caps lag ebenfalls Value vorne, allerdings folgten erst Quality und dann knapp dahinter Growth. Wenngleich im September günstige Non-Quality ebenfalls gute Ergebnisse erzielte, macht der Jahresvergleich deutlich, dass Amerika für 2008 ein Quality Markt ist. Sowohl bei Large- als auch bei Small- und Mid-Caps weist das Quality-Segment die robusteste Performance auf.
- Europa: In Europa waren im September alle Styles deutlichen Verlusten ausgesetzt. Value büsste dabei bei Large-Caps am wenigsten ein, gefolgt von Growth und Quality. Auch teuer bewertete Non-Quality Titel konnten sich vergleichsweise gut behaupten. Bei Small-Caps verzeichnet Quality die geringsten Verluste, gefolgt von Growth und Value. Im Jahresvergleich liegt allerdings sowohl bei Large-Caps als auch bei Small- und Mid-Caps Growth weiterhin vorne.
- Japan: Auch in Japan war die Style-Performance im September deutlich negativ. Bei Large-Caps liegt Value vorne, gefolgt von Quality und Growth. Teuer bewertete Non-Quality büsste im September ebenfalls nur vergleichsweise wenig ein. Bei Small- und Mid-Caps liegt Quality vorne, gefolgt von Value und Growth. Bei der Jahresrendite schneidet bei den Large-Caps Value und bei den Small-Caps Quality am besten ab.
- Osteuropa : Wie bereits angesprochen weist Osteuropa als Markt eine schwache Septemberperformance auf. Bei Large-Caps kann sich Quality am besten halten. Growth und Value verlieren deutlich mehr. Bei Small-Caps schlägt sich Value besser als Growth. Im Jahresvergleich liegt Quality sehr deutlich vor Growth und Value.
- Welt: Bei der weltweiten Entwicklung zeigt sich im September für Large-Caps ein leicht besseres Abschneiden von Value gegenüber Growth. Quality gibt deutlich nach. Bei Small- und Mid-Caps hält sich ebenfalls Value am Besten. Im Jahresvergleich muss Quality bei Large-Caps die Führung an Growth abgeben. Bei Small-Caps liegt Value vor Growth.
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