Donnerstag, 04. Dezember 2008, 07:50:28 Uhr, NZZ Online
3:2-Sieg in Rapperswil erst nach Penalty-Schiessen
ped. Rapperswil-Jona, 5. September
Die Auftaktpartie erreichte erst gegen den Schluss Play-off-Intensität, so dass vorher geradezu auffiel, wie der sonst eher zu Eleganz neigende ZSC-Flügel Krutow mit einem harten Check nicht nur dem Familiennamen, sondern auch dem Spitznamen («Tank») seines Papas Ehre erwies.
Er verlange von seinen Spielern «Arbeiter-Mentalität», hatte der Lakers-Trainer Morgan Samuelsson postuliert. Seine Leute sahen zwei Drittel lang allerdings über weite Strecken eher wie Hilfsarbeiter aus. Was fehlte, war das künstlerische Element. Zu Beginn sah es noch anders aus. Nordgren hatte einen Zweikampf gegen Blindenbacher gewonnen, legte los und bediente Roest mit einem idealen Querpass: Aus dem ersten Schuss auf ein Tor resultierte nach 87 Sekunden die 1:0-Führung der Lakers. Ähnliches glückte ihnen in der Folge kaum noch. In aussichtsreichen Situationen verdarb oft ein Fehlpass alles.
Auch die Zürcher wussten in einer Sparte auf Anhieb zu imponieren. Beim ersten gegnerischen Ausschluss dauerte es nur gerade fünf Sekunden, bis Gardner nach einem von Sejna gewonnenen Bully den Ausgleich erzielte. Aber wie bei den Lakers ging es auch bei den Lions nicht im gleichen Stil weiter. Die Art, wie sie das Powerplay aufzogen, imponierte durchaus, doch meistens landete der Puck bei der Endstation namens Marco Streit. Sieben Überzahl-Gelegenheiten blieben ungenutzt. Der Rapperswiler Keeper war erst am Morgen des Spieltags für fit erklärt worden, nachdem per MRI der Verdacht auf eine Adduktorenverletzung nicht bestätigt worden war. Er wehrte sich tapfer – die Tore konnte er ja nicht selber schiessen. Dazu war auch die fünf Mann umfassende Nordländer-Fraktion erst mit Verzögerung fähig. Der zurückgekehrte Berglund wirkte nicht mehr als der Reisser von ehedem; der vielgerühmte Verteidiger Lindström agierte defensiv solide, setzte aber in der Offensive keine Akzente.
Bei den Zürchern begann der Coach Sean Simpson sein Ausländer-Karussell damit, dass er den Verteidiger Suchy nicht aufstellte. Den Paradesturm der letzten Saison in der Besetzung Gardner-Wichser-Sejna liess er beisammen; im Gegensatz zu den letzten Testpartien – die er aus gesundheitlichen Gründen verpasste – rückte Alston an die Seite von Pittis und Trudel, was die Versetzung Bühlers in die vierte Linie zur Folge hatte. Das Pittis-Trio kombinierte denn auch die erstmalige Führung heraus, als gerade eine gegnerische Strafe abgelaufen war (Torschütze Alston). Der Vorsprung war gemessen am Chancenplus zu knapp und erwies sich als trügerisch, was sich speziell im letzten Drittel zeigen sollte. Der sonst unterbeschäftigte Sulander wehrte einen Schuss Roests nur ungenügend ab – Nordgren war zur Stelle und schlenzte die Scheibe zum 2:2 ein. Die Lakers verstärkten darauf ihre Angriffsbemühungen und lösten vor dem ZSC-Tor sogar Panik aus. Noch in der Overtime bekamen beide Teams Gelegenheit zum Powerplay, ohne jedoch zu reüssieren. Die Lions erwiesen sich wenigstens in Unterzahl als meisterlich und überstanden rund eine Viertelstunde mit einem Mann weniger. Doch an die in den Testspielen gegen starke ausländische Gegner gezeigten Leistungen kamen sie nicht heran.
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