Samstag, 06. September 2008, 04:03:44 Uhr, NZZ Online
pra. Berlin, 8. Juli
Der kräftige Konjunkturaufschwung ist an den deutschen Zeitungsverlagen spurlos vorbeigegangen. Wie der Verband der Zeitungsverleger bekanntgibt, lagen die Umsätze der Branche mit 9,1 Mrd. € im vergangenen Jahr wieder knapp auf dem Niveau von 1995. 2007 konnte lediglich ein nominales Wachstum von 0,5% verzeichnet werden, wozu ein Plus von 0,9% bei den Erlösen aus Anzeigen und Beilagen beitrug, während der Vertrieb, der etwas weniger als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmacht, 0,5% weniger einbrachte. Auch im laufenden Jahr setzt sich die Stagnation fort. Die Gesamtauflage schrumpfte weiter um 1,8% auf 25,9 Mio. Exemplare, und die Anzeigenerlöse sanken um 0,1%. Viel besser dürfte sich jedoch die Gewinnsituation darstellen. Die meisten führenden Zeitungsverlage arbeiten wieder deutlich in den schwarzen Zahlen, was freilich in erster Linie durch Sparmassnahmen und nicht durch Wachstum gelang.
Als Ursache für die «nicht zufriedenstellende» Situation nennt der Verband konjunkturelle und strukturelle Gründe. Erstere folgen aus dem Umstand, dass der kräftige Wirtschaftsaufschwung in Deutschland allein von der Exportwirtschaft und den Investitionen angetrieben wurde, was abgesehen von den Stellenanzeigen kaum zusätzliche Werbung im Inland auslöste. Die Privathaushalte haben dagegen im Durchschnitt finanziell kaum vom Aufschwung profitiert, weshalb der Konsum und damit die Werbebudgets seit Jahren mehr oder weniger stagnieren. Die gesamten Netto-Werbeeinnahmen der Medien sind 2007 nach Angaben des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft um nominal 2,0% gestiegen, womit der Anteil am Bruttoinlandprodukt auf ein Rekordtief von 1,27 (2000: 1,67)% sank. Die Tageszeitungen konnten immerhin den Marktanteil von 22% halten, vor dem ebenfalls unveränderten Fernsehen mit 20%.
Bei den strukturellen Gründen nennt der Zeitungsverleger-Verband neben zunehmenden politischen Werbe-Einschränkungen das Internet, das 2007 trotz dem tiefen Ausgangsniveau die Hälfte vom gesamten Wachstum des Werbevolumens auf sich ziehen konnte. Immerhin vermerken die Zeitungsverleger mit Genugtuung, dass ihre Marken auf grosse Aufmerksamkeit stiessen. Die Zahl der regelmässigen Nutzer von Zeitungs-Websites sei 2007 um 4% auf 15,5 Mio. gestiegen, was einem Marktanteil von 40% entspreche.
Leser-Kommentare: 0 Beiträge