Donnerstag, 04. Dezember 2008, 07:31:30 Uhr, NZZ Online
4:1-Sieg der Schweizer Fussball-Auswahl im Testspiel gegen Zypern
Von Flurin Clalüna, Genf
Am Ende lächelte Ottmar Hitzfeld, die Stimmung im Stadion war entspannt und gut, nachdem sie lange eher unterkühlt gewesen war. Vonlanthen hatte in der 81. Minute dafür gesorgt, dass sich die 14'500 Zuschauer im Stade de Genève doch noch richtig amüsierten, den Querpass von Behrami hatte Abdi kunstvoll zwischen seinen Beinen passieren lassen, und Vonlanthen traf. 4:1 führten die Schweizer Fussballer, sie schenkten ihrem neuen Chef die Premierenvorstellung, die er sich gewünscht haben musste: einen deutlichen Sieg, der dem Start in die neue Ära noch mehr Wohlwollen beschert, als es der blosse Name von Trainer Ottmar Hitzfeld ohnehin schon tut. Die Schweizer spielten effizient, sie waren nach Standards gefährlich. Und einige Probables wie zum Beispiel Stocker bewiesen, dass sie auch in Zukunft für Hitzfeld interessant sein dürften. Das sind Erkenntnisse, die Hitzfeld mitnehmen kann.
Aber ein Testspiel bleibt ein Testspiel. Auch unter dem neuen Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Solche Partien bleiben schwierig einzuschätzen, sie gleichen sich oft, und nicht selten wird plötzlich überbewertet, was nicht überschätzt werden sollte – ein 4:1 gegen einen Gegner, der einem nicht allzu viel abverlangt hat, zum Beispiel. «Wir müssen uns erheblich steigern, wenn wir in Israel in der WM-Qualifikation bestehen wollen», sagte Hitzfeld nüchtern, der sich vor allem über das Resultat befriedigt zeigte.
Denn mindestens eine Halbzeit lang war das Spiel der Schweizer zwiespältig und fahrig geblieben, in der Vorwärtsbewegung hatten sie viele Ballverluste zu beklagen, die beiden Tore erschienen fast wie aus dem Gesamtzusammenhang gerissen. Es waren kleine Highlights in einem gemächlich fliessenden Strom. Stocker traf bereits in der 8. Minute per Kopf zum 1:0, nachdem Nkufo den Ball verlängert hatte. In der 27. Minute war es Yakin, der ebenfalls per Kopf das 2:0 erzielte, wieder war Nkufo der Vorbereiter gewesen. Sonst aber blieb vieles harmlos, geprägt von Schweizer Spielern, die sich auf Formsuche befinden. Inler lieferte vor allem in der Startphase das beste Beispiel dafür. Später konnte er sich steigern. Auch die Abwehr ist vermutlich noch nicht so zusammengestellt, dass sie über alle Zweifel erhaben wäre. Die wenigen gefährlichen Aktionen eines harmlosen Gegners haben dies offengelegt – so wie beim Gegentor in der 36. Minute, als Magnin die linke Abwehrseite geöffnet hatte. Der Stuttgarter musste unmittelbar danach mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden.
Das Freundschaftsspiel vom Mittwochabend gegen Zypern konnte vieles gar nicht sein: kein Charaktertest für die Schweizer Fussballer, weil die Zyprioten, sie nicht wirklich herausforderten. Kein Leistungsbild, weil viele Nationalspieler in der frühen Meisterschaftsphase noch ihren Rhythmus suchen. Und eigentlich auch kein Zukunftsbild der neuen Nationalmannschaft, weil Hitzfeld bereits angekündigt hat, dass das Team am 6. September zum Start der WM-Qualifikation gegen Israel ein verändertes Gesicht haben wird. Und irgendwann werden auch die Verletzten Frei, Streller und Senderos zurückkehren und Hitzfeld vor eine grössere Auswahl stellen.
Das Zeichen, das Hitzfeld an diesem Abend aussandte, war klar: Die Türen stehen grundsätzlich offen, unter ihm erhält man die Chance, sich zu zeigen und aufzudrängen. Der Trainer hat den Konkurrenzkampf eröffnet. Mit Goalie Jakupovic, Stocker und Nef standen drei Debütanten in der Startformation. Der 19-jährige Stocker erzielte nicht nur den Treffer zum 1:0, er war auf der linken Aussenbahn eine interessante Alternative zu den bekannten Namen, auch wenn er mit körperlichen Defiziten zu kämpfen hat. Auch Nef erzielte ein Tor – das 3:1. Auf der anderen Seite spielte Behrami so, wie er dies zuletzt im Nationalteam oft getan hatte – mit viel Tempo und Unberechenbarkeit. Auch der Basler Huggel zeigte eines seiner besten Länderspiele, seit er das Schweizer Nationaltrikot trägt.
Hitzfeld konnte es sich leisten, auf Barnetta zu verzichten. Was er an ihm hat, weiss er, ihn kennt er. Wäre es um Punkte gegangen, Barnetta hätte gespielt. Das sagt bereits alles darüber aus, dass es an diesem Abend vor allem darum ging, Hitzfeld ein Experimentierfeld zu eröffnen.
Stade de Genéve. - 14'500 Zuschauer. - Schiedsrichter: Ceferin (Slowenien). - Tore: 8. Stocker 1:0. 27. Yakin 2:0. 34. Makridis 2:1. 72. Nef 3:1. 81. Vonlanthen 4:1.
Schweiz: Jakupovic; Nef, Djourou, Grichting, Magnin (35. Spycher); Stocker (75. Vonlanthen), Huggel (85. Burki), Inler (62. Fernandes), Behrami; Yakin (62. Abdi); Nkufo (62. Derdiyok).
Zypern: Giorgallidi (53. Morphis); Nikolaou, Christou, Charalambous, Garpozis; Michail (53. Okkarides); Christofi (72. Alekou), Makridis, Charalambi (75. Maragkos), Aloneftis (67. Pavlou); Constantinou (50. Okkas).
Bemerkungen: Schweiz ohne Frei, Streller, Philipp Degen, Margairaz und Senderos (alle verletzt). Verwarnungen: 56. Behrami (Foul), 83. Makridis (Unsportlichkeit).
Am Mittwoch: Schweiz - Zypern in Genf 4:1 (2:1). Albanien - Liechtenstein in Tirana 2:0 (2:0). Japan - Uruguay in Sapporo 1:3 (0:0). Ukraine - Polen in Lwow 1:0 (1:0). Tunesien - Angola in Monastir 1:1 (1:0). Estland - Malta in Tallinn 2:1 (1:1). Finnland - Israel in Tampere 2:0 (1:0). Ungarn - Montenegro in Budapest 3:3 (1:1). Weissrussland - Argentinien in Minsk 0:0. Litauen - Moldau in Marijampole 3:0 (1:0). Norwegen - Irland in Oslo 1:1 (0:1). Russland - Niederlande in Moskau 1:1 (0:1). Rumänien - Lettland in Urziceni 1:0 (0:0). Türkei - Chile in Izmit 1:0 (0:0). Bosnien-Herzegowina - Bulgarien in Zenica 1:2 (0:1). Dänemark - Spanien in Kopenhagen 0:3 (0:0). Luxemburg - Mazedonien in Luxemburg 1:4 (0:3). Slowakei - Griechenland in Bratislava 0:2 (0:0). Slowenien - Kroatien in Maribor 2:3 (1:1). Italien - Österreich in Nizza 2:2 (1:2). Deutschland - Belgien in Nürnberg 2:0 (0:0). England - Tschechien in London 2:2 (1:1).
Am Dienstag: Australien - Südafrika in London 2:2 (2:1).
Blaise Nkufo:
Das Enigma
Schweiz U 21:
2:0-Sieg gegen Norwegen
Leser-Kommentare: 0 Beiträge