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  • 17. Mai 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Abschied von der Super League?

    Abschied von der Super League?

    Der FC St. Gallen vor schwierigen Barrage-Spielen gegen die AC Bellinzona

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    akn. St. Gallen, 16. Mai

    Im FC St. Gallen läuft momentan vieles parallel: Die Eröffnungsfeier für die neue Arena im Westen der Stadt wird vorbereitet, zuvor sollte aber noch das Espenmoos möglichst würdig verabschiedet werden. Nach langer Weigerung, sich auf das Thema überhaupt einzulassen, beschloss die Klubleitung vor wenigen Tagen, den Souvenirjägern unter den Fans wenigstens ein Stück Original-Espenmoos-Rasen anzubieten. Währenddessen bereitete sich die Mannschaft auf die beiden Entscheidungsspiele gegen die AC Bellinzona vor; sie tritt zuerst auswärts an, heute Samstag ab 17.45 Uhr im Stadion des Cup-Finalisten.

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    Systemänderung

    Da die St. Galler Saisonbilanz bis zum Barrage-Schlusspfiff am nächsten Dienstag noch nicht gezogen werden kann, bleiben verschiedene Fragen offen. Etwa diejenige, ob Krassimir Balakow die richtige Trainerwahl gewesen sei. Die Antwort darauf könnte einfach sein: Bleibt St. Gallen in der Super League, hat der Bulgare einen Klub gerettet, der in der Winterpause mit vier Punkten Abstand auf dem letzten Platz lag. Steigt St. Gallen in die Challenge League ab, dürfte die Abrechnung mit dem Trainer bzw. dessen Massnahmen und Taktik rasch beginnen.

    Anlass dazu gäbe es genügend: Balakow warf den unbeständigen, aber talentierten Regisseur Jürgen Gjasula aus der Mannschaft. Die Resultate danach blieben den Beweis schuldig, dass die Mannschaft an Geschlossenheit gewonnen hätte. Balakow verpasste dem FC St. Gallen ein defensives Korsett, dessen Stabilität in den entscheidenden Spielen trotzdem nicht ausreichte. Auslöser für die Systemänderung war wohl der Match gegen die Young Boys kurz vor der Winterpause gewesen. Die offensiv eingestellte Mannschaft wurde gnadenlos ausgekontert – und verlor 2:7. Von da an setzte Balakow auf Sicherheit und nominierte stets zwei Abräumer – Gelabert und Muntwiler – im zentralen Mittelfeld. Der Gegner wurde erst weit hinter der Mittellinie attackiert. Die Devise lautete: Abwarten und auf Fehler lauern.

    Zum Start der Rückrunde war das Konzept ein Erfolg. Vier Siege in Serie gelangen, der letzte Platz wurde rasch an den späteren Absteiger FC Thun abgegeben. Doch dann stellten sich die Gegner darauf ein, und die Nachteile des Systems zeigten sich: Wenn St. Gallen das Spiel machen musste, konnten die Spieler die Bremse im Kopf nicht lösen und auf Offensive umschalten. Ein früher Gegentreffer reichte, und die Niederlage war programmiert. Hinten kein Bollwerk, vorne harmlos, so lassen sich die Probleme zusammenfassen. Der Klub kam nie über den Barrage-Platz hinaus. In den letzten Spielen trat die Mannschaft immer verkrampfter auf und blieb ohne Erfolgserlebnis. Paradebeispiel dafür ist Captain Callà, der nach seiner 16-monatigen Verletzungspause zuerst rasch Tritt fasste, zuletzt aber vor lauter Wollen kaum mehr einen geraden Pass spielen konnte.

    Eine Frage des Willens

    Balakow zeigt sich von der Entwicklung nicht überrascht. Sie sei typisch, wenn sich eine Mannschaft in der Abwärtsspirale befinde, sagt er. Mit solchen Situationen sei er als Spieler auch konfrontiert gewesen. Vom ersten Moment an habe er deshalb versucht, seine eigenen Erfahrungen auf die Mannschaft zu übertragen. Fehlt es aber nicht grundsätzlich an Qualität im Kader? «Es gibt Sachen, über die kann man heute nicht reden», blockt er die Frage ab. Für alles Werweissen ist es sowieso zu spät.

    Den St. Gallern bleibt nur die Hoffnung, dass Krassimir Balakow die richtigen Schlüsse gezogen hat und die Mannschaft gegen die AC Bellinzona so einstellt, dass sie im entscheidenden Augenblick zu ihren Qualitäten zurückfindet. Für die beiden Barrage-Spiele sei die Ausgangslage anders als in den letzten Runden, als Punkte aufzuholen waren, ist der Trainer überzeugt. Jetzt gehe es nicht mehr um schöne Spielzüge: «Entscheidend ist nun einzig und allein nur noch der Wille.»


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