Freitag, 21. November 2008, 22:04:36 Uhr, NZZ Online
cid. Am Wochenende beginnt sie, die Jagd der Schweizer Leichtathleten nach den Olympialimiten. Die Jagdsaison startet dieses Jahr am Pfingstsamstag und endet am 20. Juli. Das ist recht lange. Und doch für viele wohl nicht lange genug. Mit sechs bis acht Athletinnen und Athleten rechnet Peter Haas, der Chef Leistungssport von Swiss Athletics. Im Gegensatz zu Weltmeisterschaften kann der Verband die Limiten für Olympische Spiele allerdings nicht selber festlegen, sondern muss sich wie alle nationalen Fachverbände an die Richtlinien des nationalen Olympischen Verbandes halten.
Als Grundlage für die Limiten dienten deshalb die Selektionskriterien von Swiss Olympic, wonach nur Schweizer Sportler mit Chancen auf einen Top-10-Platz nach Peking reisen sollen. «Man ist der Leichtathletik aber insofern entgegengekommen, als eine Klassierung unter den besten 16 als Grundlage für die Limite gilt», sagt Haas. In den Läufen bedeutet das eine Halbfinal-Qualifikation. Das Ziel von Swiss Athletics war es sodann, von früheren Selektions-Richtlinien abzukommen, die sogar für manch Direktbeteiligten zu kompliziert und kaum nachvollziehbar waren. Will heissen: Wer in der Selektionsperiode einmal die Limite erreicht, darf die Koffer für die Reise in den Fernen Osten vermutlich packen. Die Limite ist dabei meist gleichbedeutend mit dem A-Wert des Internationalen Leichtathletikverbandes, also jener Limite, die auch für Weltmeisterschaften erfüllt sein muss, wollen sich mehr als drei Athletinnen und Athleten pro Disziplin qualifizieren.
Damit entfällt die während vieler Jahre verlangte Leistungsbestätigung in Form eines zweimaligen Erreichens der Limite ebenso wie die verschiedentlich gemachte Auflage, die Limite nur an einem von fünf im Vorhinein bestimmten Meetings erfüllen zu können. Damit, so wurde früher argumentiert, sei der Beweis erbracht, dass jemand in der Lage ist, den Formhöhepunkt auf den richtigen Augenblick hin zu planen. Das heisst aber auch, dass die Vorgaben für eine Olympiaqualifikation dergestalt viel einfacher zu erfüllen sind als noch vor acht Jahren im Hinblick auf Sydney für eine damals notabene sehr erfolgreiche olympische Leichtathletik-Delegation. Dass eine eigentliche Limitenjagd droht, glaubt Haas trotzdem nicht: «Es kommen realistischerweise nur sehr wenige Athletinnen und Athleten für Olympia in Frage; sie alle arbeiten ausschliesslich mit äusserst erfahrenen Trainern zusammen.»
Doch auch wenn es nicht zu Limitenjagden kommt, sei vor zu optimistischen Erwartungshaltungen bezüglich Olympia gewarnt, denn mit einer Qualifikation für die Olympischen Spiele, also mit dem Erfüllen des internationalen A-Wertes, ist eine Klassierung in den Top 16 noch längst nicht garantiert. Sogar dann nicht, wenn die Leistung im entscheidenden Augenblick in Peking bestätigt werden kann. Schliesslich reichte beispielsweise der A-Wert über 200 m, die verlangten 20,59, schon an den Spielen 1996 in Atlanta nicht für eine Halbfinal-Qualifikation. Bis auf den bereits qualifizierten Viktor Röthlin, den Marathon-Dritten der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2007 in Osaka, hat wohl niemand eine realistische Chance auf einen Platz in den Top 10. Qualifikations-Vorgaben von Swiss Olympic hin oder her.
Leser-Kommentare: 0 Beiträge