Samstag, 06. September 2008, 04:00:31 Uhr, NZZ Online
C. Bi. Lausanne, 8. Juli
Der Verwaltungsrat der Radio Suisse Romande (RSR) hat durchgegriffen. Gemäss den Empfehlungen des ehemaligen Waadtländer Kantonsrichters Jacques Reymond wird der Mann, der auf seinem Computer grosse Mengen von – dem Vernehmen nach – kinderpornografischen oder knapp an der Grenze zur Pädophilie einzuordnenden Bildern heruntergeladen hat, entlassen. Der Informatiker, der den Fall publik gemacht und seine Vorgesetzten öffentlich scharf kritisiert hat, wird nicht wieder eingestellt. Seine fristlose Entlassung sei berechtigt gewesen, hiess es am Dienstag in Lausanne.
Es werde ihm nicht die Entdeckung der pornografischen Dateien zur Last gelegt. Hingegen habe der Informatiker mehrmals seine Pflicht zur Vertraulichkeit verletzt. Dass es aber den RSR-Chefs nach der Entlassung des Whistleblowers doch nicht ganz wohl war, zeigt sich darin, dass der entlassene Informatiker – «angesichts seiner persönlichen Situation», wie offiziell formuliert wird – eine finanzielle Abgeltung sowie ein Outplacement-Coaching bekommt. In der Tat wird der entlassene «Porno-Detektiv» bei der RSR-Belegschaft und auch in der Öffentlichkeit weitherum als Opfer betrachtet. Auch machte er nach seiner Entlassung mit öffentlichen Aktionen und einem Hungerstreik der RSR-Hierarchie das Leben schwer.
Neben diesen beiden «roten Karten» gibt es auch eine «gelbe». Der Verwaltungsrat, heisst es gewunden, habe von der Feststellung im Reymond-Untersuchungsbericht Kenntnis genommen, dass RSR-Direktor Gérard Tschopp sowohl im Konfliktmanagement als auch bei der Kommunikation Fehler gemacht habe. Dies wird all jene freuen, die schon seit längerem munter am Stuhl des jovialen Wallisers sägen. Doch sollten sie sich nicht zu früh freuen. Denn der Verwaltungsrat, so heisst es weiter, bestätige Tschopp sein Vertrauen, und zwar einstimmig.
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