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  • 20. August 2008, 23:10, NZZ Online

    Das Enigma

    Das Enigma

    Blaise Nkufo mit dem nächsten Neuanfang

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    Von Peter B. Birrer, Genf

    Verglichen mit früheren Einsätzen des Stürmers Blaise Nkufo in der nationalen Auswahl war der 16. am Mittwoch in Genf über 63 Minuten gegen Zypern einer mit lichteren Momenten. Er war im Sturmzentrum nicht mehr vom Stromkreis ausgeschlossen, wie dies zuletzt zu oft der Fall gewesen war. Und vor allem: Nkufo bereitete die ersten beiden Schweizer Tore vor, beide mit dem Kopf, beide mit Übersicht und ohne Eigennutz. Sonst war auch Nkufo schwer zu beurteilen, er verlor wenig Bälle und spielte diese oft direkt weiter – allerdings meist rückwärts und ohne Überraschungsmoment. Im Strafraum gelangte von der Seite abermals nicht ein Ball zu ihm, der ihn vor dem Tor in jene Position gebracht (und möglicherweise stark gemacht) hätte, aus der er für seinen Klub Twente Enschede viele Tore schiesst.

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    Die Geschichte Nkufos im Nationalteam ist mehr von Missverständnis als von Verständnis geprägt. Ein paar Tage vor der Euro meldete sich der an den Leisten verletzte Stürmer ab, nachdem er sich zuvor während des Saison-Finales mit seinem Klub Twente Enschede mehrmals hatte Schmerzen wegspritzen lassen. Andere Nationalspieler taten dies auch und fielen nicht vor, sondern während der EM aus. Im Mai kam Nkufo nicht einmal ins Trainingscamp nach Lugano. Darauf angesprochen, reagiert Roland Grossen, einer der Teamärzte, im Rückblick unwirsch. Der Doktor tut die Episode als eine aus einer «anderen Periode» ab, die keine Bedeutung mehr habe. Das sei vorbei, passé. Weg mit dem, was früher war.

    Blaise Nkufo sitzt jetzt in Genf am Tisch, die Brille gibt ihm den Anstrich des Intellektuellen, die Stimme ist warm und leise, aber er fühlt sich nicht so wohl. Die Zeitung «Le Temps» schrieb einmal, dass der Blick Nkufos gleichzeitig «aufgescheucht» und «gradlinig» sei und dass er etwas «Verstohlenes» habe. Nkufo wägt diplomatisch Worte ab, lächelt verlegen und erklärt sein Fernbleiben in Lugano retrospektiv so: «Ich machte das Wesentliche: das Telefon mit dem Nationaltrainer.» Auf die Nachfrage, warum er danach während Wochen nicht auf Anrufe und SMS einiger Medien geantwortet und nicht einmal «Ich sage nichts» kommuniziert habe, antwortet er: «Ich war eben sehr enttäuscht.»

    Nkufo ist darauf bedacht, nicht den einen Trainer, Köbi Kuhn, gegen den anderen, Ottmar Hitzfeld, auszuspielen. «Le roi est mort, vive le roi!», sagt er zum Wechsel. Zumindest damit hebt er den einen König (Kuhn) auf das Niveau des Erbfolgers (Hitzfeld). Die Situation ist für Nkufo in diesem Augenblick die, dass die Medien Dinge hören wollen, die Nkufo nicht sagt, nicht sagen will. Oder die nicht zutreffen. Oder wie auch immer. Seine Geschichte in Rot-Weiss ist von Misstrauen geprägt. 2002 verliess er die Auswahl Knall auf Fall vor einem Testspiel, weil er nicht für die Startformation nominiert worden war, und erhob diffuse Rassismusvorwürfe. Kuhn schwieg dazu mehrheitlich, verzichtete danach jahrelang auf Nkufo, obschon er für Enschede im 4:3:3-System Tore en masse schoss – zum Beispiel deren 44 seit Sommer 2006 in der Eredivisie. Dann die (vom Verband erzwungene) Rückkehr – ziemlich genau vor einem Jahr, ebenfalls in Genf, vor dem Testspiel gegen die Niederlande. Doch die Rückkehr brachte summa summarum nichts, das System wurde nie auf Nkufo zugeschnitten, es stand die Absage vor der Euro, und Kuhn sagte am Ende, dass sich Nkufo nicht integrieren lassen wolle.

    Die Absenz der verletzten Stürmer Alex Frei und Marco Streller spielt Nkufo Karten zu. «Ich habe eine neue Möglichkeit, mich zu zeigen.» Die Saison in den Niederlanden beginnt erst Ende August. Den Vorspann – zum Beispiel das 0:2 im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Arsenal – hat Nkufo mit Twente wegen einer leichten Knieverletzung verpasst. Der neue Twente-Trainer ist der frühere englische Nationalcoach Steve McClaren. Ihn rühmt Nkufo, McClaren habe im Klub «die Qualität gesteigert». Twente wolle «weiterwachsen». Viel Zeit bleibt Nkufo, dessen Vertrag bis 2010 läuft, nicht mehr, um mitzuwachsen – sowohl in Enschede wie (endlich?) in der SFV-Auswahl. Er ist 33-jährig.

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