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  • 6. Juli 2008, 22:45, NZZ Online

    Verlorenes Paradies

    Verlorenes Paradies

    Schwerer Moment Rogers Federers nach der Niederlage gegen Nadal

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    Der Schweizer Roger Federer bleibt der schmerzhaften Niederlage gegen Rafael Nadal am Sonntag in Wimbledon zum Trotz vorderhand noch die Nummer 1 der Welt. Moralischen Anspruch darauf darf er indes nicht mehr erheben. Der derzeit klar stärkste Tennisspieler ist der Spanier.

    Von Urs Osterwalder

    Wie im siebenten Himmel fühlte sich Roger Federer, als er 2003 erstmals eine Grand-Slam-Trophäe in Händen hielt – erst noch an dem Turnier, das er von Kindsbeinen an als sein bevorzugtes bezeichnet hatte. Damals betrat er auf dem Centre-Court des All England Club quasi das Paradies, auch wenn er es zunächst wegen der Tränen der Rührung in den Augen gar nicht richtig erkannte.

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    Als sein Wohnzimmer hatte einst Boris Becker diese Arena bezeichnet, obwohl der Deutsche hier nur dreimal gewann. So weit, hier im reichen und distinguierten Klub irgendwelche Besitzansprüche anzumelden, ging Federer während seiner Regentschaft nie. Er blieb stets bescheiden auf dem Boden, im Wissen darum, dass der paradiesische Glückszustand jäh beendet sein könnte.

    Aber er verlängerte ihn Jahr für Jahr – auf stets überzeugende Art, mit einer Dominanz, wie sie einst Pete Sampras oder Björn Borg ausgespielt hatten. Gleichwohl war Federer immer bewusst, wie wenig es braucht für das Ende der Pracht – eine schlechte Tagesform, ein Gegner, der über sich hinauswächst. Wie Figura zeigte, genügten in einem Kräftemessen auf Höchstniveau ein paar nicht verwertete Breakchancen, ein um eine Nuance weniger guter Service, und schon herrscht ein anderer im Reich der Rackets und der Filzkugeln.

    In der von Europäern beherrschten Sportart (erstmals waren in den Wimbledon-Viertelfinals Athleten vom alten Kontinent unter sich) drang der junge mallorquinische Sandplatzkönig Rafael Nadal am Sonntag mit einer überzeugenden Vorstellung in die Rasen-Domäne des Schweizers ein, der bisher auf allen Unterlagen Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, zwölf an der Zahl, nur nicht auf Clay Courts.

    Wie nicht anders erwartet, erwies sich Roger Federer auch im schweren Moment der Verweisung aus dem Paradies als Vorbild. Er anerkannte, dass der Gegner auf Gutes häufig mit Phantastischem reagiert hatte.

     

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