Freitag, 21. November 2008, 13:51:12 Uhr, NZZ Online
tay. Gstaad, 8. Juli
Mit dem Schweizer Duell zwischen den Wildcard-Empfängern Stéphane Bohli und Robin Roshardt sowie der Live-Übertragung durch den welschen Sender TSR 2 hat sich das Suisse Open in Gstaad am Dienstag warmgelaufen. Am Mittwoch stehen mit dem Vorjahressieger Paul-Henri Mathieu (gegen Cilic) und dem Lokalhelden Stanislas Wawrinka erstmals die beiden topgesetzten Athleten im Einzel im Einsatz.
Mit den bisweilen böigen Bedingungen kam der knapp 25-jährige Genfer Bohli (ATP 137) im ersten Satz besser zurecht als der fünf Jahre jüngere Roshardt (588), dessen Schläge zu oft hinter der Linie oder im Netz landeten. Der Zürcher kam erst im zweiten Set besser ins Spiel und stand dem Sieg nach einem neuerlichen Servicedurchbruch zu Beginn des dritten Sets viel näher. Doch Roshardts Service funktionierte an diesem Abend zu wenig konstant, so dass er ein Aufschlagsspiel bei 4:3 und 40:0 im dritten Satz sogar noch abgab. «Das darf auf diesem Niveau nicht passieren», ärgerte er sich nach der Partie.
Das vor Jahren in einem TV-Bericht als Nachfolger Federers gehandelte Talent Roshardt hatte nach seinem 2005 in Miami errungenen (inoffiziellen) Titel als Juniorenweltmeister in seiner sportlichen Entwicklung zunächst stagniert. Den (hohen) Erwartungen war mit Talent allein nicht zu entsprechen. Zudem zwickte der Rücken, und die Hand musste operiert werden. Nach anderthalbjähriger Verletzungspause peilt er nach dem Sieg an einem Future-Turnier in Griechenland vollständig genesen eine Klassierung unter den besten 400 an. In Gstaad, wo er sich «mit einem Top-100-Mann messen» wollte, hat er sein Ziel, die zweite Runde, wie schon 2006 verpasst. Ihm fehlte es gegen Bohli, trotz einigen formidablen Schlägen, klar an Spielpraxis und Konstanz auf hohem Niveau. Für Roshardt geht es nun am Challenger-Turnier in Oberstaufen weiter.
Bohli zeigte sich über seinen ersten Erfolg auf der ATP-Tour überrascht: «Ich weiss nicht, was passiert ist.» Er sei nervös gewesen und habe sich auf dem Platz überhaupt nicht wohl gefühlt, was den Zuschauern angesichts seiner hohen Zahl an Eigenfehlern nicht verborgen blieb. Den Match habe er schliesslich «im Kopf gewonnen», weil er in dieser Saison schon mehr Siege errungen habe als sein ebenfalls nervöser Gegner. In den entscheidenden Phasen war er der konstantere Aufschläger. Nun sei er aber «extrem zufrieden», dass er gegen Wawrinka antreten dürfe.
In der unteren Tableauhälfte war zu erwarten gewesen, dass der als Nummer 6 gesetzte deutsche Primus Nicolas Kiefer (32) den italienischen Qualifikanten Gianluca Naso (244) schlagen würde. Kiefer, der in Gstaad «Höhenluft im Hinblick auf Olympia und das US Open» tankt, trifft nun auf den Spanier Guillermo Garcia-Lopez, welchen er am Dienstag im Doppel bezwingen konnte. Eine Überraschung ist hingegen der Erfolg des 27-jährigen Qualifikanten Dominik Meffert (162). Der Kölner setzte sich in drei Sätzen gegen den letztjährigen italienischen Finalisten Andreas Seppi durch, der in Gstaad als Setznummer 5 gestartet war.
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