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  • 6. Juli 2008

    Feuerwehrleute als Brandstifter?

    Feuerwehrleute als Brandstifter?

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    Es gibt ihn, den Feuerwehrmann, der das Feuer selber legt. Und es gibt ihn gar nicht selten: «Wir haben immer wieder Fälle, in denen die Brandstifter Feuerwehrmänner sind», erzählt Marc Graf, ein forensischer Psychiater und ärztlicher Leiter an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel. «Oft sind es eher randständige Personen, die als Feuerwehrmann eine gewisse Anerkennung erfahren.» Als Mitglied der Feuerwehr seien sie ein Stück weit integriert. «Das Problem aber ist: Sie wollen mehr, sie möchten gerne Helden sein.» Legen sie ein Feuer selbst, sind sie am schnellsten einsatzbereit – und ernten Lob und Wertschätzung.

    Laut Marc Graf gibt es drei weitere Kategorien, denen Brandstifter mit psychischen Störungen oder Krankheiten zugeordnet werden. Manche Brandstifter sind geistig Behinderte: «Ihnen geht es darum, Aufmerksamkeit zu erregen.» Oft seien sie «Zündler» und sich der Gefährlichkeit ihrer Taten nicht bewusst. Der «dissoziale Brandstifter» hingegen, der auch andere Delikte verübt, legt aus Wut oder aus einer Frustration heraus Feuer. Ohne Rücksichten. So setzt ein Einbrecher beispielsweise ein Haus in Brand, weil er mit der vorgefundenen Beute nicht zufrieden ist. Nicht selten begeht ein Brandstifter im Laufe seiner kriminellen Karriere immer schwerere Delikte – wie die sogenannte Parkhausmörderin, die vor ihren Tötungsdelikten zahlreiche Brände legte.

    Und es gibt den psychisch kranken Pyromanen. Er ist vom Feuer fasziniert. «Bei einer Brandstiftung kann jemand mit kleinem Aufwand sehr viel bewirken», erklärt Marc Graf. «Das verleiht Macht – gerade einem Menschen, der sich ohnmächtig fühlt.» Pyromanen entwickelten eine Perversion, um ihre eigene Ohnmacht in Macht umzukehren. «Sie wollen nicht länger der Hampelmann sein, sondern die Fäden für einmal selbst in der Hand halten.» Oft beobachten Pyromanen den Brand und verfolgen die mediale Berichterstattung. «Für sie ist es das Grösste, wenn in der Zeitung ein Bild ihres Brandes erscheint.» Pyromanen sind psychotherapeutisch schwierig zu behandeln. Sie verspüren bei der Tat ein Hochgefühl – manche werden durch die Tat sexuell erregt.

    Brandserien sind oft psychisch kranken Tätern zuzuordnen. Die Mehrzahl der Brände werden jedoch aus ganz anderen Motiven von gesunden Tätern gelegt: Um die Versicherung zu betrügen, um Spuren eines Einbruchs oder eines Tötungsdelikts zu zerstören.

    In den letzten Jahren ist die Zahl der polizeilich registrierten Brandstiftungen in der Schweiz kontinuierlich gestiegen. Der Trend scheint sich fortzusetzen: So hat die Kantonspolizei Bern für das erste Quartal 2008 bei den Brandstiftungen eine Zunahme um 40 Prozent vermeldet. Brandstiftung ist laut Strafgesetzbuch eine «gemeingefährliche» Tat. Sie kann mit langjährigen Zuchthausstrafen und gar mit Verwahrung bestraft werden. Von den 199 geistig abnormen verwahrten Straftätern in der Schweiz sind 12 wegen Brandstiftung verwahrt. (cbb.)

     


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