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  • 6. Juli 2008

    Happy End inklusive

    Happy End inklusive

    Viel Platz und ein grosses Angebot: Das Hotel Aviva in St. Stefan, Österreich. Viel Platz und ein grosses Angebot: Das Hotel Aviva in St. Stefan, Österreich. (Bild: NZZ am Sonntag)
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    In einem Single-Hotel in Österreich trifft man auf interessante Leute und manchmal aufs Glück

    Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis es zum «ersten Single-Hotel Europas» kommen musste. Laut Statistik dauern Beziehungen in der Altersstufe zwischen 25 und 49 derzeit noch fünf Jahre. Aber dass man dafür gleich ein eigenes Resort braucht?

    Lektion eins: Das Architekturwunder mit dem klingenden Namen Aviva im verträumten österreichischen Mühlviertel in der Nähe von Linz eignet sich nicht nur für einen Alleinreisenden, sondern für viele Konstellationen: für ein Beauty-Wochenende mit Freundin. Für durchwanderte Tage in der Natur mit dem platonischen Verehrer, der hinreissend diskutieren kann, nur aus ästhetischen Gründen nie in Frage käme. Und für eine kurze Auszeit allein eignet es sich auch. Das war schliesslich mal der Ur-Ansatz von Direktor Franz Engleder. Weil sein Schwager ganz in der Nähe ein Romantik-Hotel hat, das seit Jahren von glücklichen Paaren überrannt wird, entschloss sich der gelernte Hotel-Kaufmann Engleder, es mit einem ähnlichen Konzept zu versuchen – nur seitenverkehrt ausgerichtet: Und was kommt vor dem Paar-Zustand? Genau! Jene Lebensform, in der man leider viel zu oft am Katzentisch placiert wird, nur um hinterher in einem Einzelzimmer zu verschwinden, «das zu gross ist für die Besenkammer – aber zu klein für ein Doppelbett», wie Engleder grinsend sagt. Diesen Verhältnissen wollte er eine Atmosphäre entgegensetzen, die Platz und Licht bietet. Und zwar für jeden. So schauen in seinem neuen Hotel alle 100 Einzelzimmer nach Süden. Jedes hat einen Balkon, und von da geht der Blick in ein lieblich gewelltes Tal, das die Toskana plötzlich gar nicht mehr so einmalig erscheinen lässt.

    Ein Fisch im Zimmer

    Die Betten sind gross genug, dass man sich bei Bedarf auch zu zweit drin kuscheln kann, das Bad nur durch eine grosse Glaswand vom Zimmer getrennt. Und damit sich der Neuankömmling auch nicht einsam fühlt, wird er von einem Singlefisch im Aquarium begrüsst. Vermutlich hätte der Schmäh des Rezeptionisten unten auch gereicht. Beim Fünf-Gang-Dinner am «Kommunikationstisch» herrscht allerdings die Meinung vor, dass der Fisch guttut. Die dicke Diskotheken-Besitzerin – Ende 20 und aus der Nähe von Köln – findet, dass «wir Singles schon alle einen leichten Schlag haben, da kann ein Fisch nicht schaden». Worauf die vierzigjährige Psychologin aus Wien entgegnet, dass es «den typischen Single» ja gar nicht gibt. Weshalb das Haus neuerdings «Singleroom-Resort» heisst.

    Viel wichtiger als der Name aber ist, dass man sich hier einmal ein ganzes Wochenende lang erinnern kann, wie intensiv Raps riecht. Dass man mit dem Jäger von St. Stefan auf den Hochsitz steigen darf. Auf weissen Aviva-Mountainbikes über die Hügel keuchen oder mit der Miet-Harley das weitere Mühlviertel unsicher machen kann. Um später wieder in dem riesigen Wellness-Bereich oder in den Hollywoodschaukeln und Hängematten rund um den Gartenpool zu entspannen. Wirklich, an alles wurde gedacht. Die Drinks in der Bar sind gelungen, die Gespräche beim Absacker aufschlussreich. Von acht Personen am Tisch haben sieben schon Erfahrung mit Online-Börsen gesammelt. Die Männer schwören, dass fast alle Damen beim Alter oder bei den Fotos schummeln. Und die Frauen kritisieren, Männer würden sich in ihren Anschreiben zu wenig Mühe geben. Immer nur Standard. Immer nur «Hallo schöne Unbekannte, würde dich gern kennenlernen.» Die Psychologin hat zurückgefragt: «Wie oft hast du den Text eigentlich schon verschickt?» Keine Antwort! Aber jetzt hat sie sich morgen erst einmal mit dem netten Agraringenieur zum Joggen verabredet. Und während die arme Kölnerin von einem einheimischen Sugar Daddy umgarnt wird, diskutiert der Nachbartisch die spannende Frage, was Männer aus Harmoniebedürfnis verdrängen.

    Unerwartet kommt oft

    Am nächsten Abend sind 22 neue Gäste eingetroffen, die sich aber nicht an den Gemeinschaftstisch wagen. Selbst schuld! Sitzen nämlich recht traurig drüben an ihren Einzeltischen. Am grossen Tisch ist da noch eine Sekretärin mit Dauerwelle und Schlauch-Kleid, die binnen sechs Wochen schon zum zweiten Mal aus dem Burgenland angereist ist. Die Ilse hat beim ersten Mal nämlich jemanden kennengelernt. Einen Einheimischen. Es geht hier fast schon ein bisschen zu wie auf Kur. Man fragt: Was hast du den ganzen Tag getrieben? Welche Anwendungen, welche Wanderungen?

    Natürlich funkt es immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet. «Wir hatten mal eine Business-Frau da», erzählt der Hoteldirektor, «die bat um einen Einzeltisch, weil sie einfach ausspannen wollte.» Gleich beim ersten Abend hat sie sich im Spa den Knöchel verstaucht – und brauchte einen Arzt. Der war so erfolgreich, dass sie am selben Abend noch an seinen Einzeltisch umgezogen ist. Seitdem sind sie zusammen. «Das ist bestimmt nicht das einzige Happy End», berichtet Engleder stolz. «Das soll aber nicht heissen, dass wir hier ein 50:50-Verhältnis garantieren können – oder nur Traumpartner als Gäste haben.» Die meisten sind normale Singles. Wie du und ich. Lisa Stocker

    Das Hotel auf einen Blick

    Das Hotel auf einen Blick

    Anreise:

    Zwei tägliche Nonstopflüge von Montag bis Donnerstag sowie eine Wochenend-Verbindung (Freitag/Sonntag) bietet die Fluggesellschaft Robinhood zwischen Linz und Zürich. Einfache Strecke ab 153 Franken. Infos: www.robinhood.aero, Tel. 0043 316 292 966. Von Linz aus geht es im Taxi oder Mietauto weiter, Die Fahrt dauert ca. 60 Minuten. Linz bietet an Regentagen eine ganze Reihe guter Museen (zum Beispiel das Lentos) sowie gute Einkaufsmöglichkeiten.

    Übernachten:

    Hotel Aviva, A-4170 St. Stefan am Walde, Tel. 0043 7216 376 00, und www.hotel-aviva.at. Preis pro Nacht und mit Gourmet-Halbpension ab 158 Franken.

    Das Hotel bietet zahlreiche Wellness- und Beauty-Anwendungen. Ausserdem kann man Golf spielen, Mountainbike fahren und wandern – alleine oder noch besser in der Gruppe.

     


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