[Alt + 1] zur Startseite [Alt + 2] zum Seitenanfang [Alt + 3] zur allgemeinen Navigation [Alt + 4] zur Hauptnavigation [Alt + 5] zum Inhalt [Alt + 6] zu Tipps, Hinweise und Kurzinfos [Alt + 7] zur Suche [Alt + 8] zum Login von MyNZZ [Alt + 9] zur Fusszeile
.
  • 7. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Musik im Dienst des Glaubens

    Musik im Dienst des Glaubens

    Das Sufi-Bach-Projekt der Pocket Opera Company

    Toolbox
    Druckansicht

    azn. Bis jetzt ist die Pocket Opera Company des Dirigenten Howard Griffiths vor allem mit fulminanten Operetten-Aufführungen hervorgetreten. Ihr Beitrag zu den Zürcher Festspielen indes war anders: In einer Zeit der Konfrontation der westlichen Kultur mit dem Islam und von viel gegenseitigem Unverständnis sollte eine musikalische Begegnung spiritueller Musik helfen, Türen ein klein wenig zu öffnen. Auf der einen Seite Johann Sebastian Bach, der die christlich-lutherische Theologie gleichsam in intensiv wirkende musikalische Strukturen übersetzte, auf der andern Seite Musik der Sufis, jener islamischen mystischen Gruppierung, welche im Gegensatz zum orthodoxen Islam der Musik gegenüber keine Vorbehalte hat. Rezitationen von Peter Arens sollten die Hörbereitschaft verstärken.

    Anzeige
    .
    .

    In einem ersten Teil erklang Bachs Kantate «Wer nur den lieben Gott lässt walten» BWV 93 mit Eva Oltiványi (Sopran), Roswitha Müller (Alt), Simon Witzig (Tenor) und René Perler (Bariton) sowie mit der Freitagsakademie Bern auf historischen Instrumenten – eine komplexe Musik, die dennoch die Herzen der Zuhörenden direkt erreichte. Nahtlos schloss das türkische Sufi-Ensemble unter der Leitung von Burhan Öçal an. Mit zwingender Dramaturgie reihen sich wunderbar improvisatorische Passagen, Lobgesänge und Hymnen in einer Steigerungsform mit dem Zweck, den Derwisch in seinem Drehtanz in die Liebes-Ekstase zu versetzen, in der er sich als Braut des über allem stehenden Gottes erlebt.

    Dass hier zwei gegensätzliche Kulturen die Kraft der Musik in den Dienst des Glaubens stellen, war mehr noch in der zweiten Hälfte mit umgekehrter Reihenfolge zu erleben: eine erneute Steigerung des Sufi-Ensembles, dann, nach einer ziemlich komplizierten Modulation der Zither Kanun in die Tonart Bachs, die Kantate BWV 107 «Was willst du dich betrüben». Schön, wie hier zwei kräftige Dinge eigenständig nebeneinander stehen konnten. Dennoch gab es den unnötigen Versuch, als Zugabe etwas gemeinsam zu tun. Mit dem üblichen Resultat: Beide spielten weit unter ihrem Niveau.

    Zürich, Kirche St. Peter, 3. und 4. Juli.
    .
    Leserkommentare ein- und ausblenden Leser-Kommentare: 0 Beiträge
    .
    Um selbst einen Leser-Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich hier anmelden. Bitte beachten Sie die für Leser-Kommentare geltenden Richtlinien und Copyright-Bestimmungen.
[Alt + 9] zum Seitenanfang