Donnerstag, 04. Dezember 2008, 08:17:20 Uhr, NZZ Online
Deutscher Radprofi dank Zeitfahrensieg in Cholet neuer Leader
(sid/si) Fabian Cancellara hat das 29,5 km lange erste Zeitfahren der Grande Boucle nicht zu gewinnen vermögen. Der als Topfavorit gestartete Berner wurde in der 4. Etappe nur Fünfter. Den Sieg eroberte sich der Deutsche Stefan Schumacher, der auch vom Franzosen Romain Feillu das Leadertrikot übernahm.
Cancellara, im Zeitfahren Weltmeister der beiden letzten Jahre, hatte bereits auf dem ersten Streckendrittel der fast ausschliesslich flachen Strecke in Cholet zu viel Zeit eingebüsst. Bei der 11-km-Marke wurde der Schweizer lediglich mit der sechstbesten Zeit gestoppt. 17 Sekunden betrug die Differenz zu Schumacher. Zehn Kilometer später lag Cancellara bereits eine halbe Minute hinter dem Deutschen, womit klar war, dass es Cancellara nicht reichen würde.
«Natürlich bin ich enttäuscht», sagte Cancellara, «von Beginn weg fand ich den Rhythmus nicht. Ich muss akzeptieren, dass andere Fahrer besser waren.» Es gelte nun, die Fehler teamintern zu analysieren. «Gegeben habe ich 100 Prozent, damit darf ich zufrieden sein. Ich kann und darf verlieren», meinte Cancellara, der nach dem Rennen zur Dopingkontrolle aufgeboten war.
Die langen Prüfungen gegen die Uhr in der Tour de France scheinen Cancellara nicht zu behagen. In den (kürzeren) Prolog-Prüfungen triumphierte er schon zwei Mal, mit dem fünften Platz am Dienstag verbesserte er immerhin seine persönliche Bestleistung in den längeren Zeitfahren um zwei Ränge. Wie schon an der Tour de Suisse 2007 hatte er seine Startnummer (13) verkehrt angeheftet. Glück brachte ihm dieser Handgriff diesmal freilich nicht.
Insgeheim hatte man gehofft, der Berner würde neben dem Etappensieg auch das Leadertrikot übernehmen. Daraus wurde nichts. Ins Maillot jaune einkleiden durfte sich als dreizehnter Deutscher Stefan Schumacher, der bei beiden Zwischenzeitnahmen als Schnellster passiert hatte und achtzehn Sekunden vor Kim Kirchen und David Millar gewann.
Schumacher errang letztes Jahr im Tirreno den Sieg in einem Zeitfahren, doch in einem der ganz grossen Rennen reüssierte er im Kampf gegen die Uhr noch nie. Letzte Saison hatte der Schwabe das Gold Race gewonnen, und vor zwei Jahren triumphierte er im Giro in zwei Etappen. In dieser Saison jedoch hatte Schumacher noch keinen Sieg von Bedeutung feiern können.
4. Etappe, Einzelzeitfahren mit Start und Ziel in Cholet (29,5 km): 1. Stefan Schumacher (De) 35:44 (49,533 km/h). 2. Kim Kirchen (Lux) 0:18 zurück. 3. David Millar (Gb), gleiche Zeit. 4. Cadel Evans (Au) 0:27. 5. Fabian Cancellara (Sz) 0:33. 6. Denis Mentschow (Russ) 0:34. 7. Jens Voigt (De) 0:35. 8. Christian Vandevelde (USA) 0:37. 9. George Hincapie (USA) 0:41. 10. Vincenzo Nibali (It) 0:47. 11. Thomas Lövkvist (Sd), gleiche Zeit. 12. José Ivan Gutierrez (Sp) 0:50. 13. Sylvain Chavanel (Fr) 1:08. 14. Danny Pate (USA) 1:10. 15. Stijn Devolder (Be) 1:18. 16. Maxime Monfort (Be) 1:24. 17. Damiano Cunego (It) 1:26. 18. Oscar Pereiro (Sp) 1:28. 19. Sebastian Lang (De) 1:29. 20. Andy Schleck (Lux), gleiche Zeit. - 23. Alejandro Valverde (Sp) 1:34. 28. Carlos Sastre (Sp) 1:43. 30. Rubens Bertogliati (Sz) 1:46. 34. Roman Kreuziger (Tsch) 1:51. 46. Fränk Schleck (De) 2:14. 81. Martin Elmiger (Sz) 3:05. 115. Riccardo Ricco (It) 3:36. 161. Juan Mauricio Soler (Kol) 4:39. 169. Romain Feillu (Fr) 4:59. 170. Johann Tschopp (Sz), gleiche Zeit. - 178 Fahrer gestartet und klassiert.
Gesamtklassement: 1. Schumacher 14:04:41. 2. Kirchen 0:12. 3. Millar, gleiche Zeit. 4. Evans 0:21. 5. Cancellara 0:33. 6. Vandevelde 0:37. 7. Hincapie 0:41. 8. Lövkvist 0:47. 9. Nibali 0:58. 10. Gutierrez 1:01. 11. Mentschow 1:12. 12. Voigt 1:13. 13. Devolder 1:18. 14. Pereiro 1:22. 15. Monfort 1:24. 16. Cunego 1:26. 17. Valverde 1:27. 18. Andy Schleck 1:29. 20. Lang 1:40. - 23. Sastre 1:43. 28. Fränk Schleck 2:08. 33. Kreuziger 2:29. 39. Elmiger 3:05. 59. Ricco 4:08. 151. Tschopp 9:40. 168. Bertogliati 12:38. 176. Soler 17:46.
Schumacher:
Vorwürfen ausgesetzt
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