Mittwoch, 09. Juli 2008, 13:22:22 Uhr, NZZ Online
Stadt Beichuan evakuiert - Künstlicher See könnte über die Ufer treten
(sda/Reuters/afp/dpa) Der Stadt Beichuan in der Region des Epizentrums des Bebens droht die Überflutung, weil der Wasserstand eines künstlichen Sees bedrohliche Ausmasse annahm; dessen Damm könnte bersten. Ein Zeuge berichtete am Telefon, das Militär bringe auch die Rettungskräfte in Sicherheit und ziehe sich selbst schnell zurück.
Im 90 Kilometer entfernten Qingchuan wurden laut dem Bericht eines Hongkonger Fernsehsenders sogar 1,2 Millionen Menschen in Sicherheit gebracht. Dort hatten Erdrutsche Flüsse gefährlich anstauen lassen. Nun drohen die Dämme zu brechen.
In der Katastrophenprovinz Sichuan und im angrenzenden Chongqing wurden die Dämme von mindestens 17 Stauseen beschädigt. Einige Dämme weisen Risse auf, andere lassen Wasser durch.
Vertreter von Regierung und Behörden warnten vor dem Ausbruch von Seuchen wegen der mangelnden Trinkwasserversorgung und den schlechten hygienischen Bedingungen für die fünf Millionen Menschen, die seit dem Beben vor sechs Tagen auf der Strasse oder in Flüchtlingslagern leben.
Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sagten, Bakterien in Wasser und Nahrung seien die grösste Gefahr in den Unglücksgebieten, in denen es an Sanitäranlagen mangle. Als weiteres Infektionsrisiko gelten die 12,5 Millionen Tierkadaver im Katastrophengebiet.
Die Regierung schickte nach eigenen Angaben 48 Wasseraufbereitungsanlagen in die am schlimmsten betroffenen Bezirke Beichuan und Wenchuan. Jedes der Geräte soll Wasser für bis zu 10’000 Menschen reinigen.
Die Regierung in Peking spricht nun von fast 29’000 Toten. Die Zahl könnte auf 50’000 steigen. Ein Regierungssprecher ergänzte, 4,8 Millionen Menschen seien obdachlos. Selbst das verarmte Nordkorea bot seinem Verbündeten und Nachbarn nach offiziellen Angaben 100’000 Dollar Hilfe an.
Präsident Hu Jintao drängte die Helfer zur Fortsetzung der Suche nach Überlebenden. Ein vermisster Deutscher, der das Erdbeben überlebte, musste anders als zuvor berichtet nicht aus den Trümmern geborgen werden. Der 62-Jährige hatte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte unverletzt zusammen mit den Bewohnern eines Dorfes ausgeharrt.
Erdbeben:
Fünf Millionen Obdachlose
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