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  • 9. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Zweifelhafte Prominenz zum Jubiläum

    Zweifelhafte Prominenz zum Jubiläum

    60. Österreich-Rundfahrt als Ausweichroute für Boonen und Co.

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    w. p. Ein heftiges Gewitter verhinderte am Sonntag den regulären Start der Österreich-Rundfahrt in Klausen. Der Abbruch des 3,3 km langen Prologs im Südtiroler Ferienort hatte indessen keinerlei symbolischen Charakter. Keine Spur von einem reinigenden Gewitter, das sich mancher Radsportinteressierte im Vorfeld der 60. Tour d'Autriche gewünscht hätte. Durch die Dopingskandale im internationalen Radsport der vergangenen Jahre selbst indirekt in Mitleidenschaft gezogen, drohte der klassischen Rundfahrt der zweiten Kategorie nach dem Verlust eines Grosssponsors das Aus oder zumindest eine kräftige Redimensionierung. Mit viel Engagement und dank mehreren kleinen Ersatzsponsoren gelang es der Tour-Direktorin Ursula Riha doch noch, eine ansehnliche Rennwoche, zeitgleich zur Anfangsphase der Tour de France, auf die Beine zu stellen und viele Stars, vor allem aus Italien, zu verpflichten.

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    Umso erstaunlicher war da die freudige Aufnahme von Tom Boonen, der wegen Kokainmissbrauchs zuvor sowohl von der Tour de Suisse als auch von der Tour de France ausgeladen worden war. Der Belgier wurde vom Weltverband UCI nicht gesperrt, da der Missbrauch ausserhalb eines Wettkampfes nachgewiesen worden war. Für die Tour-Direktorin Riha ein guter Grund, Boonen in Österreich willkommen zu heissen, um ihm eine Chance zu geben, wieder auf den rechten Weg zurückzufinden. Boonen, der wenig glaubhaft behauptet, er habe das Kokain unwissentlich in einer Bar über ein Getränk zu sich genommen, muss trotz allem mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Der 27-jährige Sprinter und Classique-Jäger zeigt sich dankbar für die Einladung und bezeichnet die Rundfahrt als ideale Vorbereitung für die Weltmeisterschaften, obwohl diese erst Ende September stattfinden.

    Ausser Boonens Anwesenheit ist auch die Beteiligung des Teams Astana eine zweifelhafte Auszeichnung zum 60. Geburtstag der Rundfahrt. Die Equipe, die letzte Saison tief in den Dopingsumpf gefahren war und deshalb keine Einladung zur diesjährigen Frankreich-Rundfahrt erhalten hatte, wählte ebenfalls die Austria-Tour als Ausweichroute. Alexander Gusew wird anstelle Andreas Klödens und Levi Leipheimers als Spitzenfahrer des kasachischen Teams auf den knapp 1100 km zwischen Tirol und Wien in Position gebracht. Herzstücke der Rundfahrt sind die beiden schweren Bergetappen vom Dienstag aufs Kitzbüheler Horn, wo der junge Däne Chris Anker Sörensen als Erster eintraf, und vom Mittwoch auf den Grossglockner.


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