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  • 9. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Euro-Steilvorlage für den Austria-Fussball

    Euro-Steilvorlage für den Austria-Fussball

    Aufbruchstimmung und positive Impulse zum Bundesliga-Start

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    Werner Pietsch

    Der Übergang vom Grossereignis Europameisterschaft in die Niederungen der österreichischen Bundesliga ist fast nahtlos gelungen und zudem rekordverdächtig. Nur Irland, Norwegen und Schweden starten ähnlich früh in die neue Saison wie der Austria-Fussball, dem neun fussballfreie Tage seit dem Final im Wiener Ernst-Happel-Stadion reichen. In der Tat ist es gelungen, die Begeisterung und die positiven Impulse rund um das Turnier zu nutzen. Entgegen den nicht gerade überzeugenden Leistungen der ÖFB-Auswahl schafften einige ihrer Protagonisten den Sprung in andere Ligen, insbesondere in die deutsche Bundesliga (Korkmaz, Prödl, Säuml, Fuchs).

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    Mäzenaten-Liga

    Viel bedeutender scheinen die Nachwirkungen des Turniers auf Sponsoren und Zuschauer zu sein. So verzeichnen die Klubs, allen voran Titelhalter Rapid Wien, einen deutlichen Zuwachs im Abonnementsverkauf. Rund 10 000 der 17 500 Plätze im Wiener Hanappi-Stadion sind bereits an Dauerkartenbesitzer vergeben. Auch wenn der Traditionsklub nach den Wechseln der beiden Leistungsträger Mario Bazina zum Stadtrivalen Austria und Ümit Korkmaz zu Eintracht Frankfurt noch keinen adäquaten Ersatz finden konnte, scheint die grün-weisse Euphorie ungebrochen. Zu Testspielen und öffentlichen Trainings erscheinen bisweilen Tausende Zuschauer, Fussball ist wieder en vogue in Österreich; wie nachhaltig der Trend ist, wird sich weisen, wenn der Bundesliga-Alltag Fussball-Schonkost bietet. Für Rapid Wien und Sturm Graz, die die Saison am Dienstagabend in Graz eröffneten, hat der Alltag bereits wieder begonnen. Und der Titelhalter erlitt gleich zum Start die erste Niederlage (1:3).

    In Salzburg griff Energy-Drink-Vermarkter Didi Mateschitz neuerlich in seine Portokasse, um dem Klub endlich Flügel zu verleihen. Umgerechnet rund 5,5 Millionen Franken durfte der neue Coach Co Adriaanse in neue Spieler investieren. Der Trapattoni-Nachfolger soll mit den Neuerwerbungen wie den beiden tunesischen Internationalen Mejdi Traoui und Anis Boussaidi sowie dem Kameruner Somen Tchoyi und dem neuen Abwehrchef Barry Opdam den Sprung ins internationale Geschäft schaffen. Der nationale Titelgewinn ist mit hochbezahlten Cracks wie Sasa Ilic, Johan Vonlanthen oder Niko Kovac Pflicht. Immerhin steht Adriaanse ein 29-köpfiges Kader mit grosser Qualität zur Verfügung, das seine Vorstellungen von Offensivfussball niederländischer Prägung umsetzen soll. Zudem kann kein Coach in der Bundesliga unter vergleichbar idealen finanziellen Bedingungen arbeiten. Der zweite Wiener Grossklub wurde indessen von seinem langjährigen Mäzen Frank Stronach vor Jahresfrist mit Liebesentzug bestraft. Stronach zog sich im FK Austria nicht nur als Financier weitgehend zurück, er nahm auch noch zahlreiche Leistungsträger zu seinem neuen Klub SV Wienerberger mit.

    FK Austria innert Kürze umgebaut

    Von der Austria-Startformation in der letzten Runde sind noch vier Spieler im Klub. Nicht nur sportlich, auch organisatorisch wurde der Klub in Kürze völlig umgebaut. Eine Aktiengesellschaft und ihre verantwortlichen Organe lösen die autokratischen Stronach-Strukturen endgültig ab. Zuletzt entspannte sich auch die dramatische finanzielle Situation bei den Wiener Veilchen. Nach dem Abgang von Stronach stellten sich zwei andere Mäzene mit siebenstelligen Euro-Gaben ein; der saudische Ölmilliardär Mohamed al-Jaber, der in Österreich Immobilien besitzt und zuletzt wegen einer zurückgezogenen Beteiligung bei den Austrian Airlines im Gespräch war, will sich nicht ins operative Geschäft einmischen. Auch der türkische Unternehmer und Mehrheitseigentümer von Fenerbahce Istanbul, Erol User, sieht seine Rolle als stiller Gönner im Hintergrund.

     


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