Samstag, 06. September 2008, 03:42:44 Uhr, NZZ Online
j. h. Historische Gemäuer wie Kirchen und Schlösser sind die Lokalitäten, in denen noch bis Ende September die Veranstaltungen des «Musiksommers am Zürichsee» stattfinden. Mit dem Ritterhaus steht in der Zürcher Oberländer Gemeinde Bubikon ein Bijou für ein entspanntes Konzerterlebnis zur Verfügung. Ein üppiger Pausenapéro im Licht der untergehenden Sonne trug das Seine zur gelösten Atmosphäre bei, so dass wohl jedes mittelmässige Amateur-Ensemble an diesem Abend halbwegs reüssiert hätte.
Für eine ganze Sache bürgte jedoch das Raschèr-Quartett. Denn mit der 1969 vom Saxofonisten Sigurd Raschèr gegründeten Formation war ein Ensemble von Weltrang verpflichtet worden, das seinem Ruf alle Ehre machte. Von der Ursprungsbesetzung ist zwar einzig noch der Tenorist Bruce Weinberger dabei, doch die jüngere Garde um ihn – Christine Rall (Sopran), Elliot Riley (Alt), Kenneth Coon (Bariton) – trägt das Feuer weiter. In drei für das Quartett geschriebenen Werken bezauberten die vier durch perfektes Zusammenspiel. So wussten traditionell gehaltene Miniaturen des schwedischen Komponisten Erland von Koch das Ohr gleichermassen zu erfreuen wie «Moon Over the Western Ridge», Nicola LeFanus mikrotonale Naturimpressionen aus einem australischen Nationalpark. Auch das simpel gestrickte Concerto for Saxophone Quartet von Philip Glass, in dem vom einst revolutionären Impetus der Minimal Music wenig mehr zu spüren ist, zeitigte dank den schnellen Sätzen mit ihren wechselnden Metren grosse Wirkung.
Begonnen hatte der Abend mit Bach. Hinreissend, wie das Quartett drei Contrapuncti aus der «Kunst der Fuge» geschmeidig in Fluss hielt, so dass allfällige puristische Bedenken bezüglich der anachronistischen Instrumentierung schon mit dem ersten Themeneinsatz weggeblasen wurden. Entsprechend gross war die Freude an einer weiteren Bach-Transkription als Zugabe.
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