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  • 9. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung
    Zu Besuch beim Parteipräsidenten (1/5)

    Auf der Jagd nach dem zweiten Bundesratssitz

    Auf der Jagd nach dem zweiten Bundesratssitz

    CVP-Präsident Christophe Darbellay in Festlaune

    Christophe Darbellay sieht seine Partei auf Kurs. Christophe Darbellay sieht seine Partei auf Kurs. (Bild: Reuters)
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    CVP-Präsident Christophe Darbellay sieht seine Partei auf Kurs, «seine» Bundesrätin in Bestform und den Bundesrat in guter Verfassung. Er will jede Gelegenheit nutzen, um seiner Partei einen zweiten Regierungssitz zu verschaffen.

    Zu Besuch beim Parteipräsidenten (1/5)

    lth. Er hebt das Glas kurz an die Nase, wirft den Kopf nach hinten, nimmt einen kräftigen Schluck. Dann geniesst er einen Augenblick lang den eigenwillig salzigen Abgang des Petite Arvine, einer exzellenten Walliser Spezialität, die eben erst einem breiteren Kreis von Weinliebhabern zum Begriff wird. Christophe Darbellay könnte glattweg als gewiefter Verkäufer einer führenden Adresse für Walliser Weine durchgehen: Mit zwei, drei träfen Worten charakterisiert er in der stilvoll eingerichteten Empfangshalle der Kellerei Gilliard SA in Sitten den spritzigen, unverwechselbaren Weisswein. Dann nimmt noch einen Schluck, lächelt gewinnend.

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    Der Charme-Faktor

    Der CVP-Präsident setzt auch hier wie beim Verkaufen seiner Politik auf den Charme-Faktor. Dabei ist der Weinbau längst ein beinhartes Business: Als die traditionsreiche, in Schwierigkeiten steckende Mittelwalliser Weinbau-Unternehmung Robert Gilliard AG im Juli 2006 von der Firma Schuler St.-Jakobs-Kellerei übernommen worden war, berief der neue Eigentümer Christophe Darbellay an die Spitze des Verwaltungsrates. Das sei eine ursprünglich freisinnige Unternehmung, merkt Darbellay maliziös an. Der Wein wie die Jagd gehörten halt zu seinen Walliser Wurzeln, betont Darbellay und verrät just am Tag vor seiner mit 600 Gästen zelebrierten Hochzeit noch dies: Er wolle die letzte Nacht als Junggeselle in seiner Jagdhütte auf 2000 Meter über Meer verbringen. Ob die Medien auch da dabei sind, lässt er offen.

    Als das Gespräch vom vergorenen Rebensaft und von der Pirsch zur Politik wechselt, wirkt Christophe Darbellay mit einem Mal wacher, konzentrierter. Das Lächeln wird auch vage, verliert sich. «Der Abgang von Christoph Blocher hat den Bundesrat nicht geschwächt. Im Gegenteil: Das Kollegium funktioniert wieder, Stimmung und Arbeitsklima sind besser. Das tut dem Bundesrat gut, und das tut auch dem Land gut.» Zur Zusammensetzung des Bundesrates nach 2011 mag sich der CVP-Chefstratege nicht vernehmen lassen. «Das ist doch Lesen im Kaffeesatz. Es ist davon auszugehen, dass in diesem Zeitraum sicher zwei oder vielleicht sogar vier Bundesräte aus dem Amt scheiden. Alles ist offen.» Und da gerade von Bundesrätinnen der CVP die Rede ist, gerät Darbellay ins Schwärmen: «Sie sagen, Frau Leuthard sei wenig präsent. Sie will das so. Denn unsere Bundesrätin dreht nicht ständig im roten Bereich. Sie hat Charme, ist sehr intelligent, kommt gut rüber – aber sie setzt auf langfristige Wirkung, nicht auf kurzzeitige Effekthascherei. Darum auch wirkt sie so überzeugend.» Und weil das so schön ist, will der Mann an der Spitze der CVP beim zweiten Bundesratssitz nichts anbrennen lassen: «Wir packen jede Gelegenheit. Es gibt ja schon vor 2011 Vakanzen in der Landesregierung. Wenn sich eine Chance bietet, treten wir an.»

    Mehr Kohärenz im Zentrum

    «Natürlich gibt es Konkurrenz zwischen den traditionellen politischen Parteien – auch und gerade im Zentrum. Doch abgesehen von Schaukämpfen sind doch zentrale Sachfragen angepackt und beantwortet worden, im Parlament und an der Urne. Da gibt es viel mehr Kohärenz, als manche Politiker und viele Journalisten wahrhaben wollen», diagnostiziert Christophe Darbellay. Hochzeitspläne hegt er in der Politik keine: «Wir haben ein Interesse, mit anderen politischen Kräften auch des Zentrums von Fall zu Fall zusammenzuarbeiten. Damit hat es sich.» Viel interessanter sei doch jetzt der spektakuläre Zerfall der SVP. «Sie gibt nicht mehr das Bild dieser geschlossenen, monolithischen Partei ab, als die sie sich profiliert hatte. Thematisch befindet sie sich in Schwierigkeiten: Bei Fragen der Sicherheit und in der Einwanderungspolitik bringt die CVP die Antworten. In der Personenfreizügigkeit und damit in der Europapolitik ist die SVP total auf dem falschen Fuss erwischt worden. Reicht es als politisches Programm, einfach nur gegen den Bau von Minaretten zu wettern?», fragt Darbellay rhetorisch. Zudem gestalte sich für eine Partei wie die SVP die Zukunft ohne die dominante Führerfigur schwierig. «Aber was Organisation, Finanzen und Kommunikation angeht, da hat uns die SVP in den letzten Jahren eine harte Lektion erteilt», räumt Darbellay ein.

    Der Vorteil der Jugend

    Wie geht Christophe Darbellay mit seiner unerwarteten Niederlage am CVP-Kongress in Conthey vom 6. Juni 2008 um? Da kommt mit einem Mal eine Spur zwar nicht von Bitterkeit, aber doch von Enttäuschung auf. Das Lächeln gefriert. Die Feststellung, hier sei er auf dem falschen Fuss erwischt worden, kontert er mit detaillierten Erklärungen zu den Hintergründen, die zu seiner Nichtnomination als Kandidat für die Walliser Regierung geführt hatten: «Die Niederlage von Conthey kam vor allem für die Prognostiker unerwartet. Ich wusste, dass es eng wird. Die Konkurrenten hatten einfach bei der Werbung von Neumitgliedern die Nase vorne, nachdem es ihnen gelungen war, den Parteikongress zeitlich früher auf den Beginn des Monats Juni zu verlegen. An diesem Abend waren fast die Hälfte der Wählenden Neumitglieder. Der in meinem Bezirk unterlegene Kandidat hat überdies mit meinem Konkurrenten paktiert. Das allein kostete mich gut 140 Stimmen. Eigentlich bin ich überrascht, wie gut ich unter diesen Umständen abgeschnitten habe», analysiert Darbellay seine bisher bitterste Stunde in der Politik. Und sagt dann unvermittelt: «Ich habe Zeit, viel Zeit. Ich bin 37 Jahre alt, und ich habe das Leben auch in der Politik noch vor mir.» Und mit einem Mal ist es wieder da, das breite Darbellay-Lächeln.

     


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