Donnerstag, 04. Dezember 2008, 08:29:28 Uhr, NZZ Online
2:1 auswärts gegen Vaduz im einzigen Samstagsspiel der Super League
Von Stephan Ramming, Vaduz
Just als um 19 Uhr 20 an diesem Abend für den FC Vaduz die Welt unterging, schickte die Sonne hinter dem Buchser Berg ihren letzten Strahl in den Rheinpark. Der Schiedsrichter pfiff ab, es wurde dunkel im Fürstentum, und einer der 1900 Zuschauer (Das Challenge-League-Spiel St. Gallen - Biel sahen zur gleichen Zeit 14'000 Personen) warf wütend sein Hütchen mit dem Logo des FC zu Boden. Sein Ärger war verständlich.
Denn es war kläglich, was die Gastgeber während achtzig Minuten mit einem Mann mehr geboten hatten. Zwar hatte der FC Vaduz am Ende nochmals mit Verzweiflung alles versucht. Aber Bellon, Sutter, Polverino oder Ritzberger vergaben. «Wir haben uns selbst geschlagen», sagte Heinz Hermann, der Trainer des FC Vaduz.
Die Enttäuschung Hermanns verwunderte nicht, denn der wunderliche Verlauf, den das Spiel genommen hatte, war vor allem wegen der Schwächen des Gastgebers zustande gekommen. Denn unter den Augen des Klubpräsidenten Christian Constantin, der mit Haaren und einer Sonnenbrille schwarz wie die Nacht breitbeinig im Rheinpark Platz genommen hatte, begann der FC Sion nervös.
«Wir waren am Anfang nicht auf dem Platz», sagte Uli Stielike, der Trainer im FC Sion. Einmal mehr schien sich im Spiel der Walliser die notorische Unlust zu manifestieren, auf fremden Plätzen die Initiative zu ergreifen. Der FC Vaduz dagegen wollte nach dem 0:4 in Basel im dritten Heimspiel etwas bieten. Nach zehn Minuten wurde er belohnt: Die versammelte Sittener Abwehr konnte den Freistoss Vitalis nicht aus dem Strafraum befördern – und Dzombic erzielte das 1:0.
Eine Minute später kam es noch besser für den FC Vaduz: Sittens Goalie El-Hadary wurde vom Platz gestellt, nachdem er den heranbrausenden Fischer vor dem Strafraum gefoult hatte. Trotz dem Vorsprung und der Überzahl gab der FC Vaduz jedoch das Spiel aus der Hand. In der 20. Minute liess der schwache Innenverteidiger Iten einen weiten Pass von Monterrubio passieren, Sittens Stürmer Adeshina hatte richtig spekuliert, düpierte Dzombic und liess Goalie Sommer keine Chance (20.). Monterrubio, der trotz seiner Verletzung erneut eine herausragende Vorstellung zeigte, erzielte in der 30. Minute die Führung: Seine flache Flanke glitt, weder von Freund noch Feind berührt, in die weite Ecke – 1:2, mit einem Mann weniger.
Dass die Sittener den Vorsprung während über einer Stunde zu verteidigen vermochten, lag an ihrer Kampfkraft und am guten Goalie Vailati – er rettete gegen Senna (58.) und Fischer (64.) mit Glanzparaden. «Anscheinend brauchen wir eine ausweglose Situation, um gut Fussball zu spielen», sagte Stielike. Nach der Heimniederlage gegen Bellinzona habe es «gebrannt», jetzt hoffe er, den Anschluss an die Spitze zu finden. «Bis jetzt war der FC Sion eine Wundertüte auf der Achterbahn – einmal oben, einmal unten. So kann es natürlich nicht weitergehen», sagte der Sitten-Coach.
Rheinpark. - 1920 Zuschauer. - Schiedsrichter: Zimmermann. - Tore: 9. Dzombic 1:0. 20. Adeshina 1:1. 30. Monterrubio 1:2.
Vaduz: Sommer; Reinmann (78. Ritzberger), Iten (61. Sutter), Dzombic, Cerrone; Polverino; Fischer, Mea Vitali, Senna, Grossklaus (46. Bellon); Gaspar.
Sitten: El Hadary; Geiger, Kali, Vanczak, Bühler; Crettenand (63. Alioui), Serey Die, Ahoueya (13. Vailati), Monterrubio (78. M'Futi); Dominguez; Adeshina.
Bemerkungen: Vaduz ohne Akdemir, Rivaldo, Wieczorek und Wüthrich (alle verletzt), Sitten ohne Nwaneri, Obradovic (beide nicht im Aufgebot), Beto, Paito und Sarni (alle verletzt). 11. Rote Karte gegen El Hadary (Notbremse). Verwarnungen: 21. Dzombic (Foul), 80. Serey Die (Foul), 91. Cerrone (Reklamieren).
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