Donnerstag, 21. August 2008, 23:41:00 Uhr, NZZ Online
Cls. (New York) Die beiden grossen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac bleiben in den Schlagzeilen und sorgen weiterhin für Aufregung. Branchenanalytiker erwarten bei den staatlich geförderten Instituten steigende Kreditverluste, was die beiden auch gar nicht abstreiten. Eine Analyse der Investmentbank Lehman Brothers kam ausserdem zum Schluss, dass Fannie und Freddie mit Blick auf eine neue Buchführungsregel für ausserhalb der Bilanz gehaltene Anlagen (FAS 140) einen zusätzlichen Kapitalbedarf von zusammen sage und schreibe 75 Mrd. $ haben könnten. Die Börsenkurse sackten zum Wochenauftakt auf ein 16-Jahre-Tief ab. Am Dienstag erholten sie sich zunächst um 7% (Fannie) bzw. 9% (Freddie), nachdem die Aufsichtsbehörde Ofheo die Analyse von Lehman als Unsinn abgetan und die Kapitalisierung als angemessen bezeichnet hatte. Später setzte sich der Sinkflug an der Börse allerdings fort. Innert Jahresfrist haben Fannie und Freddie 78% bzw. 82% an Marktwert verloren; die Anleger sind in dieser Zeit um 90 Mrd. $ ärmer geworden. Hatte man beim Ausbruch der Subprime-Krise noch gedacht, dass die «soliden» Refinanzierer, die zusammen mit ihren Portefeuilles und Garantien fast die Hälfte des Gesamtmarktes von 12 Bio. $ dominieren, kaum betroffen seien, so haben diese seither Verluste von zusammen über 12 Mrd. $ ausgewiesen. Beide rechnen noch mit einer Verschlechterung am Häusermarkt. Die Preise fallen weiter, und die Zahl der Zwangsvollstreckungen ist im Mai gegenüber dem Vorjahr um 48% gestiegen.
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