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  • 9. Juli 2008, 10:48, NZZ Online

    Nuklear verseuchte Flüsse bei Avignon

    Nuklear verseuchte Flüsse bei Avignon

    Uranhaltiges Wasser ausgelaufen – Behörden informieren mit Verspätung

    Die Kühltürme der Atomanlage Tricastin in Südfrankreich. Die Kühltürme der Atomanlage Tricastin in Südfrankreich. (Bild: wkp)
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    Aus dem Atomkomplex von Tricastin nahe bei Avignon sind 30 Kubikmeter uranhaltiges Wasser ausgelaufen. Die Behörden liessen zwölf Stunden verstreichen, bis sie die Öffentlichkeit informierten.

    (ap/dpa) Aus der Atomanlage Tricastin in Südfrankreich – sie gehört zu den grössten in Frankreich – sind am Dienstag 30 Kubikmeter radioaktive Uranlösung ausgetreten. Ein Teil davon gelangte in zwei Flüsse, wie die Atomaufsichtsbehörde mitteilte.

    Die Gefahr für die Bevölkerung sei aber gering, sagte ein Sprecher. In drei Gemeinden nahe Avignon wurde dennoch die Verwendung von Wasser untersagt. Verboten wurden ausserdem die Bewässerung von Feldern, das Angeln und der Wassersport auf den betroffenen Gewässern.

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    Die ausgetretene Lösung enthalte insgesamt etwa 360 Kilogramm nicht angereichertes Uran, das aber nur schwach radioaktiv sei, sagte Louet. Die Ursache für den Unfall war laut der Aufsichtsbehörde noch unklar. Örtliche Behörden berichteten, die Flüssigkeit sei bei der Reinigung eines Tanks ausgetreten.

    Baden verboten

    Betroffen waren die Flüsse Lauzon und Gaffière. In der Gaffière wurde nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde unterhalb der Atomanlage eine Urankonzentration rund 1000 Mal über dem Normalwert gemessen. Der Wert gehe aber mit dem Abfliessen des Wassers rasch zurück, hiess es.

    Die Anti-Atomkraft-Gruppe Sortir du nucléaire warf den Behörden vor, den Zwischenfall zu verharmlosen. Es sei unmöglich, dass der Austritt uranhaltiger Flüssigkeit keine bedeutenden Konsequenzen für die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner habe, hiess es in einer Erklärung.

    Unabhängige Forscher warnen vor Strahlen

    Nach Einschätzung unabhängiger Forscher ist bei dem Zwischenfall in Tricastin die Umwelt stärker mit Strahlung belastet worden als bisher von den Behörden eingeräumt. Man müsse annehmen, dass die Strahlung 100 Mal höher sei als die für das Gesamtjahr zulässige Obergrenze, erklärte die Kommission für Unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität am Mittwoch.

    Der Unfall hatte sich am Dienstagmorgen um 6.30 Uhr in einem Werk zur Behandlung von Atomabfällen bei Avignon ereignet. Die Behörden warteten aber bis zum Abend mit der Bekanntgabe.

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