Donnerstag, 04. Dezember 2008, 08:28:25 Uhr, NZZ Online
tay. Zug, 5. September
Früher war Eishockey ein Wintersport – heute nur noch Unterhaltung. Den 5005 Zuschauern gefiel es trotzdem, denn selten genug sind die Temperaturen in der Zuger Hertihalle höher als im Freien wie bei der Saisonpremiere gegen die Kloten Flyers, wo Träger-Shirts und Flip-Flops die Mäntel und Kappen (vorerst noch) klar ausstachen. Ganz anders fühlten die Protagonisten auf dem Eis.
Sie litten unter den sommerlichen Temperaturen genauso wie der immer weicher werdende eisige Untergrund, was die Intensität von Drittel zu Drittel stetig reduzierte. So erwies sich Casutts 1:0 (24. Minute) – der Zuger hatte aus dem Gewühl heraus eher zufällig getroffen – schliesslich als (vor)entscheidend. Christens 2:0 (56.) besiegelte dann die erste Niederlage der Flyers in der neuen Saison.
Die beiden Equipen hatten zu Beginn ein hohes Tempo vorgelegt. Die ganze angestaute Vorfreude aus dem Sommertraining schien sich plötzlich zu entladen. Die Spieler liefen und checkten, vergassen darob aber bisweilen, dass eigentlich der Puck im Zentrum des Interesses stehen sollte. Doch dieser fand seinen Weg zum Adressaten oft nicht, was umso mehr Laufarbeit bedingte. Die Trainer begegneten den hohen Temperaturen mit häufigeren Wechseln der Linien. Den neuen Spielern auf beiden Seiten gelang es unter diesen Bedingungen nur bedingt, ihre erste Duftmarke zu hinterlassen.
Den Auftakt machte Zugs neuer Offensiv-Verteidiger DuPont, der seinen Abschluss aber von Flyers-Goalie Rüger zunichtegemacht sah. Wie aus dem Nichts stand dann der von Langnau gekommene Holden in der 11. Minute vor dem gegnerischen Tor. Doch er scheiterte genauso wie gegen Ende des Abschnitts der von seinem Achillessehnenriss genesene Camichel. Die beste Möglichkeit vergaben allerdings die Gäste: Weder der neue Finne Santala noch Wick trafen das offen stehende Tor.
Zudem muss Santala seine Präzision im Passing erheblich steigern, während der andere Flyers-Neuzugang Brown quasi unsichtbar blieb. Doch das ist bei neuen Kanadiern zu Beginn der Saison oft so, da sie sich erst an die grösseren Dimensionen der Eisfläche gewöhnen müssen.
Die Zürcher taten sich traditionsgemäss schwer im Überzahlspiel, obwohl die Powerplay-Formation durch den Zuzug Du Bois' an der blauen Linie im Vergleich zum vergangenen Jahr viel an Qualität hinzugewonnen hat. In zwei Tranchen konnten sie insgesamt mehr als zwei Minuten mit zwei Mann mehr angreifen, ohne aber zum Torerfolg zu kommen. Erst als es schon zu spät war (58.), besann sich Klotens Tscheche Hamr darauf, dass er über einen präzisen Schuss verfügt, und erzielte den Anschlusstreffer.
Auf der Zuger Baustelle, welche das Stadion umgibt und zunehmend aufzufressen scheint, wird derweil emsig gebaut. Die Beeinträchtigungen für die Zuschauer halten sich in Grenzen. In zwei Jahren will auch der EV Zug den Schritt vom Eishockey- zum Unterhaltungsunternehmen mit der neuen Arena definitiv vollzogen haben. Zum vollkommenen Glück fehlt allerdings noch ein neuer Name, wie die lokale Presse herausgefunden hat.
Keiner der bestehenden Sponsoren scheint an der Übernahme der Namensrechte interessiert zu sein – oder zumindest nicht zu den Konditionen, die den Verantwortlichen heute vorschweben. Im Kanton der tiefen Steuern und Briefkastenfirmen wird eben knallhart gerechnet und kaum ein Franken nur als Goodwill ausgegeben. Es ist aber anzunehmen, dass Zug bis 2010 auch über eine «Arena» statt über eine «Halle» verfügen wird.
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